Wohnhaus

Stammstraße 80 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1715
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Stammstraße 80, 50823 Köln
Baujahr1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 26.10.1983
Stadtteil Ehrenfeld

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Ehrenfeld, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils dokumentiert. Ehrenfeld entstand 1845 durch eine spekulative Initiative von Köln aus als erster linksrheinischer Vorort (unter Mitwirkung von Stadtbaumeister Weyer), da innerhalb der Mauerumwallung Kölns die Bauplätze knapp wurden. Durch industrielle Ansiedlungen gewann der Ort schnell an Bedeutung und besaß kurzzeitig, bis zur Eingliederung nach Köln Ende des 19. Jahrhunderts, die Stadtrechte. Das Haus ist ein geschichtliches Dokument städtischer Erstbebauung nach der Eingemeindung Ehrenfelds.

Das um 1900 erbaute Mietstockwerkhaus besitzt eine Stuckfassade in floralem Jugendstil. An die dreiachsige, axial gegliederte Fassade ist rechts, etwas zurückspringend, eine Treppenhaus-Achse angehängt. Der Architekt nahm bei dieser ungewöhnlichen Lösung die versetzten Fenster und die unklare Akzentuierung in Kauf. Vielleicht folgt auch deshalb das Erdgeschoß nicht der Axialität der Obergeschosse, sondern setzt durch je drei gekuppelte Fenster in den beiden Mittelachsen den Akzent nach rechts. Links stehen zwei gekuppelte Fenster genau in der Außenachse, auch hier Stuckpfeiler und -kämpfer und geschlossene Oberlichter. Die Fassadenwand ist leicht rauh rustiziert mit schmalen Fugen, ein abschließendes Geschoßgesims über die Breite der linken drei Achsen faßt diesen Teil zusammen. Im ersten Obergeschoß stehen darüber in den Achsen Brüstungsfriese in stuckiertem Rollwerk, die Mittelachse mit zwei gekuppelten Fenstern springt hier schon etwas zurück, um von einem auch das zweite Obergeschoß umfassenden Rundbogenrahmen eingefaßt zu werden. Das Mittelteil wird durch Friese in der Brüstung und über dem geraden Sturz der drei gekuppelten Fenster des zweiten Obergeschosses betont, darüber erhebt sich, von seitlichen, auf Maskenkonsolen scheinbar aufliegenden Vorlagen scheinbar getragen, der dreieckige Ziergiebel. Das Dachgesims ist in der Mitte unter dem Ziergiebel verkröpft. Die Seitenachsen nehmen das Motiv der kurz vor der Brüstung endenden Fenstereinrahmung auf, die hier glatt mit quaderartigen Vorsprüngen in der Kämpferzone um das Fenster läuft. Eingefaßt wird, über dem geraden Sturz in einem Segmentbogen, ein Stuckrelief mit Pflanzen- und Wappendekor. Ein schmales Relief ist auch sichtbar unter dem Fensterbankgesims des zweiten Obergeschosses, sparsamer Schmuck als glatter, etwas gekröpfter Rahmen auch hier. Die Mittelfassade rahmen senkrechte, gezahnte Stuckbänder mit Horizontalfugen ein.

Das seitliche Treppenhaus weist über der mit Rundbogen abschließenden Türe zwei Treppenhausfenster mit Stichbogen auf, mit (wie im ganzen Gebäude) erneuerten Blend- und Flügelrahmen. Über einem Stuckfries (Vase und Pflanzen) endet die Treppenhaus-Achse in zwei gekuppelten Fenstern. Rückwärtige Fassade verputzt.

Das Innere weist außer dem Terrazzofußboden im Eingang und der Holztreppe mit Holzgeländer keinen weiteren, originalen Bestand auf.

Städtebaulich wurde die parallel zur Venloer Straße laufende Stammstraße durch verkehrsberuhigende Maßnahmen als Wohnstraße erhalten. In der sehr unterschiedlichen Bebauung hebt sich das Haus Nr. 80 durch seine maßstabbildende Originalsubstanz hervor und ist unverzichtbar für Charakter und Bild des historisch gewachsenen Straßenraums.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0