Wohnhaus
Meister-Gerhard-Straße 4 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2026 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Meister-Gerhard-Straße 4, 50674 Köln |
| Baujahr | 1890 bis 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 16.01.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde zwischen 1890 bis 1895 als dreiachsiges Wohnhaus mit einem Souterrain, vier Vollgeschossen, einem Erker mit Balkon und einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.
Die Meister-Gerhard-Straße und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 mal 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestandes oder, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.
Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-GerhardStraße und die Boissereestraße schwergewichtmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten und wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.
Das Mittelfeld der Fassade nimmt ein flacher, breiter Erker ein, über einer flachen Mauervorlage derselben Breite am Souterrain und ersten Obergeschoß. Die Seiten des Erkers wurden von wuchtigen, geschwungenen Konsolen zu beiden Seiten des großen Mittelfensters am ersten Obergeschoß unterstützt. Der Erker schließt in Fensterbankhöhe des viertes Geschosses mit einem Balkon ab. Der Souterrain und die Quaderung, die Halbkreisbogen der Seitenachsen, der Korbbogen der Mittelachse des ersten Obergeschosses, das mit dem Fensterbankgesims des zweiten Obergeschoß abschließt, bilden eine architektonische Einheit als Sockel der Fassad, der die Brüstungszone des Erkers am zweiten Obergeschoß mit einbezieht. Darüber sind das zweite, dritte und vierte Obergeschoß durch flächigen Stuck, dem die Schmuckformen der Fensterumrahmungen aufgesetzt sind, als einheitliches Fassadenelement zusammengefaßt. Am zweiten und dritten Obergeschoß wiederholen die über zwei Geschosse vertikal verbindenden Fensterumrahmungen die zentrale, überhöhte Vertikalität der Erker. Die geschlossene Wirkung des Fassadensockels steht im Gegensatz zu der durch reiche Fensterzahl des Erkers und die vier Fenster des vierten Obergeschosses offene Wirkung der oberen Geschosse. Das Gestaltungsmotiv der Haustüre ist ein Fenster mit Brüstung, Rahmungen, profiliertem Kämpfer und schmalem Oberlicht.
Der graue Terrazzoboden des Hausflurs trägt um ein zentrales Motiv stilisierter Pflanzen eine frei liegende Rahmung aus weißem Mosaik und schwarzem Terrazzo, mit Ecken aus diagonal ausgerichteten, stilisierten Pflanzenornamenten. Die glatten, mit schmalem Fugenschnitt gequaderten Wandsockel schließen mit einem wulstigen Gesims ab. Der obere Wandteil, die Hohlkehlen und die waagerechte Decke sind von erhabenen Bändern mit mittigen Kanneluren in drei Jochfelder unterteilt. Unterhalb der Decke liegt, unterbrochen von den Bändern der Joche, ein Fries aus Blatt- und Blumenornament. Der Boden des Treppenhauses trägt denselben Schmuck wie der des Hausflurs. Die gerade, zweiläufig und gegenläufige Treppe aus grauem Terrazzo trägt ein Holzgeländer mit -handlauf und gedrechselte Geländerpfosten auf allen Podesten. Die Zwischen- und Stockwerkpodeste tragen Bodendekor. Die Treppenhausfenster sind in originaler Ausführung erhalten. In den Wohnungen sind Stuckdecken, Türlaibungen und Türen erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0