Wohnhaus

Meister-Gerhard-Straße 8 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1973
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Meister-Gerhard-Straße 8, 50674 Köln
Baujahrum 1904 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 05.01.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1904 bis 1906 als Wohnhaus mit vier Geschossen, einem Souterrain, vier Achsen, einem Erker mit Balkon und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.

Die Meister-Gerhard-Straße und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 mal 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestandes oder, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.

Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-GerhardStraße und die Boissereestraße schwergewichtmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten und wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.

Die Verschmelzung von klassizistischer Grundauffassung und Jugendstil in eigenartiger Symbiose von Regel und Freiheit einer neuen Stilepoche: Die immer wieder betonten Lasten horizontaler Elemente treten zurück zugunsten die Stockwerke übergreifender, aufwärts gerichteter Strukturen. Das erste bis zweite, dritte bis vierte Obergeschoß und ein schmaler, erkerartiger Risalit ohne Seitenfenster in den beiden linken Achsen mit abschließendem Balkon und einem die Oberkante auflösenden Brüstungsgitter im dritten bis vierten Obergeschoß treten als sich überschneidende, aber in sich klar abgrenzende Gebäudeteile auf. Dem mit einem schmalen Gesims abschließenden Souterrain folgt als Mauerpfosten zwischen den Fensterachsen eine über zwei Geschosse reichende Pfeilerfolge, die mit dem Brüstungsband am dritten Obergeschoß als Architrav zusammenfassend abschließt. Darüber erheben sich in Fortführung der Pfeilerachsen am dritten und vierten Obergeschoß Pilaster, die das abschließende Dachgesims gemeinsam tragen.

Wände und Decke des Hausflurs teilen in gleichmäßigen Abständen vertikale Joche aus dekortierten, bandartigen Stuckvorlagen auf, die unterhalb der Deckenkehlen horizontale Friese in floralem Dekor miteinander verbinden. Die Randrahmungen des farbigen Terrazzobodens lösen sich an den Ecken in vier gleiche, ornamentale Pflanzenmotive auf. Die Mitte des Bodenspiegels ziert ein stilisiertes Bouquet. Die zweiläufige Terrazzotreppe sichert ein Holzgeländer und -handlauf. Die Stockwerkpodeste wiederholen in ähnlicher Verkleinerung den Terrazzodekor des Hausflurs. Die Zwischenpodeste zieren fabrige Rahmungen.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0