Wohnhaus

Meister-Gerhard-Straße 16 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2027
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Meister-Gerhard-Straße 16, 50674 Köln
Baujahrum 1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.01.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1890 bis 1895 als viergeschossiges, vierachsiges Wohnhaus mit einer Toreinfahrt und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.

Die Meister-Gerhard-Straße und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 mal 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestandes oder, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.

Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-GerhardStraße und die Boissereestraße schwergewichtmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten und wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.

Über dem als Basis konzipierten Erdgeschoß sind sämtliche übrigen Geschosse als einheitlicher Bauteil mit dem Stockwerkgesims über dem Erdgeschoß und dem Sohlbankgesims des ersten Obergeschosses mit den dazwischen liegenden Brüstungselementen unterhalb und dem Dachgesims oberhalb zusammengefaßt. Die seitlichen Achsen werden am ersten bis dritten Obergeschoß in klassizistischer Manier von Mauervorlagen risalit-artig hervorgehoben. Durch Heranführen der Stockwerkflächen fis an die Fensterbankgesimse der nächst höheren Geschosse erscheint die Gebäudehöhe scheinbar größer. Die Schmuckformen der Fensterumrahmungen stehen in Kontrast zu den im wesentlichen glatten Wandflächen. Die Fenster des ersten Obergeschosses werden mit besonders großem Aufwand von Balustraden, Säulen, Architrav und Dreieckgiebel gerahmt, die sowohl in der rechten als auch in der linken Achse plastische Portrait-Darstellungen umschließen; in den beiden mittleren Achsen liegen die Architrav-Balken auf Konsolen auf. Den Raum zwischen ihnen und der barock geschwungenen Überdachung füllt Portrait-Köpfe umschließendes Rankenwerk aus.

Dem sich bereits äußerlich architektonisch von seiner Umgebung abhebenden Gebäude entspricht eine ungewöhnliche Eingangssituation. Dem Hauseingang schließt sich eine zimmerartige Diele an, die ein rechteck-förmiger Mauerausschnitt mit dem Treppenhaus verbindet. Dem Holzfußboden entspricht der Wandsockel in Holz aus Fußleiste, Vertäfelung und abschließendem Gesims, bemalt mit roter Marmor-Äderung, der an beiden Seiten in das Treppenhaus hinein weiterführt. Die kassettierte Laibung des rechteck-förmigen Mauerausschnitts trägt handgemalte Rosenbouquets.

Einen zweiten Zugang zum Treppenhaus ermöglicht eine zweiflügelige Türe innerhalb der Tor-Passage mit einem Oberlicht und Verglasung der obersten der drei Türblattfüllungen. Der Terrazzoboden des Treppenhauses trägt vor dem Treppenaufgang ein quadratisches Feld, das einen Stern aus schwarzen und weißen Rauten umgibt. Die zweiläufige Treppe, deren Geländer und Handlauf aus Holz besteht, der mit einer Holzleiste abschließende Wandsockel aus einer Ledertapete an den Treppenläufen, geprägt mit schmalen Streifen und versetztem Kleinmuster. Die einflügeligen Wohnungstüren zwischen zwei schmalen, feststehenden Seitenteilen im Wandanschluß überdacht ein profilierter Kämpfer unterhalb eines hohen Oberlichts mit vertikaler Sprossenteilung. Türe und Seitenteile sind in den beiden oberen Dritteln ornamentverglast.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0