Wohnhaus

Meister-Gerhard-Straße 21 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2097
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Meister-Gerhard-Straße 21, 50674 Köln
Baujahr1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 01.02.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1890 bis 1895 als viergeschossiges, vierachsiges Wohnhaus mit einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.

Die Meister-Gerhard-Straße und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 mal 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestandes oder, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.

Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-GerhardStraße und die Boissereestraße schwergewichtmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten und wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.

Die dem Klassizismus verbundene Architektur erweitern Schmuckelemente aus der Formensprache der Renaissance. Die Fensterumrahmungen und -überdachungen ein und desselben Geschosses sind gleich, die Geschosse heben sich jedoch gegeneinander mit jeweils charakteristischen, unverwechselbaren Schmuckformen ab. Die horizontale Bänderung der Rustika über dem mit dem Fensterbankgesims am Erdgeschoß überdeckten Erdsockel wird durch das erste und zweite Obergeschoß als Einheit und unterhalb durch das Stockwerkgesims mit dem Sohlbankgesims am ersten Obergeschoß und dem dazwischen liegenden Brüstungsband mit schildfarbigen Platten unterhalb der Fenster und dem doppelt ausgeführten Sohlbankgesims am dritten Obergeschoß eingefaßt. Das vierte Obergeschoß, das wie das dritte erst an den Sohlbankgesimsen zu beginnen scheint, bezieht sich allein auf seine, die Traufzone tragende, Aufgabe. Die Lage der mittleren der drei Dachhäuschen markiert die Lage der zentralen Symmetrieachse.

Der Terrazzoboden des Hausflurs aus farbigen Feldern und Rahmungen führt zu einer zweiläufigen Holztreppe mit in wellenförmigem Umriß gedrechselten Antrittspfosten, einem Holzgeländer und -handlauf. Die einflügeligen Wohnungstüren zwischen zwei schmalen, feststehenden Seitenteilen im Wandanschluß überdacht ein profilierter Kämpfer unterhalb eines hohen Oberlichts mit vertikaler Sprossenteilung. Im Ausbau der Wohnungen sind Stuckdecken mit Randrahmung, zentralen Rosetten sowie originale Türen und -gewände erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0