Wohnhaus
Heinsbergstraße 30 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2189 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Heinsbergstraße 30, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.04.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1890 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Die Heinsbergstraße verbindet eine Schmalseite, die Südostseite des Rathenauplatzes, mit der Zülpicher Straße und der Kyffhäuserstraße. Sie besteht aus zwei etwa gleich langen Straßenabschnitten mit Richtungswechsel ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße. Der Abschnitt zwischen Rathenauplatz und Zülpicher Straße verläuft etwa parallel zur Roonstraße, der Straßenabschnitt zwischen der Zülpicher Straße und Kyffhäuserstraße parallel zur Hochstadenstraße. Beide Abschnitte finden an der Kreuzung Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß durch die Eckhäuser mit den anschließenden Straßenfronten der Heinsbergstraße und Zülpicher Straße. Von der Zülpicher Straße aus gesehen, endet der wohnliche Charakter des Straßenraums mit dem stehenden Rechteck seines Querschnitts als Ausblick auf den Bestand historischer Bäume und der lichten Weite des Rathenauplatzes. Der Straßenraum in Richtung Kyffhäuserstraße endet mit der historischen Hausfassade Kyffhäuserstraße 33. Die Heinsbergstraße hat wie die Lochnerstraße und Görresstraße als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene, rückwärtige Bebauung aufweisen. Hohe Nutzung der Grundstücksfläche = Bebauung des Grundstücks auch mit Hinterhaus.
Der Dreieckgiebel als Überdachung, eine regelmäßige, ornamentierte Schmuckform, die unterhalb an der Fensterbank anschließt, und der Freiraum zwischen den beiden Dachgauben kennzeichnen die mit der zentralen Fensterachse identischen Symmetrie-Achsen der Fassade. Das Erdgeschoß verdeutlicht seine Last tragende Funktion mit Erdsockel, einem ihn abschließenden Fensterbankgesims, kräftig ausgebildeten Fenstergewänden und Schlußsteinen über Fenstern und Hauseingang, auf denen der Doppelwulst des Stockwerkgesimses aufliegt. Die Rundbogenfenster des dritten Obergeschosses weisen auf die Last des Dachs hin, dessen Gesims von Pilastern zu beiden Seiten jeder Fensterachse gestützt wird. Die hohen Fenster, die hohen, schräg nach vorne Schlußsteine, die mit dem wenig auskragenden, aber äußerst hohen, ebenfalls schräg nach vorne geneigten Dachgesims korrespondieren, geben dem vierten Obergeschoß einen selbständigen Charakter. Die dicht zueinander gerückten Fensterumrahmungen des ersten und zweiten Obergeschosses bilden ein geschlossenes, quadratisches Feld innerhalb des Mittelfeldes der Fassade, die vom Stockwerkgesims des Erdgeschosses und dem Fensterbankgesims des vierten Obergeschosses eingefaßt wird. Die Architektur des Hauses steht in der Tradition des Kölner Klassizismus. Die Einzelelemente sind aus dem formalen Repertoire der Renaissance abgeleitet und übersetzt.
Den lang gestreckten Hausflur teilen zwei Deckenfelder zwischen Hauseingang und zwei flachbogigen Unterzügen, denen zwei Bodenfelder entsprechen, in zwei hintereinander geschaltete Räume auf. Das vordere Feld des schwarz-weiß-roten Terrazzobodens umgibt eine schwarze, das hintere Feld eine rote Randrahmung und je ein Zwischenstreifen aus Mosaik. Die Deckenfelder tragen kräftige Hohlkehlen mit wulstigen, an den Wänden stärker, um die Deckenfelder schwächer ausgeprägte Randleisten. Das vordere Deckenfeld schmückt eine zentrale, längliche Rosette aus sehr plastischen, stilisierten Pflanzenteilen um die Mitte einer kleinen Halbkugel. Die Stockwerkpodeste der geraden, zwei- und gegenläufigen Holztreppe mit Holzgeländer und -handlauf liegen parallel zu den Läufen. Dadurch liegt als charakteristisches Merkmal der Treppenanlage der zweite Lauf jeweils frei im Raum über etwa quadratischem Grundriß. Die Antrittspfosten an den Podesten sind mit den Wangen konstruktiv verbunden und bilden an den Unterseiten der Läufe und Podeste hängende Zapfen. Der Boden des Treppenhauses beteht aus schwarz-weiß-rotem Terrazzo, rotem Terrazzo als äußerem Rand und einem Zwischenstreifen aus einreihigem Mosaik aus schwarzen und weißen Steinen. Die breiten Treppenhausfenster sind im Original erhalten. Von den Wohnungsabschlüssen sind die Türrahmen und die vierteiligen Oberlichter erhalten. Der Ausbau der Wohnungen besteht aus Deckenstuck in kraftvoll geschwungenen Holzkehlen mit wulstigen Randleisten und zentralen, kleinen, aber plastisch stark ausgeformten Rosetten, aus Türen und Türbekleidungen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0