Wohnhaus

Heinsbergstraße 34 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2190
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Heinsbergstraße 34, 50674 Köln
Baujahr1892
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.04.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde 1892 (inschriftlich datiert) als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit Balkonen und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

Die Heinsbergstraße verbindet eine Schmalseite, die Südostseite des Rathenauplatzes, mit der Zülpicher Straße und der Kyffhäuserstraße. Sie besteht aus zwei etwa gleich langen Straßenabschnitten mit Richtungswechsel ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße. Der Abschnitt zwischen Rathenauplatz und Zülpicher Straße verläuft etwa parallel zur Roonstraße, der Straßenabschnitt zwischen der Zülpicher Straße und Kyffhäuserstraße parallel zur Hochstadenstraße. Beide Abschnitte finden an der Kreuzung Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß durch die Eckhäuser mit den anschließenden Straßenfronten der Heinsbergstraße und Zülpicher Straße. Von der Zülpicher Straße aus gesehen, endet der wohnliche Charakter des Straßenraums mit dem stehenden Rechteck seines Querschnitts als Ausblick auf den Bestand historischer Bäume und der lichten Weite des Rathenauplatzes. Der Straßenraum in Richtung Kyffhäuserstraße endet mit der historischen Hausfassade Kyffhäuserstraße 33. Die Heinsbergstraße hat wie die Lochnerstraße und Görresstraße als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene, rückwärtige Bebauung aufweisen.

Mit Ausnahme der Eigenständigkeit des aus der Fensterachse ganz links zur linken Hausgrenze hin verschobenen Hauseingangs verlaufen die Fensterachsen über die gesamte Fassadenhöhe durchgehend vom Erdgeschoß bis zum dirtten Obergeschoß. In optischer Überhöhung der Fassade nehmen die Geschoßhöhen in klassizistischer Tradition, teils durch die oberhalb der Geschoß-Ebenen ansetzenden, horizontalen Teilungen und Fensterumrahmungen, teils durch tatsächliche Reduktion der Geschoß- und Fensterhöhen, kontinuierlich vom Eingangsniveau bis zur Traufhöhe ab. Die Zwillingsfenster am Erd-, ersten und dritten Obergeschoß, die Drillingsfenster am zweiten, die schmale Mauervorlage am ersten, zweiten und dritten Obergeschoß, die formal ungewöhnlichen Fensterumrahmungen in Form einer Ädikula um zwei Fenstertüren mit schmiedeeisernem Brüstungsgitter, deren gebrochener Dreieck-Giebel den unteren Teil der Fenstertüre mit schmiedeeiserner Brüstung und zwei schmalen, seitlichen Fenstern am zweiten Obergeschoß eingefaßt und das über der Inschrift des Baujahrs aufgekröpfte, überdachende Gesims in Breite der Ädikula am ersten Obergeschoß, akzentuieren die Asymmetrie der Fassade auf eindrucksvolle Weise. Die ebene, großflächige Quaderung, deren breite Fugen und das abschließende Fensterbankgesims des Erdsockels, die flächige Quderung der Fensterpfeiler, die Quaderungen der waagerechten Stürze als Auflager des kräftig dimensionierten Stockwerkgesimses vermitteln die Last tragende Funktion des Erdgeschosses. Das Stockwerkgesims über dem Erdgeschoß, das mit den zunehmend weit auskragenden Überdachungen des ersten, zweiten Obergeschosses und des Dachgesimses korrespondiert, faßt zusammen mit dem Fensterbankgesims am dritten Obergeschoß das Fassadenmittelfeld des ersten und zweiten Obergeschosses ein, innerhalb dessen die Fensterumrahmungen, Brüstungsfelder und Verdachungen in dichter, vertikaler Folge stehen. Die mit Diamantwürfeln besetzten Umrahmungen der Halbkreisbogenfenster am dritten Obergeschoß drücken die Auflast der Traufe und zugleich spielerische Tragfähigkeit aus. Die aus dem Repertoire der Renaissance abgeleiteten Gestaltungsmerkmale wurden entsprechend dem Repräsentationsbedürfnis der Zeit in neue Formen umgesetzt.

Der Boden des Hausflurs besteht aus schwarzweißem Terrazzo mit einer Rahmung, deren Streifen von innen nach außen zunehmend breiter wird, von einreihigem, weißen Mosaik über schwarzem und grauen Terrazzo bis zur äußeren Randrahmung aus rotem Terrazzo. Die Mitte bildet ein ungewöhnlich umfangreiches, längliches, die Gesamtbreite des Bodenspiegels einnehmendes, zweiachsig symmetrisches, stilisiertes Pflanzenornament in Terrazzo, rot und schwarz auf grauem Hintergrund von einem Streifen aus weißem Mosaik umgeben. Der schwarze Streifen der Rahmung des Bodenspiegels bildet an den Ecken jeweils mit jeder Seite zwei Wendel als Mittelteil eines stilisierten Pflanzenmotivs in Schwarz, umgeben von einem Streifen aus weißem Mosaik, mit denen deren Symmetrie-Achsen mit den Winkelhalbierenden der Ecken identisch sind. Das aufwendige Profil der Fußleisten vermittelt zwischen dem Dekor des Fußbodens und der Wand. Die Hohlkehle der Stuckdecke und eine profilierte Deckenleiste umrahmen den Deckenspiegel. Die ungewöhnlich umfangreiche und reich gegliederte, zentale Stuckrosette besteht aus einer Komposition geometrischer Grundfiguren (zwei konzentrische Quadrate, an den Mitten der Seiten des äußeren Quadrats angesetzte Halbkreise), die barockes Schmuckwerk umgibt. Alle Teile sind durch Einzelschmuck reich gegliedert. Das schmale, quer liegende Bodenfeld am Eingang zum Treppenhaus zwischen zwei Mauervorlagen, die einen waagerechten Unterzug abstützen, besteht aus schwarzweißem und einer Randrahmung aus scharzgrauen Terrazzo. Den Terrazzo-Boden des Treppenhauses umgibt ein Streifen Mosaik aus im Wechsel gelegten schwarzen und weißen Steinen und einer roten Randrahmung. Die ungewöhnliche Treppenanlage in Holz mit Holzgeländer und Holzhandlauf ist über einem schmalen, lang gestreckten Rechteck-Grundriß errichtet. Die Stockwerkpodeste nehmen eine Längsseite ein. Die beiden daran anschließenden, um 90 Grad gewendelten Treppenläufe liegen zu beiden Seiten eines Zwischenpodests, das sich an der Mitte der gegenüber liegenden Längsseite befindet. Das lang gestreckte, etwa einen Meter breite Treppenauge übernimmt die Belichtung vom Dach her. Von den Wohnungsabschlüssen sind die Rahmen und die geteilten Oberlichter erhalten. Die Wohnungen enthalten in großem Umfang Deckenstuck aus Hohlkehlen mit ausgeprägt profilierten Randleisten, zentralen, ungewöhnlich reich gestalteten Mittelrosetten, originale Türen, Türbekleidungen, Holzböden und originale Fenster mit Diamantquader-Schmuck auf den Schlagleisten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0