Wohn- u. Geschäftshaus

Roonstraße 27 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2208
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Roonstraße 27, 50674 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.04.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1890 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einem Balkon und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher- und Lindenstraße die Achse der Roonstraße mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 1 000 x 500 m

bemessene, rechteckförmige Platz (ehem. Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszuges zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der Altkatholischen Kirche und im Süden durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, kündet durch den leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den gegenüber dem der Altkatholischen Kirche höheren Turm der Herz-Jesu-Kirche die Nähe der Ringe an. In der Roonstraße wird an den Enden des Rathenauplatzes auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der Altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt. Die Architektur realisiert drei Komponenten ihres Inhalts: Die Forderung nach Präzision, disziplinierter Ausrichtung (Ausprägung der vertikalen Symmetrie) und Repräsentation, die ungeachtet des schmalen Grundstücks alles daran setzt, ein Höchstmaß an Ausdruck zu erreichen, dann die unverwechselbare Handschrift des Architekten und die Anwendung von Stilelementen der Renaissance und Schmuckelementen des Barock als formales Rüstzeug. Entgegen klassizistischer Tradition nehmen die Fensterhöhen von Geschoß zu Geschoß nach oben hin zu, wodurch die perspektivische Verkürzung aufgehoben und auf den gleichmäßigen Wert jedes Geschosses hingewiesen wird. Entsprechend nimmt auch das Ausmaß und ästhetische Gewicht der Überdachungen zu bis hin zu der weitesten Auskragung des Dachgesimses. Die Fensterumrahmungen des 1. und 2. OG sind netzartig miteinander verknüpft und zwar vertikal durch Verbindung von Überdachungen und Sohlbankgesimsen und horizontal durch Stuckbänder, welche auf den Pfeilern zwischen den Fenstern die Fensterwände viermal in gleichen Abständen verbinden, nämlich in Sturzhöhe, in Höhe der Oberlichtkämpfer, in Höhe der Fensterbänke und mittig zwischen den Fensterbänken und den Kämpfern, womit die Fensteraufteilung und die Lage des Oberlichtkämpfers als Elemente der Fassade deutlich werden. Die das Gebäude tragende Erdgeschoßwand reduzieren zwei schmale, hohe Eingänge in je einer Seitenachse, wodurch die Last des Balkons an der Mittelachse des 1. OG verdeutlicht und die Lage der Symmetrieachse markiert ist. Die Silhouette des Daches bilden das traufständige Satteldach, das von zwei hoch über die Dachfläche gezogenen Brandwänden als Wangen eingefaßt wird. Den Terrazzoboden des Hausflures umfaßt eine innere Rahmung aus weißem Mosaik und eine äußere, schwarze Randrahmung. Die einläufige Treppenanlage besteht mit Geländer, Handlauf und einem hohen, gedrechselten Antrittspfosten aus Holz.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0