Wohnhaus
Händelstraße 8 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3028 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Händelstraße 8, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.07.1985 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, weil es die Erstbebauung des westlichen Gebietes des ehem. Rayongeländes und somit die Entstehungsgeschichte der Kölner Neustadt dokumentiert. Die Bebauung nach dem von Hermann-Joseph Stübben und Karl Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplanes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen dem Mauritiuswall und den preußischen Befestigungen ein Netz von Straßen mit unterschiedlicher sozialer Bestimmng entstehen. Die parallel zur Ringachse laufende Händelstraße ist in ganzen Abschnitten von der unmittelbaren Nachbarschaft der Prachtbauten des Hohenzollernrings beeinfußt. Aus standortbedingten Gründen wurden hier anspruchsvolle Grundstücke für Mieter mit mittleren und gehobenen Ansprüchen architektonisch erschlossen. Baukünstlerisch belegt das 4geschosssige und 4achsige traufständige Wohnhaus mit voll augebautem Souterrain die Vollblüte des Kölner Historismus mit seinem Reizüberangebot an allen möglichen Bauzitaten. Auf dem Betonsockel und plastisch gebändertem EG mit drei Fenstern und hohen Eingangstüren entfaltet sich die Backssteinfassade mit reichem Stuckzierat. Die Segment- und Dreieckgiebelbekrönung der Fenster an den zwei Außenachsen mit weit ausladendem platischen Schmuck der Stürz- und Brüstungsfelder (im 1. OG die Protraitabbildung des Künstlers selbst ?) verleihen dem Wohnhaus herrschaftliches Aussehen, das an Palastbauten der italienischen Renaissancezeit erinnert. Im Unterschied zu den als "piano nobile" aufgefaßten zwei Hauptgeschossen kommt das oberste und untere Geschoß ohne Schmuck und Fensterbekrönung aus. Das später eingesetzte flache Balkongeländer aus Eisengußstangen in der zweiten Fensterachse hat nur dekorative Funktion, betont in der Dachzone auch durch das stark gekröpfte Kranzgesims mit Zahnschnittleiste an Konsolen. Das verengte Vestibül mit Marmortreppe führt zum feierlich gestalteten Hausfoyer. Die prunkvollen Rahmenfelder glänzen mit figurativem Schmuck. Die korinthischen Pilaster und Puttenmotive, eingerahmt von Blatt- und Rankenbändern und laufenden Endigungen, sowie zwei Medusenmasken als Abschluß des monumentalen Abtritts zum Treppenflur entfalten das an der Fassade schon angedeutete Stilvokabular des Historismus in einem weiteren Bereich. Die Holztreppe mit Antrittspfosten und gedrechseltem Geländer führt in die oberen Stockwerke mit 2teiligen hohen Wohnungseingangstüren mit Oberlicht und anspruchsvoller Rahmung. Im Hintertrakt ist die 3stöckige Loggiabildung mit Eisengittergeländer aus der Erstbebauungszeit sowie einzelne Fenster in ursprünglicher Teilung noch erhalten. Städtebaulich bildet das o. g. Wohnobjekt mit den Nebenhäusern 6 und 10 (und dann 16 und weiter) eine wirkungsvolle Straßenfront, die besonders in der Beschmückung auf die gegenseitige Inspiration und sogar auf einen Baumeister (Haus Nr. 10) hindeutet. Die Wiederholung einzelner Motive verleiht der geschlossenen Zeile von Häusern den Charakter eines abwechslungsreichen geschichtlichen Straßenensembles aus der Gründerzeit.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0