Villa

Pferdmengesstraße 23 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7400
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVilla
Adresse Pferdmengesstraße 23, 50968 Köln
Baujahr1921 bis 1923
Eigentumstädtisches / öffentliches Eigentum
Eingetragen seit 15.02.1995
Stadtteil Marienburg

Erbaut in den Jahren 1921 bis 1923 von dem Architekten Paul Pott für den Fabrikanten Hermann Hertz. 1950/51 Wiederaufbau von Vorbau, Dach und Teilen des Obergeschosses nach Kriegszerstörung.

2geschossige, traufständige Backsteinvilla mit 1geschossigem Vorbau, Blendgiebel mit Kaminvorbau und schiefergedecktem Satteldach auf leicht unregelmäßigem L-förmigen Grundriß.

Gliederung der dunkelroten Backsteinfassaden durch aufgemauerte, vorspringende Quaderungen an den Gebäudeecken. Die Fenster-, Balkon- und Terrassentüröffnungen sind hochrechteckig und z. T. zu Zweier- und Dreiergruppen mit gemeinsamer Rahmung angeordnet. Alle Fensteröffnungen sind mit 2flügeligen Sprossenfenstern versehen, die mit Ausnahme der Fenster im Vorbau profilierte Kämpfer aufweisen.

Die 1flügelige Eingangstür mit Sprossenverglasung befindet sich aus der Flucht zurücktretend in einer segmentbogigen Türöffnung mit Werksteinrahmung und Schlußstein, ungefähr in der Mitte des 1geschossigen mit einem schiefergedecktem Pultdach abschließenden Vorbaus, der 2/3 der Gebäudefront vorgelagert ist. Auch der Nebeneingang an der linken Vorbauseite ist rundbogig und wird durch eine Quaderaufmauerung betont. Der Vorbau wurde 1950/51 anstelle eines kriegszerstörten Vorgängerbaus, dessen ursprüngliches Aussehen nicht bekannt ist, errichtet. Die sich anschließende linke Gebäudehälfte ist 2achsig, wobei die rückwärtige Achse risalitartig vorgezogen und durch aufgemauerte Quaderung an den Ecken betont ist.

An diesen Bauteil schließt sich - heute durch einen späteren seitlichen Garagenanbau etwas verunklärt - nach einem Rücksprung ein weiterer 2geschossiger Baukörper an, der etwas aus der Achse verschoben ist. Ihm ist gartenwärts ein 1geschossiger Erkervorbau mit Dachterrasse angefügt.

Dem Schnittpunkt der beiden Gebäudeschenkel ist zur Gartenseite eine schräggestellte Achse vorgelegt, die mit einem Dreiecksgiebel endet. Vor dem Obergeschoß befindet sich ein kleiner Balkon mit Metallbrüstung. Ein weiterer, auf zwei Säulen aufgeständerter Balkon vor dem Obergeschoß bildet gleichzeitig die Überdachung einer darunterliegenden Terrasse. Die verbleibende rechte Gebäudeseite ist mit einem polygonalen Erker im Erdgeschoß versehen.

Neben dem Äußeren ist auch das Gebäudeinnere weitgehend im Originalzustand erhalten. Dies bezieht sich sowohl auf den inneren Grundriß als auch auf eine Vielzahl von Ausstattungsmerkmalen. Dazu gehören die Fußbodenbeläge aus schwarzweißen Fliesen im Schachbrettmuster in Diele, Flur und Küche sowie Stabparkett in Wohn-, Herren- und Eßzimmer, die Zimmertüren, der Kamin im Erdgeschoß und die hölzerne Geschoßtreppe mit erneuertem Geländer.

Die originale Einfriedung des Grundstücks mit Backsteinmauer mit Metallgeländer und Metallgittertor ist noch vorhanden. Ebenso die mit Backsteinen im Fischgrätmuster gepflasterte Auffahrt.

Begründung der Denkmaleigenschaft gemäß § 2 DSchG NW:

Die Villa Pferdmengesstr. 23 befindet sich in dem 1888 eingemeindeten Kölner Vorort Marienburg, der seinen Ausbau zu einer geschlossenen "Villen-Colonie" vor allem der Privatinitiative des Kölner Industriellen Ernst Leybold verdankt, der gegen Ende des letzten Jahrhunderts mit dem Bau erster Straßen und Landhäuser begonnen hatte. Die Hauptbauphase Marienburgs endet mit dem Ersten Weltkrieg. Bis dahin entstanden überwiegend in Parks eingebettete Großvillen mit separatem Kutscher- bzw. Garagenhaus sowie Gartenpavillions. Vorherrschend war dabei eine an dem englischen Landhausstil orientierte Architektur, wie sie vor allem Otto March und Paul Pott vertraten.

Trotz erheblicher Kriegszerstörungen konnte Marienburg seinen Charakter als "Villen-Colonie" weitgehend bewahren und zählt somit zu den wenigen noch geschlossenen, von Architektur und Grünplanung bestimmten Villengebieten in Deutschland.

Auch nach dem Krieg und bis in die 50er Jahre hinein entwarf und baute Paul Pott (1882 bis 1966) weitere Wohnhäuser. Den Zeiten und Verhältnissen entsprechend entstanden nur noch wenige Großvillen und die Gebäude wurden kleiner. So weist die Villa Pferdmengesstr. 23 noch einmal viele Merkmale der englischen Landhausarchitektur auf, sowohl in Bezug auf Material (roter Backstein mit Sprossenfenstern) als auch Details wie dem auffälligen Kaminanbau oder der zentralen Halle - jedoch wirkt alles auf eine bestimmte Art reduziert - ein typisches Merkmal der Pottschen Architektur.

Die Villa Pferdmengesstr. 23 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenwohnort Marienburg", an Erhaltung und Nutzung besteht dementsprechend aus architekturgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0