Wohnhaus mit Garten

Thurner Straße 90 · Dellbrück

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3090
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus mit Garten
Adresse Thurner Straße 90, 51069 Köln
Baujahr1913
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 07.08.1985
Stadtteil Dellbrück

1913 erbaut; freistehend, 1 1/2 Geschosse, Mansarddach (ursprünglich Schiefereindeckung), hoher Dacherker, Putzfassade mit Gliederungen, korbbogenförmig abschließende Türöffnung. Originale Haustür und Sprossenfenster (z. T. mit schmiedeeiserner Vergitterung). An den Giebelfassaden einige neue Fensteröffnungen, deren Fenster dem hist. Vorbild angepaßt an Westseite orig. Kellertür und orig. äußere Kellertreppe mit Geländer, an Ostseite ein Fenster mit orig. Bleiverglasung. Im Innern original erhalten: schwarzweißer Fliesenfußboden. Differenzstufen in Naturstein; im EG: unterschiedlich gemusterte Parkettböden, 2 Kachelöfen, in der Diele Kassettendecke mit aufwendiger hölzener Lampenhaltung, Holzvertäfelungen, Zierbalkendecke, orig. Wandfliesen mit Blumendekor (Küche); im OG Dielenfußböden, Wandschränke und orig. Badezimmerausstattung mit farbigen Wandfliesen; im gesamten Haus orig. Zimmertüren mit Beschlägen und Laibungen (im EG eine große 2flügelige Tür), hölzerne Treppenanlage.

Rückseite: Putzfassade, zwei 2geschossige Erker über trapezförmigem Grundriß mit turmhelmartiger Überdachung, dazwischen Terrasse über polygonalem Grundriß und Balkon mit orig. hölzerner Brüstung, Dachzone verändert (neue Gauben und Balkon). Sprossenfenster, ein Fenster mit Bleiverglasung sowie Terrassentür original.

Zum Denkmal gehört auch die das Haus umgebende, weitestgehend original erhaltene, geometrisch gegliederte Gartenanlage mit Kleinarchitekturen und altem Baumbestand aus der Erbauungszeit.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Dellbrück - erstmalig urkundlich im Jahre 1636 als Flurbezeichnung in Thielenbruch belegt - war noch 1900, abgesehen von wenigen Mühlenhöfen (Strunden, Thurn), kaum besiedelt. Die eigentlich stadtkölnisch beeinflußte Siedlungsentwicklung Dellbrücks setzte erst um die Jahrhundertwende ein, nachdem 1868 eine Anbindung an die Stadt Köln durch die "Zweigbahn Mülheim - Bergisch Gladbach" hergestellt worden war und diese zur Ansiedlung von Industriebetrieben und zum Siedlungsausbau besonders entlang der Bergisch Gladbacher Straße und der Dellbrücker Hauptstraße führte. Aber auch auf den weiten Grünlandflächen parallel zum Strunderbach unweit von Thurner- und Hardthof entstanden villenartige Landhäuser mit großen umgebenden Gartenflächen. Integraler Bestandteil dieser großbürgerlichen Bebauung an der Thurner Straße ist das Haus Nr. 90 und dessen heute noch weitestgehend originale Gartenanlage. Architekturhistorisch bemerkenswert ist das 1913 im Auftrag eines Fabrikdirektors (Zimmermann) erbaute Gebäude als Beispiel einer im Einfamilienhausbau seinerzeit einsetzenden Abkehr von der Betonung der Vorderfassade hin zur Aufwertung der dem Garten zugewandten Rückseite als Ausdruck der Verbundenheit von Haus und Landschaft. Während die Vorderfassade durch Anklänge an den Klassizismus durchaus noch repräsentativen Charakter hat, insgesamt jedoch schlicht und sogar asymmetrisch gestaltet ist, zeigt sich die Gartenseite in einer vielgestaltigeren Weise mit zwei seitlichen, turmartig überdachten Erkern, zwischen denen sich einer von zwei Säulen gestützter Balkon erstreckt. wird. Gerade die spitzen Helme der Erker, die hölzerne Balkonbrüstung und die kleinteiligen Sprossenfenster mit

Schlagläden betonen bei aller klassizistischen Symmetrie der Fassade den vorherrschenden Heimatstilcharakter der Rückseite dieses Hauses. Umgeben ist das Haus von einem Garten, der in seiner achsialen und regelmäßigen Anordnung mit gerader Wegeführung und trennenden Hecken, Alleen und symmetrisch angeordneten Baumpaaren Elemente barocker Gartenarchitektur entlehnt. Kleinarchitekturen wie ein vierpaßartig geformter Springbrunnen und ein heute nur noch im Fundament erhaltener Pavillon bildeten markante Orientierungspunkte im Garten. Flache Natursteintreppen betonen das unterschiedliche Niveau der Gartenbereiche. Im rückwärtigen Teil schließt sich seitlich ein Obst- und Gemüsegarten an, der über einen seitlichen Wirtschaftsweg für das Hauspersonal zu erreichen war. Städtebaulich wichtig ist das Haus als Teil einer weitläufigen und vom Erscheinungsbild hinreichend homogenen zeitgleichen Siedlung mit ähnlichen Villen (Nr. 88, 94, 96) und Mehrfamilienhäusern im Landhausstil (Nr. 98-104). Als eines in Köln nur noch sehr selten erhaltenen Anwesens von Villa und künstlerisch angelegtem Garten ist das Denkmal Thurner Str. 90 unbedingt in seiner Gesamtheit zu schützen.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0