Wohnhaus

Robert-Heuser-Straße 22 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3414
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Robert-Heuser-Straße 22, 50968 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 23.01.1986
Stadtteil Marienburg

Das bildet zusammen mit den beiden Nachbarhäusern Nr. 18 und 20 einen einheitlichen Villenkomplex. Dieser Gesamtkomplex ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das 2geschossige Haus ist der linke Teil einer 3teiligen Villengruppe, die von dem Architekten Theodor E. Merrill 1922/23 axial mit Mittelbau und Eckgebäuden errichtet wurde. Die Häusergruppe, in rötlich glatten Mauerziegeln erstellt, bezieht ihre Wirkung aus der plastischen Gestaltung der Häuser zueinander. Die beiden Seitenhäuser unter kräftig auskragenden Walmdächern mit deutlich einknickendem Aufschiebling treten leicht aus der Fassadenebene hervor. Der Mittelteil ist durch einen Giebel mit seitlich horizontalen Traufanschlüssen akzentuiert. Im OG springen Zwischenteile über einem schmalen Pultdach zurück. Das Dach ist schiefergedeckt und mit einfach- und doppelfenstrigen Gauben versehen. Das Gesamtgebäude liegt hinter einem fünf Meter tiefen Vorgarten und wird jeweils über 6stufige Freitreppen betreten. Ein um das gesamte Gebäude verlaufendes Gurtgesims wölbt sich stichbogenartig mit darüberliegender Rollschicht im Mauerwerk über den Eingangstüren der Seitenhäuser. Der Eingang es Mittelhauses hebt sich davon deutlich ab, in dem in Höhe des Gurtgesimses, ein mehrfach gestuftes Kragdach auf kräftigen, profilierten Steinkonsolen die Eingangstür überfängt. Die nahezu quadratischen Fenster sind mit Werksteinrahmen eingefaßt, das mittlere Fenster zusätzlich durch einen Halbkreisbogen in Fischgrätmuster über dem Sturz hervorgehoben. Die Holzfenster selbst sind nicht mehr original erhalten. In Anlehnung an die straßenseitige Hauptfassade ist die rückwärtige Fassade durch einen breiten risalitartig vorspringenden Mittelteil strukturiert. Ein mittig angeordneter halbrunder Wintergarten, seitliche Terrassen und ein im OG fast druchlaufendes Fensterband öffnet sich hier zu einem tiefen, teilweise noch originalen Garten mit Wasserbecken. Die Gestaltung des Gartens übernahm der Berliner Gartenarchitekt Heinrich Wiepking-Jürgensmann. Das Innere des Hauses ist noch weitgehend original erhalten.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Der Villenkomplex Robert-Heuser-Straße 18 - 22 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Der Villenkomplex Robert-Heuser-Straße 18 - 22 von Theodor E. Merrill ist in seiner ruhigen Gestaltung verschiedener Baukörper, seinen ausgewogenen Proportionen und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die die Verbindung von klaren ungebrochenen Backsteinflächen, gestalteter, Dachlandschaft, kontrastierenden Fenster- und dekorativen Türöffnungen ergibt sich ein malerischer Eindruck, wie er für die amerikanische Landhausarchitektur charakteristisch ist. Das Bauwerk steht in einem engen Zusammenhang zum Garten, der für diese Architektur konstitutiv ist. Der Kölner Architekt Theodar E. Merrill (1891 - 1978) hat überwiegend Villenbauten in den 20er Jahren in Köln und vielen anderen Städten errichtet. Bedingt durch seine amerikanische Herkunft und Ausbildung sind seine Bauten überwiegend durch ihre "intim-aristokratische Sachlichkeit" charakterisiert. Mit sparsamen dekorativen Stilmitteln unter Ausschaltung alles Unnötigen und Unwesentlichen hat er Villenbauten geschaffen, die ihm, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bewohner, zu vornehmen Baukunstwerken gerieten. Neben seinen Villenbauten hat Merrill in Köln noch die Melanchthonkirche in Zollstock und die Verwaltungsgebäude der Kohlehanse und der Nordstern Lebensversicherung errichtet. Auch geht auf ihn die Konzeption der Villenkolonie Hahnwald zurück. Der Villenkomplex Robert-Heuser-Straße 18 - 22 stellt innerhalb der Arbeit Merrills einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist die Bautengruppe ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Anfang der 20er Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0