Wohnhaus

Robert-Heuser-Straße 15 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3445
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Robert-Heuser-Straße 15, 50968 Köln
Baujahr1922
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 19.02.1986
Stadtteil Marienburg

Die Villa ist, inschriftlich dokumentiert, 1922 im englischen Landhausstil für den Fabrikanten Gustav Bredt errichtet worden. Über einem verwinkelten Grundriß erhebt sich ein 2geschossiges Haus, das mit einem vielfältig verschnittnen Walmdach über einem hohen Kranzgesims abgeschlossen wird. Dachgauben und zwei turmartig konstruierte Kamine prägen die Dachlandschaft. Entsprechend den Stilprinzipien englischer Landhausarchitektur hat die Villa keine eigentliche Hauptfassade, ist also nicht axial konstruiert, sondern zeigt sich in einer funktionsgerechten, den Bedürfnissen seiner Bewohner angepaßten Form. Der Eingang liegt unprätentiös, von der Straße kaum wahrnehmbar, an der Seite des Hauses. Er wird zurückhaltend geschmückt durch einen vorspringenden Dreieckgiebel auf Werksteinkonsolen. In die glattverputzten, ornamentlosen Fassadenflächen schneiden unterschiedlich große werksteingerahmte Fenster, die mit ihrer ruhigen Sprossenteilung, zusammen mit den gestaffelten Pultdächern der Kamine, als beherrschende Architekturcharakteristik ins Auge fallen.

Das Innere des Hauses ist weitgehend original erhalten, so das Treppenhaus, Teile der stuckierten Deckenprofile und fast alle Türen.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Robert-Heuser-Straße 15 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Robert-Heuser-Straße 15 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der englische Landhausstil hatte sich in Deutschland Anfang des Jh. - begünstigt durch die umfassenden Untersuchungen der Berlinger Architekten Muthesius - bei den wohlhabenden Bürgerschichten breit durchgesetzt. Seine Elemente der Schlichtheit und der Funktionsgerechtigkeit, bei gleichzeitiger einfacher Materialwahl, entsprachen den aus der Fabrikwelt vermittelten Erfahrungen. Unter Einbezug malerischer Akzente, wie etwa in der Kamingestaltung, gab sich das Landhaus nicht repräsentativ und förmlich, sondern frei, einladend, hell und bequem. Zur Einlösung dieses Anspruchs wurden v. a. die Fenster herangezogen, die damit zum entscheidenden Gestaltungsmittel avancierten. Sehr wahrscheinlich ist das Haus Robert-Heuser-Straße 15 von dem bekannten Kölner Architekten Paul Pott entworfen worden, der vor und nach dem Ersten Weltkrieg viele Villen in Marienburg im englischen Landhausstil gebaut hat, wobei seine auffällige Kaminarchitektur nahezu als Siegel seiner Arbeiten anzusehen ist. Die Villa ist ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Anfang der 20er Jahre, zumal sie an der Nahtstelle von konservativer Moderne und Neuem Bauen errichtet wurde, deren wissenschaftliche Erforschung von besonderem Interesse ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0