Wohnhaus

Pferdmengesstraße 44 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3609
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Pferdmengesstraße 44, 50968 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.06.1986
Stadtteil Marienburg

Das 2geschossige Haus mit ausgebautem Dachgeschoß ist 1910 von dem für die Entwicklung des Marienburger Villenviertels so bedeutenden Architekten Paul Pott im englischen Landhausstil errichtet worden. Bauherr war der Fabrikbesitzer Fritz Vorster, der das Haus selbst jedoch nicht bewohnte. Grund- und Aufriß des Bauwerks ist ganz auf die Bedürfnisse seiner Bewohner abgestimmt. Während die unprätentiöse Eingangsfront im Norden angeordnet ist, öffnet sich die Rückfront mit säulengerahmten Erkern, breiten Fenstern (ursprünglich mit Sprossennetz), einer mittleren Loggia sowie zwei hohen seitlichen Dreieckgiebeln der südlichen Gartenseite. Die Fenster schneiden scharfkantig ohne Rahmung in die helle Putzfassade. Ein für Paul Pott charakteristischer gestufter Außenkamin strukturiert die straßenseitige Ostfassade. Das biberschwarzgedeckte Satteldach wird durch die Giebel und hohe Kamine lebendig durchgeformt. Der Grundriß des Hauses folgt, wie die Außenarchitektur, den Prinzipien englischer Landhausarchitektur.

Alle Räume gruppieren sich um die große Eingangshalle im Erdgeschoß, die mit ihrem frühexpressionistischen Deckenstuck, dem verklinkerten Kamin und dem dunkelfarbigen Treppenlauf das repräsentative Zentrum des Hauses bildet. Die untergeordneten Räume für Garderobe, Anrichten der Speisen etc. liegen nach Norden während die Haupträume, Salon und Speisezimmer mit ihren Erkern nach Süden zum Garten angeordnet sind. Der Salon zeigt ebenfalls eine frühexpressionistische Deckengestaltung, dagegen verleiht eine rustikale Holzbalkendecke und ein Kamin dem ehem. Speisenzimmer ein besonderes Gepräge. Im Obergeschoß befanden sich die Schlafzimmer, das Hauspersonal wohnte im Dachgeschoß, die Küche liegt im Souterrain und war mit dem Erdgeschoß durch einen Speiseaufzug verbunden. Abgesehen von einigen kleinen Grundrißveränderungen ist die Innenausstattung fast vollständig erhalten, so die Eingangstür, das Holztreppenhaus, die Innentüren mit ihren originalen Beschlägen, die Heizkörperverkleidungen, der Deckenschmuck, der Parkettboden und die Kamine. Hervorzuheben ist die sorgfältige Bewahrung des ursprünglichen Architekturbildes durch die heutigen Besitzer.

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der 90er Jahre des 19. Jh. und ist im wesentlichen gegen Ende der 20er Jahre unseres Jh. abgeschlossen. Damit läßt sich über eine Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer und eben auch Paul Pott. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchener Vororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden werden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Innern mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Pferdmengesstraße 44 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Die Villa Pferdmengesstraße 44 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt Paul Pott verstand es allen durch die ruhige Setzung von Baumassen, einfacher Flächengestaltung und wenigen wirkungsstarken Schmuckformen das Haus zu gliedern. Die Innenarchitektur ist ganz auf die Bedürfnisse seiner Bewohner hin entworfen worden. Diese von englischen Landhausstil übernommenen Prinzipien hatten sich in Deutschland Anfang des Jh. - begünstigt durch die umfassenden Untersuchungen des Berliner Architekten Hermann Muthesius in England - bei den wohlhabenden Bürgerschichten breit durchgesetzt. Seine Elemente der Schlichtheit, der Funktions- und Materialgerechtigkeit spiegelten die Erfahrungen des Bürgertums aus seiner Fabrik- und Arbeitswelt wider. Das Landhaus, vielmehr die Vorortvilla, sollte aber nicht nur frei, einladend, hell und bequem sein, sondern durch malerische Akzente (Kamine) und repräsentative Gestaltung (Wohnhalle) dem Selbstwertgefühl der gut situierten Bürger Rechnung tragen. Der Kölner Villenarchitekt Paul Pott ist neben Theodor E. Merrill der wichtigste Architekt Marienburgs. In immer neuen Variantionen hat er vor und auch noch nach dem Ersten Weltkrieg für das gehobene Bürgertum Villen und Landhäuser im englischen Landhausstil entworfen, die zu den bedeutendsten Bauten des Villenvororts zählen, so u. a. die Villa Pferdmenges, das Haus Max Clouth in der Lindenallee, das Haus NevenDu Mont in der Parkstraße und nicht zuletzt sein eigenes Haus am Südpark. Die Villa Pferdmengesstraße 44 zeigt beispielhaft die Überwindung der traditionellen Stilarchitektur des 19. Jh. und leitet damit als Reformarchitektur die sog. Moderne ein. An der Erforschung dieses Umbruchs besteht ein großes wissenschaftliches Interesse, was neben den o. g. Gründen für die Erhaltung des Hauses spricht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0