Wohnhaus
Pferdmengesstraße 52 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3571 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Pferdmengesstraße 52, 50968 Köln |
| Baujahr | 1910 bis 1911 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 25.04.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus ist 1910/11 von dem für die Entwicklung des Marienburger Villenviertels so bedeutenden Architekten Paul Pott errichtet worden. Über einem symmetrischen Grundriß erhebt sich eine streng gegliederte 2geschossige Villa im englischen Landhausstil. Die Fassaden sind mit rotem holländischen Klinker hergestellt, in die kontrastierend weiß gestrichene, stark durchrasterte Sprossenfenster einschneiden. Die Läden sind grün gestrichen. Ein breites, mehrfach profiliertes Kranzgesims bildet den Übergang zum hohen, ganz leicht geschwungenen Walmdach mit dunkelbrauner Biberschwanzdeckung. Eine dichte Reihung von halbrund überfangenen Dachgauben an der Nord- und Südseite ergänzen die zwei Geschosse des Hauses mit einem ausgebauten Dachgeschoß. Die Hauptfront der Villa mit ihrem säulenumstandenen halbrunden Vorbau öffnet sich über eine Freitreppe repräsentativ zum weitläufigen Garten hin. Hier, an der Südseite, hat der Architekt im Erdgeschoß die Haupt- und Gesellschaftsräume angeordent, die über die dichte Reihung französischer Fenster einen unmittelbaren Übergang zum Garten erlauben. Im Obergeschoß stellt eine zum Erdgeschoß korrespondierende Fensteranordnung v. a. aber der Altan über dem halbrunden Vorbau die Verbindung zum Garten her. Die erdgeschoßhohen Anbauten an den Seitenfronten der Villa, die im Obergeschoß betreten werden können, dienen demselben Zweck. Durch den sich weit nach Süden erstreckenden Garten wird trotz der vorbeiführenden Leyboldstraße die Privatheit der Bewohner gewahrt. An der gegenüberliegenden Seite im Norden befindet sich die Eingangsfront des Hauses, die durch einen bis zum Dachgesims aufsteigenden Mittelrisalit mit breitem über nahezu zwei Geschosse verlaufendem Treppenhausfenster ruhig gegliedert wird. Auch der Risalit trägt eine Altane. Der neben dem Vorbau liegende Eingang der Villa wird durch einen auf Säulen ruhenden, mit rund gewölbtem Dach überfangenen Vorbau repräsentativ hervorgehoben, wozu seine asymmetrische Lage noch beiträgt. Die Symmetrie der Außenarchitektur wird im Innern des Hauses fortgeführt. Das lichtdurchflutete Treppenhaus, mit seiner ursprünglich starkfarbigen nach altenglischem Muster entworfenen Tapete, den gelb-weißen Putzflächen und der weißen Treppe mit ihren auf weißen Tralien (Gitterwerk) verlaufendem Mahagoniehandlauf, bildet das Zentrum des Hauses. Von hier werden die Wohnräume fächerförmig erschlossen. Entsprechend den Prinzipien englischer Landhausarchitektur liegen, wie schon erwähnt, die Haupträume nach Süden. Das Herrenzimmer mit seinem halbrunden Ausbau ist mittig angeordnet. Es beherbergt die Bibliothek und zeigt eine kräftige Konsolfriesstrukkatur. Dazu gruppieren sich symmetrisch zu beiden Seiten das Eßzimmer und der Salon deren Decken reiche Stuckornamente aufweisen. Im Norden liegen die untergeordneten Räume für Vorräte und Hauswirtschaft. Die sonstigen Wohn- und Schlafräume verteilen sich auf das Ober- und Dachgeschoß. Abgesehen von ganz wenigen Veränderungen (wie etwa die Verlegung der Küche aus dem Souterrain), ist die Villa noch vollständig original erhalten. Besonders hervorzuheben ist der, bis in kleinste Details hineinreichende, sorgfältige und äußerst sachgerechte Erhalt des ursprünglichen Architekturbildes. Zur Villa gehört noch ein in den gleichen Stilformen errichtetes Kutscherhaus mit ausgebautem Dachgeschoß für die Chauffeurwohnung und ein kleiner kuppelüberdeckter Gartenpavillon.
Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der 90er Jahre des 19. Jh. und ist im wesentlichen gegen Ende der 20er Jahre unseres Jh. abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer und eben auch Paul Pott. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchener Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Innern mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Pferdmengesstraße 52 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es als Bestandteil der architektonischen Vielfalt für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.
Die Villa Pferdmengesstraße 52 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von überragender künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die 1910/11 in 14monatiger Bauzeit für den Kölner Bankier Deichmann errichtete Villa zeigt unübersehbar den Repräsentationswillen des gehobenen Bürgertums kurz vor dem Ersten Weltkrieg, als Ausdruck seiner seit der Gründerzeit erstarkten ökonomischen Stellung. Der Kölner Architekt Paul Pott verstand es, diesen Willen nach Repräsentanz mit dem gleichfalls vorhandenen Bedürfnis nach Intimität und Behaglichkeit zu verbinden, wodurch seine Architektur so charakteristisch für Marienburg wurde. Allein durch die ruhige Setzung von Baumassen, einfacher Flächengestaltung und wenigen wirkungsstarken Schmuckformen erfährt das Haus seine Gliederung. Diese wegen der Größe des Hauses erst auf den zweiten Blick wahrnehmbare "zurückhaltende Eleganz" findet im Innern des Hauses in der Gestaltung der Räume, des Treppenhauses und in den Details von Türen und Fenstern ihre Entsprechung. Wie in der Verbindung der Haupt- und Gesellschaftsräume mit dem Garten deutlich wird, soll die Villa, selbst tief im Garten liegend, dem Bauherrn - frei von jeglicher Repräsentation - Zweckmäßigkeit, Behaglichkeit und Schönheit vermitteln. Das Stilempfinden des gehobenen Bürgertums wird so mit den vom englischen Landhausstil übernommenen Prinzipien verschmolzen. In mehreren Veröffentlichungen (Moderne Bauformen 11.1914, Die Architektur des XX. Jh. 14.1914, Wasmuths Monatshefte für Baukunst 11.1927 u. a. ) wurde die architektonische Qualität des Hauses gewürdigt.
Auf der Kölner Werkbundausstellung von 1914 war Pott mit einem herrschaftlichen Wohnhaus im "Kolonialen Gehöft" vertreten, das, analog zu seinen Marienburger Villen, der damaligen Forderung einer zweckorientierten Architektur entsprach, die er seinem Stilempfingen nach in ein "klassizistisches Gewand" hüllte.
Ein Mitwirken an dieser weit über Köln und Deutschland hinaus bedeutenden Ausstellung galt als Auszeichnung und Hervorhebung des Künstlers und Architekten. Die Kölner Ausstellung, die erste große repräsentative Selbstdarstellung des Deutschen Werkbundes, war der Höhe- und wegen des bevorstehenden Krieges auch der Schlußpunkt der ersten "sieben fetten Jahre" des Werkbundes. Auf ihr sollte sich "künstlerische Kraft, industrielles Können und kaufmännisches Denken" manifestieren. Eingeladen war die Avantgarde des frühen 20. Jh., so u. a. die schon etablierten Architekten Peter Behrens, Josef Hoffmann, Hermann Muthesius, Bruno Paul und Henry van de Velde, dann die vielversprechenden jüngeren Künstler Walter Gropius und Bruno Taut und nicht zuletzt die bekannten Kölner Architekten Franz Brantzky, Mattar & Scheler, Carl Moritz, Otto Müller-Jena, Heinrich Renard, Schreiterer & Below und Paul Pott.
Der Kölner Villenarchitekt Paul Pott ist neben Thoedor E. Merrill der wichtigste Architekt Marienburgs. In immer neuen Variationen hat er vor und nach dem Ersten Weltkrieg für das gehobene Bürgertum Villen und Landhäuser im Englischen Landhausstil entworfen, die zu den bedeutendsten Bauten des Villenvorortes zählen, so u. a. das Haus Max Clouth in der Lindenallee, das Haus Neven DuMont in der Parkstraße und nicht zuletzt sein eigenes Haus am Südpark. In seinem Werk ist das Haus Pferdmengesstraße 52 das bedeutendste, weil in ihm, wie sonst nur bei wenigen, die Verbindung von Repräsentanz und Intimität nach der Überwindung des Historismus und an der Schwelle zur Moderne beispielhaft angelegt ist. Auf diesem "Weg zu einer neuen Architektur" (Julius Posener) ist die Villa Pferdmenges ein wichtiges Bindeglied das es, wie in § 1, Abs. 1 DSchG festgelegt, intensiv zu erforschen gilt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0