Wohnhaus
Von-Groote-Straße 44 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3966 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Von-Groote-Straße 44, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1914 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 19.11.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das zweigeschossige Haus mit hohem Satteldach bildet mit dem unmittelbar anschließenden Nachbarhaus eine bauliche Einheit, deren jeweilige architektonische Formensprache subtil variiert wurde. Beide Häuser sind laut Grevens Adressbuch 1911 errichtet worden. Die traufständige (Putz-) Fassade des Hauses Von-Groote-Str. 44 wird durch zwei seitlich gering vortretende Erdgeschoßerker betont über denen sich ein umlaufendes Gurtgesims verkröpft. Zwischen den Erkern ist mittig ein kleines Fenster angeordnet. Die glatte Obergeschoßfläche gliedern drei regelmäßig verteilte Kreuzstockfenster, die von Schlagläden begleitet werden. Dieser ruhigen Straßenfassade sind bekrönend vier tonnenüberfangene Gauben aufgesetzt, die der weiten, biberschwanzgedeckten Satteldachfläche die Schwere nehmen. Wie bei dem Nachbarhaus erschließt sich die Architektur des Bauwerks erst bei der "Übereckbetrachtung", die die lebendige Seitenfront - unter Zurückdrängung des Nachbarhauses - der Wahrnehmung zuführt. Dominant überfängt der hohe Seitengiebel den auf Säulen abgestützten, polygonal gebrochenen Erker, der damit zugleich den darunter liegenden Eingang überdacht. Mit seinem subtilen Bauschmuck - seiner stichbogenförmigen Dachkappe, den fein profilierten Gesimsen, den hohen Durchfensterungen mit ihrem dichten Sprossennetz - bildet der Erker den "Schwerpunkt" der Seitenfassade um den die sonstigen Fenster und der anschließende niedrig gehaltene Anbau gruppiert sind. Der spätere Umbau zu einem Mehrfamilienhaus hat im Inneren zu Grundrißveränderungen geführt. Das Treppenhaus wurde dabei teilweise verändert, die Stuckdecken bis auf eine abgehängt und die Türen zum großen Teil ausgewechselt. Auch ist durch einen rückwärtigen Terrassenanbau und zusätzlichen Garagenneubau die Gartenseite in ihrem Erscheinungsbild verändert. Original vorhanden sind noch die Erkerfenster, die Stuckdecke des ehemaligen Speisezimmers, einige Türen, der Treppenlauf zum 1. Obergeschoß, der geflieste Küchenboden und die Grundstückseinfriedung mit ihrem linearen schmiedeeisernen Gitter.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Von-Groote-Str. 44 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Von-Groote-Str. 44 ist in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den ruhigen und in ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien im Gegensatz zum Stuck, gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von den stukkierten Bauten des 19. Jahrhunderts bedeutete. Ziel dieser Architekturrichtung war es, das Bauwerk aus sich selbst heraus sprechen zu lassen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltet. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. Neben den oben genannten Gründen besteht zudem aus der Sicht der Architekturforschung ein großes wissenschaftliches Interesse an dem Haus, weil die qualitätvolle Architektur vor dem 1. Weltkrieg für die sogenannte "Moderne" der zwanziger Jahre eine bedeutende Wurzel darstellt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0