Wohnhaus

Marienburger Straße 48 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3682
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 48, 50968 Köln
Baujahrum 1922 bis 1923
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 31.07.1986
Stadtteil Marienburg

Das Haus ist laut Grevens Adressbuch 1922/23 von dem Architekten Th. E. Merrill für den Kölner Kaufmann K. Stüßgen errichtet worden. Die Villa, im englischen Landhausstil entworfen, liegt tief in einem gestalteten Garten, dem sie sich mit ihren Haupträumen zuwendet. Nach angelsächsischem Vorbild hat der Architekt den Wirtschaftsteil des Hauses winkelförmig vom Hauptbau getrennt, wodurch sich zusammen mit dem gesonderten Garagenbauwerk eine intime Wohnhofsituation ergibt. Die zweigeschossige, von einem hohen schiefergedeckten Satteldach überfangene Villa ist in Backstein errichtet worden, der mit großzügigen Werksteinfassungen an Fenstern, Türen und gebäudekanten zusätzlich gegliedert wird. Entsprechend den Funktionen der dahinterliegenden Räume sind die Fassaden differenziert gestaltet. So wird die dem Garten zugewandte Südseite des Hauses von zwei polygonal vorspringenden, risalitartigen Eckerkern beherrscht, zwischen denen eine, durch zwei quadratische Pfeiler geteilte, schattende Loggia eingespannt wird. Eine mittige Verengung des Obergeschosses führt zusammen mit der Absenkung der Trauflinie auf die Höhe der Fensterbrüstungen zu einer lebendigen Dreiteilung, deren Teile mit jeweils gestaffelten Kranzgesimsen horizontal auf die Schräge des Daches stoßen. Die mit einem dichten Sprossennetz versehenen Fenster und Türen sind streng geometrisch in die flächige Fassade eingelassen, unterteilt mit dominanten Pfosten aus Werkstein. Eingefaßt werden die Öffnungen von Werksteingesimsbändern in Brüstungs- und Sturzhöhe, sowie unregelmäßigen Randquaderungen. Aus der zentralen Wohndiele führen 2 seitliche Türen auf die Loggia, deren tragende Pfeiler schachbrettartig in Zeigelmauerwerk und Werkstein aufgemauert sind. Die Anbindung an den anschließenden weiträumigen Garten erfolgt über eine, die gesamte Breite des Hauses einnehmende, Terrasse, die sich mit einer großen Freitreppe zum Wohnrasen absenkt. Dieser wird von mit Zierobstbäumen, Goldregen, Schlingrosen, Stauden und Blumen bepflanzten Natursteinterrassen gerahmt. Sitzplätze zu beiden Seiten der Terrasse werden durch Baumbepflanzung schattig gehalten. Der gesamte Garten, entworfen von dem Berliner Gartenarchitekten Heinrich Fr. WiepkingJürgensmann ist, einschließlich seiner rahmenden Pyramidenpappeln, integraler Bestandteil der Villa. Die rückwärtigen Wirtschaftsraumgruppen sind zusammen mit dem Eingang und der Garage zu einem kühlen Hof im Norden zusammengefaßt. Mit rustikaler unregelmäßiger Eckquaderung in Werkstein ist der mit einem Flachbogen überwölbte, sich nischenförmig verjüngende Eingang repräsentativ hervorgehoben, wozu die fein profilierte Werksteinrahmung der Tür und je 3 gekoppelte Fenster zu beiden Seiten zusätzlich beitragen. Die Fassade wird durch ein in der Höhe des Bogenkämpfers ansetzendes, über die Fensterstürze und darüber hinaus verlaufendes, flächig in die Fassade einbindendes Werksteinband horizontal gegliedert. In Korrespondenz dazu stehen die zwei Werksteinbänder des Obergeschosses, die die gekoppelten, einflügeligen Fenster einfassen. Unmittelbar darüber verläuft das zum Dach überleitende, mehrfach profilierte Kranzgesims.

Die Räume im Inneren des Hauses sind nach den Kriterien englischer Landhausarchitektur angeordnet. An der Südseite, im Erdgeschoß liegen die wichtigsten Räume, das Speise- und Herrenzimmer links und rechts neben der zentralen Wohnhalle. An das Herrenzimmer grenzt nach Norden das Musikzimmer mit seinem halbrunden Erdgeschoßerker. Der Anspruch der Wohnhalle als Zentralraum des Hauses wird durch einen üppigen floralen Deckenrandfries, auch über die beiden Unterzüge verlaufend, den Marmorboden aus diagonal verlegten schwarz-weißen Platten sowie dem großen Kamin eingelöst. Die sonstigen Haupträume weisen Deckenrandstuck auf, der im Herrenzimmer mit einer für die damalige Zeit hochmodernen indirekten Beleuchtung kombiniert ist. Eine geschwungene Holztreppe führt vom Vestibül zu den (Schlaf-)räumen des Obergeschosses, die mit für den Architekten Merrill charakteristischen Einbauschränke üppig ausgestaltet sind. Alle anderen untergeordneten Räume sind mit dem Wirtschaftsflügel an der Nordseite des Haupthauses angeordnet. Der von den Flügelanlage und der in gleicher Formensprache errichteten Garage mit darüberliegender Chauffeurwohnung gebildete Hof ist mit schuppenförmig verlegten Grauwacksteinen gepflastert, die zusätzlich von einem Ziegelband in Fischgrätmusterung gerahmt werden. An den Hof schließt nach Norden noch eine große Rasenfläche an, die eventuell später hinzugekauft wurde.

Das Haus wurde 1949 und nochmals 1969 umgebaut. Dabei ist der ursprüngliche Grundriß durch die Umwandlung des Wirtschaftsflügels in eine Einliegerwohnung leicht verändert worden. Dies betrifft vor allem die Verkleinerung des ehemaligen Speisezimmers. Bei den Umbauten sind die Fenster mit ihren Sprossen verlorengegangen, wie auch der florale Fries der Wohnhalle nicht mehr vorhanden ist. Das Dachgeschoß wurde vollständig ausgebaut.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebite in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Str. 48 ist als historischer Bau ein wichtiger Bstandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Marienburger Str. 48 ist in ihrer überaus großzügigen Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Architekt Merrill hat die angelsächsische Landhausarchitektur mit traditionellen europäischen Stilmitteln konfrontiert, wodurch die dem Landhausstil eigentümliche "Rustikalität" stark verfeinert wird. Dies zeigt sich vor allem in der reichen Verwendung des Werksteins, der bündig in die flächige Backsteinfassade eingebunden wird. Der Ziegel wird dadurch auf seine tragende Funktion zugunsten einer vornehmen Gewandung zurückgedrängt. In vielen Veröffentlichungen ist die Qualität des Bauwerks hervorgehoben worden, wie etwa in: Moderne Bauformen 25.1926, S. 56 ff; H. de Fries, Moderne Villen und Landhäuser, Berlin 1924; Köln, Bauliche Entwicklung 1888 - 1927, Berlin, 1927.

Wie bei allen Landhausbauten Merrills ist der Anspruch des Architekten erkennbar, das Bauwerk in einen Zusammenhang mit der gestalteten Landschaft zu setzen. Der Garten wird nicht, wie sonst vielfach üblich, dem Grundriß des Hauses hinzugedacht, sondern es wird von Merrill eine ganz bewußte Einheit von Landschaft und Grundriß angestrebt, die zu einer unablässigen wechselseitigen Beeinflussung führt. Der Kölner Architekt Theodor E. Merrill (1891 bis 1978) hat überwiegend Villenbauten in den zwanziger Jahren in Köln und vielen anderen Städten errichtet. Bedingt durch seine amerikanische Herkunft und Ausbildung sind seine Bauten durch ihre "intimaristokratische Sachlichkeit" charakterisiert. Ohne dekorative Stilmittel unter Ausschaltung alles Unnötigen und Unwesentlichen hat der Villenbauten geschaffen, die ihm, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse seiner Bewohner und der gestalteten Landschaft, zu vornehmen Baukunstwerken gerieten. Neben seinen Villenbauten hat Merrill in Köln noch die Melanchthonkirche in Zollstock und die Verwaltungsgebäude der Kohlehanse und der Nordstern Lebensversicherung errichtet. Auch geht auf ihn die Konzeption der Villenkolonie Hahnwald zurück. Die Villa Marienburger Str. 48 stellt innerhalb der Arbeit Merrills einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Bauwerk ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Anfang der zwanziger Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0