Wohnhaus
Robert-Heuser-Straße 9 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3943 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Robert-Heuser-Straße 9, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.10.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Die zweieinhalbgeschossige Villa ist laut Grenvens Adressbuch 1911/12 für den Kölner Kaufmann K. Stüßgen errichtet worden. Streng axial aufgebaut wendet sich die fünfachsige, repräsentative Straßenfront mit einem halbrunden Erdgeschoßerker sowie in der Dachzone mit dominant übergiebeltem Zwerchhaus - nur durch einen schmalen Vorgarten getrennt - dem öffentlichen Raum zu. Mit ihrer die Stockwerke zusammenfassenden rustizierenden (Putz-)lisenengliederung, den kannelierten Erkerhalbsäulen und der mit Fugenschnitt gerasterten, bogenförmigen Rahmung einer dreiachsigen Fenstergruppe im Obergeschoß ist die Villa jener ausklingenden Gründerzeitarchitektur zuzurechnen, die in eigenständiger Interpretation den klassizistischen Formenkanon wieder aufnahm. Anders als der zu dieser Zeit in Marienburg schon weit verbreitete englische Landhausstil ruht das Bauwerk auf einem hohen, halb aus dem Erdreich ragenden Keller- und Wohngeschoß, was den Anspruch herrschaftlicher Repräsentanz unterstreicht. Die helle Putzfassade wird entsprechend unterschiedlicher Wohnraumnutzungen und -bedeutungen im Erdgeschoß von großer dreiteiligen Fenstern mit leicht profilierter Rahmung und im Obergeschoß zurückhaltender von einfachen Kreuzstockfenstern mit Schlagläden durchbrochen. Ein dichtes Sprossennetz - in den Rundbogenöffnungen strahlenförmig aufgefächert - überzieht die Fensterflächen. Den kubischen Baukörper schließt ein kräftiges, an seiner Unterseite kassettiertes Kranzgesims zum hohen Mansarddach ab. Von diesem ist bekrönend das verputzte, dreiachsige Zwerchhaus mit hohem Dreiecksgiebel geschieden. Dessen große Giebelfläche wird von einem kleinen Fenster mit darüberliegendem Blumenvasenrelief akzentuiert. Der säulengestützt überdachte Eingang zum Haus liegt an der Seitenfront, deren schmale Giebeldachaufführung das dahinterliegende Treppenhaus verrät. Auf der gegenüberliegenden Seite antwortet ein polygonalgebrochener Erdgeschoßerker mit darüberliegender Altane. Die mit einer seitlichen Obergeschoßloggia aufgelockerte, rückwärtige Gartenfassade ist Mitte der 70er Jahre durch einen Schwimmbadanbau im Bereich des unteren Halbgeschosses erweitert worden. Infole der Umwandlung der Villa zu einem Mehrfamilienhaus sind im Inneren die Grundrisse verändert worden. Erhalten geblieben sind jedoch die repräsentativsten Hauptwohnräume im Erdgeschoß, deren neuklasszistischer Dekor - Stucksupraporten, kassettierte, verglaste Durchgangsschiebetüren, überreicher Deckenstuck - sich äußert aufwendig präsentiert. Daneben sind die meisten Türen (mitunter nach Wiedereinbau an anderer Stelle) und Fenster und das Holztreppenhaus noch original erhalten.
Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten VillenKolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Hülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läß sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expessionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier. Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer, Paul Pott und andere. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble. das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem häufig als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und reichen Stukkaturen und vielfach mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Robert-Heuser-Str. 9 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". In seiner, in lebendigem Kontrast die architektonische Vielfalt Marienburgs unterstütztenden Form, ist das Bauwerk für deren Gesamtbild unverzichtbar.
Die Villa Robert-Heuser-Str. 9 ist in ihrer großzügigen Konzeption und in der sorgfältigen Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualiltät und Bedeutung. Mit außerordentlichem Stilempfinden hat der Architekt die dem Klassizismus entlehnten Stilmittel in ein Haus des beginnenden 20. Jahrhunderts transformiert, wodurch der Charakter des Hauses eindeutig der Epoche seiner Erbauung zugeordnet werden kann. Anhand der überwiegend bis ins Detail erhaltenen Außenfront wird damit das hohe Niveau jener Architekturepoche mit dem Umgang historischer Vorbilder, hier des Klassizismus, eindrucksvoll und lehrreiche vermittelt. In Köln ist heute nur noch vereinzelt der Typ einer späten Gründerzeitvilla zu finden, noch viel weniger mit deren spezifischen Qualität. Sie ist daher ein wichtiges Zeugnis für die für Köln so bedeutende Architekturepoche der späten Gründerzeit, an deren weitgehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0