Wohnhaus

Max-Bruch-Straße 4 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3987
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Max-Bruch-Straße 4, 50935 Köln
Baujahr1913
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 05.12.1986
Stadtteil Lindenthal

Der im Jahre 1926 errichtete, zweigeschossige Anbau besitzt sechs Achsen, ein verschiefertes Walmdach bis zur Höhe der Abwalmung von Haus Nr. 6 mit fünf Dreieckgaupen. Das an der rechten Seitenfassade zurückgesetzte Treppenhaus besitzt oberhalb des überdachten Eingangs ein Gurtgesims; unter der Traufe schließt die Putzfassade mit einem steigenden Karnies ab. Durch flache, schmale zurückgesetzte Blenden sind die Fenster mit originaler Sprossengliederung und Klappläden gerahmt.

An der rückwärtigen Fassade ließ Dr. Adenauer eine vom großen Wohnraum begehbare in den Garten ragende, überdachte Terrasse mit Balkon errichten, der von zwei profilierten Pfeilern getragen wird und zu beiden Seiten an verandaartige Vorbauten grenzt, von denen der rechte zur Gartenseite an ein Seitengebäude schließt, das, ursprünglich als offener Säulengang errichtet, sich garteneinwärts bis zur Trockenmauer erstreckt. Im EG sind die Rahmungen der Fenster und Türen sowie die Mitteltür des Balkons karniesähnlich profiliert und die Sprossengliederung von Fenstern und Balkontür im 1. Obergeschoß in originalem Zustand. Über der Balkontür ist eine große, rot-weiße Nachbildung des Stadtwappens mit einer breiten kartusche-artigen Rahmung angebracht, auf dem eine Eule sitzt, eine Motiv, das Dr. Adenauer als Symbol der Weisheit sehr schätzte und das sich auch als Emblem an der Hausfassade der älteren Wohnvilla (Nr. 6) über dem Eingang findet. Dieses gewichtige, das Traufgesims durchbrechende Motiv, beherrscht über der Mittelachse die rückwärtige Fassade und vermittelt etwas von dem philosophischen Selbstverständnis Dr. Adenauers.

Im Innern enthält der große Wohnraum im EG das originale Täfelwerk, den schwarzen Marmorkamin und Parkettfußboden. Im angrenzenden Wohnraum besitzen die Wände eine rahmende Stuckleiste und die Decke ein kreisförmiges Stuckprofil. Alle Türrahmen und Zimmertüren sind in beiden Geschossen wie die Treppe mit Geländer in originalem Zustand. Zur Straßenseite weist die Einfriedung eine originale Gartenmauer mit Fugenschnitten und Holzzaun auf, dem sich vor dem Hauseingang mit Garageneinfahrt ein Metallgitter anschließt. Hinter der Gartenmauer befindet sich eine hohe Buchenhecke, die - älter als der Anbau - ursprünglich der ganzen Straßenfront entlang des heutigen Villenkomplexes verlief. Der parkartig angelegte, noch teilweise in originalem Zustand befindliche Garten ist von der Straßenseite neben der Garage begehbar und schafft durch seine geometrische Ordnung ein gestalterisches Pendant zu dem L-förmigen Baukörper, der zur Gartenseite eine ausgeprägte Wechselbeziehung zum umgebenden Freiraum herstellt.

Der Gebäudekomplex Max-Bruch-Str. 4 - 6, die Wohnhäuser des ehemaligen Oberbürgermeisters der Stadt Köln, des Präsidenten des preußischen Staatsrates und späteren Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer wurde in drei Bauphasen errichtet. Haus Nr. 6 entstand 1911 und wurde seit dem von Dr. Adenauer bewohnt. Im Jahre 1926 ließ er den Anbau Nr. 4 errichten, um seinen Repräsentationsaufgaben als Oberbürgermeister der Stadt Köln genügen zu können. Nach dem Krieg wurde der Anbau zur weiteren privaten Nutzung auf Veranlassung Dr. Adenauers Anfang der 50er Jahre durch einen eigenen Eingang mit Treppenhaus, Wirtschaftsräumen und Garage erweitert. Bei dem Haus Nr. 4 handelt es sich um eine Baukonzeption, in der sich Dr. Adenauers Architekturideen widerspiegeln, in denen sich ein auf geometrische Klarheit gerichteter Formwille ausspricht. Dergestalt muß der Anbau als lebensgeschichtliches Dokument verstanden werden. Deshalb besitzen die Wohnhäuser Max-Bruch-Str. 4 bis 6 eine nicht nur für die Stadt Köln unverzichtbare ortsgeschichtliche Bedeutung, sondern der Wohnhauskomplex ist darüber hinaus als historisches Baudenkmal des Mannes zu würdigen, der für Deutschlands Geschichte zu einem Symbol geworden ist. Ortsgeschichtlich bedeutsam ist das o. g. Objekt, weil es in den Ausbauprozeß des Geländes zwischen Zülpicher Straße und Dürener Straße gehört, der um 1900 einsetzt und bis in die 20er Jahre anhält; somit ist es ein Dokument der Baugeschichte Lindenthals für ein reines Wohngebiet mit gehobenen Wohnansprüchen.

Als Teil eines historischen Lindenthaler Villenensembles (Nr. 6 und 8), das sich neben zahlreichen Neubauten der Max-Bruch-Straße nahezu unversehrt erhalten hat, gewinnt das o. g. Objekt städtebauliche Bedeutung. Diese Gebäudegruppe an der Ecke zur Dürener Straße bildet einen ästhetischen Gegenpol zu den neu errichteten Wohnhäusern an der Straße und dokumentiert die Originalbebauung vor dem Zweiten Weltkrieg.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0