Wohnhaus
Lindenallee 62 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4467 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Lindenallee 62, 50968 Köln |
| Baujahr | 1907 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 29.02.1988 |
| Stadtteil | Marienburg |
Die Villa Lindenallee 62 ist laut Grevens Adressbuch als Doppelvilla Nr. 62/64 für Prof. Dr. H. Geffchen 1907 von dem bekannten Architekten Paul Pott errichtet worden. Sie zeigt einen 2-geschossigen Baukörper mit einer dekorlosen Backsteinfassade und 4 Fensterachsen. Das symmetrische Bauwerk wird auf beiden Hausseiten durch abgeschrägte Risalite betont, die jedoch deutlich von der Ecke abgesetzt sind. Im 1. Obergeschoß springen 2 Balkone mit Metallgeländer und Gefach-Gliederung mittig aus der Fassade zurück. Der gesamte Baukörper wird von einem Knickwalmdach mit Biberschwanzdekkung über einem kräftigen Traufgesims überdacht. Das ausgebaute Dachgeschoß wird durch Dachgauben belichtet, die an der straßenseitigen Fassade auf der Mittelachse zu einer Art "doppeltem Zwerchhaus" zusammengezogen sind und so auch die optische Einheit der Doppelvilla unterstützen. Die Fenster sind unterschiedlich ausgebildet, jedoch waren sie ursprünglich alle in Anlehnung an eine traditionelle Formensprache mit Fenstersprossen unterteilt.
An der Seitenfassade zeugen 3 Fenster mit bunter Bleiverglasung von einem Umbau in den 30er Jahren.
Die am Nachbarhaus seitlich vorgelagerte Eingangssituation mit einer Überdachung auf Säulen ist nicht mehr vorhanden. Zwei, wieder symmetrisch angelegte seitliche Risalite mit eigenem Walmdach prägen die Gestaltung der rückwärtigen Fassade, die sich mit Balkon im 1. Obergeschoß und Terrasse im höhergelegenen Erdgeschoß zum großzügigen Garten öffnet. Im Gegensatz zum Nachbarhaus ist Haus Nr. 62 stark verändert worden, so daß das ursprüngliche Erscheinungsbild entstellt wird. Eine Rückführung in den Zustand zur Erbauungszeit wird in Kürze vorgenommen.
Im Inneren ist die alte Holztreppe z. T. erhalten, außerdem zeugen Fußleisten, ein Parkettfußboden, eine Kölner Decke, Randstück, eine Stuckrotunde, sowie der alte Kücheneinbau von der ursprünglichen Innengestaltung.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.
Das Haus Lindenallee 62 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielzahl der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Erscheinungsbild der Doppelvilla wird wesentlich durch die klaren Backsteinflächen geprägt. Durch die Wahl des Werkstoffes Backstein - einem traditionell niederrheinischen Baumaterial - bleibt der Bau der heimischen Baukunst verbunden, weist jedoch gleichzeitig auf den von Nuthesius beeinflußten englischen Landbaustil hin, der sich durch Schlichtheit, Funktions- und Materialgerechtigkeit auszeichnet. Der Kölner Architekt Paul Pott, dem bedeutende Villen in Marienburg zuzuschreiben sind, hat hier eine repräsentative Doppelvilla errichtet, die beispielhaft die Überwindung der traditionellen Stilarchitektur zeigt und damit zur sog. Moderne überleitet.
Der Erforschung dieses Umbruchs gilt das besondere Interesse der Bauforschung und Architekturgeschichte der Stadt Köln.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0