Straßen·Lexikon Köln · Est. 2026
№ DE_05315000_A_4753 Lindenallee 64 · Marienburg

Halbvilla

Typ
Gebäude
Baujahr
1907
Denkmal seit
1988
Stadtteil
Marienburg
Fotografien
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Erbaut 1907, Architekt Paul Pott, 4-achsiger, 2-geschossiger Bau, Backsteinfassaden, Walmdach mit Biberschwanzeindeckung; Straßenfassade: spiegelsymmetrischer Aufbau, beidseitig Risalite, Loggien, originale Sprossenfenster, abgewalmter Mittelgiebel; Seitenfassade mit Treppenhausrisalit und Hauseingang;

Rückfront: axialer Aufbau mit Risaliten, Balkon und Terrasse.

Inneres: originaler Grundriß, Holztreppe, Holzbalken-, Stuck- und Kölner Decken, Parkettfußböden,Kassettentüren, Heizungsverkleidungen, Einbauschränke und Kacheln (Küche).

Bestandteil des Denkmals sind auch die Gartenanlagen sowie der Vorgarten.

Die Villa Lindenallee 64 ist laut Grevens Adressbuch 1907 als Doppelvilla Nr. 62/64 für Prof. Dr. K. Wiedenfeld von dem bekannten Architekten Paul Pott errichtet worden. Sie zeigt einen 2-geschossigen Baukörper mit einer dekorlosen Backsteinfassade und 4 Fensterachsen. Das symmetrische Bauwerk wird auf beiden Hausseiten durch abgeschrägte Risalite betont, die deutlich von der Ecke abgesetzt sind. Im 1. Obergeschoß springen zwei Balkone mit Metallgeländer und Gefachgliederung mittig aus der Fassade zurück. Der gesamte Baukörper wird von einem Knickwalmdach mit Biberschwanzdeckung über einem kräftigem Traufgesims überdacht. Das ausgebaute Dachgeschoß wird durch Dachgauben belichtet, die an der straßenseitigen Fassade auf der Mittelachse zu einer Art "doppeltem Zwerchhaus" zusammengezogen sind und so auch die optische Einheit der Doppelvilla unterstützen. Die Fenster sind unterschiedlich ausgebildet - u. a. 2 Rundbogenfenster - sind jedoch in Anlehnung an eine traditionelle Formensprache mit Fenstersprossen unterteilt.

An der Seitenfassade wurde ein Risalit vorgesetzt, der das Treppenhaus und die vorgelagerte repräsentative Eingangssituation mit Überdachung auf Säulen aufnimmt.

Zwei, wieder symmetrisch angelegte, seitliche Risalite mit eigenem Walmdach prägen die Gestaltung der rückwärtigen Fassade, die sich mit Balkon im 1. Obergeschoß und Terrasse im höhergelegenen Erdgeschoß zum großzügigen Garten öffnet.

Im Inneren zeugen eine geschnitzte Holztreppe, eine Holzbalkendecke in der Eingangshalle, eine Stuckdecke, eine Kölner Decke, sowie ein Parkettfußboden vom Zustand zur Erbauungszeit. Die original erhaltenen Kassettentüren, Heizungsverkleidungen, Einbauschränke und die Einbauten und Kacheln in der Küche vervollkommnen die ästhetische Einheit der Villa Lindenallee 64.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeken Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Haus Lindenallee 64 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Konstrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielzahl der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Lindenallee 64 ist in seiner Gesamtkonzeption und der Detailsauführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität. Das Erscheinungsbild der Doppelvilla wird wesentlich durch die klaren Backsteinflächen geprägt. Durch die Wahl des Werkstoffes Backstein - einem traditionell niederrheinischen Baumaterial - bleibt der Bau der heimischen Baukunst verbunden, weist jedoch gleichzeitig auf den von Mutherius beeinflußten englischen Landhausstil hin, der sich durch Schlichtheit, Funktions- und Materialgerechtigkeit auszeichnet.

Der Kölner Architekt Paul Pott, dem bedeutende Villen in Marienburg zuzuschreiben sind, hat hier eine repräsentative Doppelvilla errichtet, die beispielhaft die Überwindung der traditionellen Stilarchitektur zeigt und damit zur sog. Moderne überleitet.

Der Erforschung dieses Umbruchs gilt das besondere Interesse der Bauforschung und Architekturgeschichte der Stadt Köln.

Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln

Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_4753
Typ
Gebäude-Denkmal
Bezeichnung
Halbvilla
Adresse
Lindenallee 64 , 50968 Köln
Stadtteil
Marienburg
Baujahr
1907
Eigentum
privates Eigentum
Denkmal seit
02.12.1988
Koordinaten
50.89558° N, 6.97393° E