Archiv- und Bibliotheksgebäude
Gereonskloster 12 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6863 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Archiv- und Bibliotheksgebäude |
| Adresse | Gereonskloster 12, 50670 Köln |
| Baujahr | 1893 bis 1898 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.06.1993 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut 1893-97/98 von Stadtbaurat F. C. Heimann; Kopfbau eines ehemals mehrflügeligen Gebäudekomplexes (ursprünglich u. a. mit 2 Seitenflügeln, Zwischentrakt, rückwärtig anschließendem Lesesaal, 2 Treppentürmen sowie mit nebenliegendem Wohnhaus); 2 Geschosse, Attikageschoß, ausgebautes Dachgeschoß mit neueren Gauben, 7 Achsen, Mittelrisalit mit Treppengiebel, Eckwarten, Werksteinfassade (Basaltlava und Tuff) mit Gliederungen und bildhauerischem Schmuck im Stil der Neugotik (teilweise verändert), Fenster (Kreuzstock- und Maßwerkfenster) in Anlehnung an den ursprünglichen Zustand erneuert, portalartig ausgebildete Eingangssituation mit der Treppe und dem Maßwerkoberlicht der Tür weitgehend original (bzw. stilgerecht erneuert), Türflügel verändert. Rückseite mit neuerer Natursteinverblendung, doppelläufige Treppe mit orig. schmiedeeisernem Geländer, Fenster in Anlehnung an den ursprünglichen Zustand erneuert, Tür verändert. Im Innern original erhalten: im Vestibül weitgehend farbiger Fliesenboden, Rundpfeiler (mit Werksteinbasis, Marmorschaft und Stuckkapitell), gotisierendes Kreuzrippengewölbe, teilweise mit Maßwerk versehene Tür- und Fensteröffnungen; im Treppenhaus weitgehend farbiger Fliesenboden, Natursteintreppe mit Natursteinbrüstung und -pfosten sowie mit Metallhandlauf (an der Wand), im 1. Obergeschoß Umgang mit der hier weitergeführten Brüstung, Pfeiler mit Natursteinverblendung, Kreuzrippengewölbe, 2 Fensterrosen (am Treppenaufgang); in den Räumen teilweise Rundpfeiler (mit Werksteinbasis, Marmorschaft und Stuckkapitell), teilweise Holzdecken (EG) oder Kreuzrippengewölbe. Bestandteil des Denkmals ist auch die hier später im 1. OG eingebaute bemalte Holzbalkendecke des Hauses Glesch aus dem 14. Jahrhundert.
Das og. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Das o. g. Objekt, das ehemalige Archiv- und Bibliotheksgebäude der Stadt Köln, wurde 1893-97/98 nach Plänen von Stadtbaurat F. C. Heimann am platzartig angelegtem Gereonskloster, direkt gegenüber der Westfront der bedeutenden romanischen Kirche St. Gereon, errichtet. Bereits 1892 war dieses Gelände von der Stadt Köln für den Neubau, der erstmalig Archiv und Bibliothek vereinigt, erworben worden. Das sehr repräsentative und in Anlehnung an gotische Rathäuser gestaltete o. g. Gebäude ist der Kopfbau einer ursprünglich umfassenderen Anlage und wurde einst von zwei Treppentürmen flankiert. An beiden Seiten vermittelten übergiebelte Einfahrtstore den Anschluß an die Nachbarbebauung, wobei sich rechts noch ein 2geschossiges Wohnhaus für Aufsichtsbeamte angliederte. Rückwärtig schlossen sich zwei Seitenflügel sowie - dazwischen - der 1geschossige Lesesaal an. Dieser, Mittelpunkt der Anlage im Erdgeschoß, war durch eine reich geschnitzte Holzdecke mit zentralem Oberlicht besonders prachtvoll ausgestattet worden. Das o. g. Objekt ist in seiner architektonischen Gestaltung durch den Risalit mit Treppengiebel in der Mittelachse klar in seiner Axialität betont worden. Hier befindet sich der portalartig ausgebildete Haupteingang. Darüber hinaus ist die ganz in Werkstein ausgeführte Fassade im Stil der Neugotik mit reichem bildhauerischem Schmuck versehen worden. So befinden sich an den Ecken des Risalits - auf der Höhe des 1. Obergeschosses - zwei von Baldachinen überdachte Standbilder: der Buchdrucker Ulrich Zell und der Chronist Gottfried Hagen. Einst bedeutsamer Frontschmuck war das im mittleren Giebelfeld befindliche, farbig und plastisch gestaltete stadtkölnische Wappen. Sämtliche Fenster sind als Maßwerk- oder Kreuzstockfenster ausgebildet worden. Auch im Innern findet die aufwendige Gestaltung im Stil der Neugotik ihre Fortsetzung. Etwa in der Eingangshalle, wo Säulen mit Laubkapitellen ein Kreuzrippengewölbe tragen. Eine wertvolle Bereicherung, noch aus der Zeit des o. g. Gebäudes als Stadtarchiv, ist die spätgotische bemalte Holzbalkendecke des Hauses Glesch (Hohe Straße 77/79). Die Decke, die sich im 1. Obergeschoß befindet, ist eine der letzten erhaltenen Holzbalkendecken aus dem 14. Jahrhundert in Köln. Das o. g. Objekt, seit Beginn der 70er Jahre in einen Bürogebäudekomplex des Gerling-Konzerns integriert, ist als bedeutendes Beispiel für einen neugotischen Profanbau unbedingt erhaltenswert. Darüber hinaus veranschaulicht es noch heute die lange Tradition des Kölner Archiv- und Bibliothekswesens und wird somit zum unverzichtbaren Dokument.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0