Geschäftshaus
Spichernstraße 55 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7920 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Geschäftshaus |
| Adresse | Spichernstraße 55, 50672 Köln |
| Baujahr | 1908 bis 1918 |
| Architekt / Planung | Leopold Schweitzer, Jacob Koerfer |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.07.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1913, ehemaliges Mietwohnungsgebäude, Architekten: Leopold Schweitzer (1871-1937) und Jacob Koerfer (1875-1930), Bauherr: Jacob Koerfer, auf winkelförmiger, annähernd symmetrischer Grundfläche, Eckgebäude zur Gilbachstraße.
Fassaden: 4 Geschosse, Giebelgeschoß, nachträglich aufgesetztes Vollgeschoß, flaches Satteldach (erneuert), 7:3:7 Achsen (abgeschrägte Ecke), barocke Komposition, Werksteinfassaden mit Gliederungen in Formen des Neobarock und Jugendstils, z.T. entfernter Fassadenschmuck, zu Gilbach- und Spichernstraße konsolgetragene Erker auf rechteckiger Grundfläche über 2 Achsen, an der abgeschrägten Ecke leicht vortretende Mittelachse, Eingang an der abgeschrägten Ecke in der Mittelachse, gerader oberer Abschluß, Eingangstür erneuert (Metall, verglast, Seitenlichte und Oberlicht, Fenster mit geradem oberen Abschluß, z.T. breitgelagerte dreiteilige Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert, zum großen Teil in Kunststoff mit Oberlichten, im 1. Obergeschoß z.T. erneuerte Holzfenster bzw. in Teilen originale Fenster, zu beiden Straßen befinden sich heute noch Kellereingänge über die die heute entfernten Dienstbotentreppenhäuser erschlossen wurden.
Rückseite: verputzt, 4:1:4 Achsen, im Gebäudewinkel konvex gerundete Achse, in den äußeren Achsen risalitartige Vorbauten mit Loggien, Brüstungen gemauert und verputzt, Loggien des Erdgeschosses z.T. nachträglich geschlossen, Fenster mit geradem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster zum großen Teil erneuert (Kunststoff, Oberlichte), z.T. in Holz erneuert, z.T. in Teilen original, je Gebäudearm ein Gartenzugang vom Keller, Gartentüren erneuert, originale geschmiedete Stahlgeländer der Gartentreppen.
Im Inneren: Vestibül: Bodenfliesen und Kunststein erneuert, Wandfliesen bis zu halber Höhe erneuert, originale Deckenstuckprofile, Treppenhaus: zentrale Lage an der Schnittstelle der beiden Gebäudearme, Erdgeschoß Kunststeinbodenbelag erneuert, Wandfliesen bis zu halber Höhe erneuert, Steintreppe um den Aufzugschacht gelegt mit Kunststeinplatten belegt, alle die Geschosse erschließenden Eingänge erneuert, Metall, Metall/Glas.
In den Geschossen: Originalsubstanz weitgehend verloren, Grundrisse z.T. verändert, Dienstbotentreppenhäuser (je Gebäudearm) entfernt, beide Gebäudeteile geschoßweise durch lange Flure vom Treppenhaus und Eingangsbereich erschlossen, in den Eingangsbereichen z.T. Deckenstuckprofile, z.T. segmentbogige Durchgänge zu den Fluren, Fußböden und Türen und Gewände erneuert, abgehängte Decken, in den Büro- und Verwaltungsräumen keine Originalsubstanz.
Keller, Tiefkeller unter dem Eingangsbereich.
Die rückwärtige symmetrisch gestaltete Gartenanlage ist Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern.
Die Spichernstraße, die im wesentlichen in den Jahren nach der Jahrhundertwende bebaut wurde (Blockraster mit parzellärer Bebauung), liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Werder- und Kamekestraße im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Venloer- und Gladbacher- bzw. Erftstraße, westlich des Stadtgartens und der Begrenzung durch die Bahnlinie mit anschließendem Grüngürtel und südöstlich des Neubaugebietes Mediapark. Das ehemalige großbürgerliche Mietwohngebäude Spichernstraße 55 ist Bestandteil des neustädtischen Bauensembles mit vorwiegend viergeschossigen Häusern mit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern (Nrn. 57-63) der Zeit des Historismus und des Jugendstils.
Das Eckgebäude auf spitzwinkliger Parzelle (mit abgeschrägter Ecke) an der Straßengabelung Spichern-/Gilbachstraße ist ein markantes Beispiel für die hochwertige Gestaltung der Eckbereichsbebauung und korrespondiert mit den sehr aufwendig in Werkstein gestalteten benachbarten Eckgebäuden Spichern-/Ecke Goebenstraße (Nrn. 9 und 16, 34a) mit auffallenden Erkern und Giebeln auf polygonalem bzw. halbrundem Grundriß. Die unmittelbar gegenübergelegene Parkanlage mit Eingang im Kreuzungsbereich ist prägend für den gehobenen Standard des mit den Ringanlagen über die Goebenstraße verbundenen Wohnviertels. Das markante großdimensionierte und herrschaftliche Gebäude gewinnt seine Wirkung durch die den Kreuzungsbereich beherrschende breite und symmetrisch aufgebaute Eckfassade mit bekrönendem barockisierenden Ziergiebel. Die beidseitig im stumpfen Winkel an die Eingangsfassade sich anschließenden, flankierenden, die Baufluchten der Spichern- und Gilbachstraße markierenden siebenachsigen Fassaden mit gleichmäßig angeordneten Erkervorbauten, unterstreichen in Art einer barocken Inszenierung die städtebauliche Wirkung. Der Baukörper erfährt darüber hinaus durch die gleichmäßige Gliederung der Natursteinfassaden in Art der Großordnung (Erkerachsen, kannelierte Mittelbetonung, Lisenengliederung der Obergeschosse, z.T. mit wulstartiger Wölbung, gekehltes Sockelgesims, Stockwerkgesims, profiliertes und gewölbtes Traufgesims, an den Erkern gekröpft) eine repräsentativ-vornehme Wirkung, deren monumentaler Charakter auch auf die benachbarten und in der anschließenden Zeile anstehenden Gebäude ausstrahlt und das Erscheinungsbild des Kreuzungsbereichs maßgeblich prägt. Der für die 1920er Jahre konservativ-historistisch anmutende herrschaftliche Dekorationsaufwand wendet sich an ein auf Repräsentation und Außenwirkung bedachtes wohlhabendes Bürgertum, das der Bauherr und Architekt als Mieterschaft gewinnen wollte (Schmuckformen: Eingang durch gebündelte Mauervorlagen markiert, dreiachsiger hoher Ziergiebel, in der Mitte überhöht, Rundöffnung (heute geschlossen), flankierende Mauerzungen mit Voluten, Segmentbogenabschluß mit Volutenkeilstein, ehemals reliefartige Brüstungsplastik). Trotz deutlicher Kriegsschäden, die einen Teil der Fassadendekoration betreffen und trotz der Erneuerung des Daches, der Veränderung der Dachform und des beidseitigen einfach verputzten Aufsatzes eines Vollgeschosses anstelle einzelner Gaupen (die Achsengliederung der Geschosse übernehmend), ist das Gebäude ein wichtiges Dokument der historischen Stadtgestalt. Die historischen Interieurs gingen sowohl durch Kriegseinwirkungen, maßgeblicher allerdings durch die Nutzungsänderung der gesamten Anlage (Büros und Verwaltung des tertiären Sektors) in der Nachkriegszeit verloren.
Städtebauliche Gründe und die baukünstlerisch sehr qualitätvolle architektonische Gestaltung begründen den Denkmalwert. Symmetrie, strenge Axialität und die horizontale Breitenlagerung der Fassaden sowie die kostspielige Materialausführung sind charakteristisch für die großstädtisch geprägte Architektur der Kölner Neustadt. Das Gebäude Spichernstraße 55 stellt ein ausgesprochen markantes Beispiel für die Architektur des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts dar. Das Bauwerk ist sowohl aufgrund seiner herausragenden städtebaulichen Bedeutung und der hochwertigen Gestaltung als Dokument der Architektur der Zwischenkriegszeit und als bedeutendes Denkmal der Baukunst im nördlichen Neustadtgebiet unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0