Wohnhaus

Thielenbrucher Allee 8 · Dellbrück

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7267
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Thielenbrucher Allee 8, 51069 Köln
Baujahrum 1914
Eigentumstädtisches / öffentliches Eigentum
Eingetragen seit 03.11.1994
Stadtteil Dellbrück

Um 1914 erbaut; Architekten: Josef und Edwin Crones, Köln (inschriftlich an südöstlicher Gebäudeecke); freistehende Villa; 1 Geschoss und ausgebautes Dachgeschoss, Mansardwalmdach; Putzfassaden; straßenseitig axialsymmetrischer Aufbau, 3 Achsen, Betonung der Mittelachse durch großes Dachhaus mit fledermausgaubenartigem Giebelabschluss und durch loggienartig zurückgesetzten Hauseingang; Außentreppe mit originalem hölzernen Geländer; Hauseingang mit späterem abgeschrägten Werksteingewände, Haustür original; hochrechteckige Fensteröffnungen mit originalen Sprossenfenstern, im Giebelfeld der Dachgaube ein querovales Fenster; originale Vergitterung der den Eingang flankierenden Fenster; auf der Nordseite dreiseitig vortretender Parterreerker mit eigener Verdachung und erneuerten Fenstern; übrige Fenster original, ebenso auf der Südseite.

Rückseite: eingeschossiger neuerer Anbau mit Dachterrasse anstelle eines ehemaligen Wintergartens, von diesem erhaltene mittlere Außentreppe; Dachhaus entsprechend dem straßenseitigen; 2 originale Dachbodengauben; Hofausgang mit Außentreppe, originaler Tür und originaler Überdachung; Fenster original, im Dachhaus erneuert.

Im Inneren original erhalten: In Eingangsbereich, Flur und Treppenhaus ornamentierter Mosaikfußboden, Wandverkleidung aus Marmor, hölzerne Treppenanlage, rundbogige Öffnung zwischen Eingangsbereich und Treppenhaus verändert; alle Zimmertüren; im nordwestlichen rückwärtigen EG-Raum Heizungsverkleidung, Stuckdecke in Form einer Kölner Decke, rundbogiger Durchgang zum neueren Anbau verändert.

Bestandteile des Denkmals:

Straßenseitige originale Einfriedung (Bruchsteinmauer mit Pfeilern, Eisenlanzenzaun und Tor) des Vorgartens;

Parkanlage um das Gebäude (Teil des ehemaligen Parks) mit weitgehend natürlichem, lichten Baumbestand und Rasenflächen,

Offener Pavillon auf achteckigem Grundriss, Zeltdach mit bekrönendem Knauf auf hölzernen Säulen, originales Holzgeländer, Zugang auf der Nordseite über 2 Stufen, im Inneren kuppelartige Deckenwölbung, Boden mit erneuertem Fliesenbelag;

Fachwerkhäuschen mit Pultdach, originaler Brettertür und Sprossenfensterchen;

Blockhäuschen mit Satteldach, allseitig vorkragender Kniestock aus Fachwerk mit Bretterausfachungen, Wandhölzer im EG mit Baumkante einschließlich Rinde, 2 originale Brettertüren und umlaufendes Band originaler Sprossenfensterchen, traufseitig je eine Reihe schräg abgedeckter Kisten, bodennahe Schlupföffnungen mit Luken, Fluglöcher und Anflugbrett im Giebel;

Häuschen mit Schopfwalmdach und Bretterwänden, traufseitig originale hölzerne Rundbogenblendgliederung mit floralen Bemalungsresten, originale Brettertür, schmale Schlitzöffnungen.

Der heutige Ortsbereich Dellbrück entstand erst 1905 durch Zusammenlegung der Dörfer Thurn, Strunden, Hagedorn und Alt Dellbrück und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die einzelnen Ortschaften mehr und mehr zusammen und der Ort begann sich unter dem Einfluss der verkehrsmäßigen Anbindung an Köln durch Eisen- und Straßenbahnlinien zu entwickeln. Der Bergisch Gladbacher Straße als Ost-West-Verbindung kam dabei besondere Bedeutung zu. Die ehemalige Land- und Heerstraße war 1842 durch den Freiherrn von Fürstenberg ausgebaut worden. Am östlichen Ende dieser Straße lag das Thielenbruch, ein ursprünglich sumpfig-mooriges Gebiet der Bergischen Heideterrassen, das durch die von den Berghöhen abfließenden und dort versickernden Bäche mit Wasser gespeist wurde.

Durch Anlage eines künstlichen Bachbetts für die Strunde bis zum Rhein bereits im frühen Mittelalter wurden die ehemaligen Sümpfe im Bereich südlich der Bergisch Gladbacher Straße weitgehend trockengelegt. In diesem Waldgebiet auf Schwemmsandboden entstand seit der Jahrhundertwende ein Wohnviertel für die gehobenen Ansprüche wohlhabender Bürger, das sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem rechtsrheinischen Villenvorort Kölns entwickelte, analog dem linksrheinischen Marienburg. Die Bebauung ging von zwei Siedlungsansätzen aus. Ein Schwerpunkt ist im Bereich entlang der Bergisch Gladbacher Straße und der Paffrather Straße zu fassen. An der Gabelung der beiden Straßen befanden sich mit den Gasthöfen "Zur alten Post" und "Zum Jägerhaus" beliebte Ausflugsziele der Kölner. Hier nahm seit etwa 1900 die weitere Bebauung in östlicher Richtung ihren Ausgang. Ein zweiter Ansatz für die Besiedlung ist das sogenannte "Waldhaus", das für die Waldhausstraße namengebend war und auf seine ursprünglich bewaldete Umgebung im Gebiet südlich der alten Landstraße hinweist.

Gefördert durch die Eingemeindung Dellbrücks nach Köln im Jahre 1914 entwickelte sich das weiträumig angelegte und durchgrünte Villengebiet Thielenbruch zu einem heute noch weitestgehend geschlossen erhaltenen Viertel besonderer Wohnqualität, das die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Entstehungszeit spiegelt und das Bedürfnis der damaligen Stadtbevölkerung nach zurückgezogenem Wohnen im Grünen in städtischer Randlage veranschaulicht. Johann Bendel schreibt 1925 in seinem Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, S. 427 f.: "In Altdellbrück stand um 1900 nur ein einziges Haus, das alte Wirtshaus, da wo die Paffrather Straße abbiegt. Jetzt sind viele neue Straßen angelegt, die stark bebaut werden. An der Straße nach Bergisch Gladbach ist in wenigen Jahren die schönste Villenkolonie entstanden. Ebenso ist die Paffrather Straße mit Villen und Landhäuschen angebaut".

Innerhalb des Viertels ist das Wohnhaus Thielenbrucher Allee 8 einschließlich seines umgebenden Parks ein prägendes Anwesen, das zugleich aber auch ein einzigartiges Dokument von hohem Seltenheitswert ohne ein annähernd vergleichbares Beispiel im gesamten Kölner Stadtgebiet darstellt. Das Villengebäude, das um 1914, also in der frühen Bebauungsphase Thielenbruchs, im Landhausstil nach Plänen der namhaften Kölner Architekten Josef und Edwin Crones als eines ihrer letzten Werke errichtet wurde - von Edwin Crones stammt u. a. das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum (1904-06) -, zeichnet sich im Außenbau durch klare, symmetrieorientierte Bauformen aus. Die weitestgehend original erhaltene innere Ausstattung wird durch klassizistisch geprägte Formgebung bestimmt, so etwa die in Nachahmung von Kölner Decken gearbeitete Stuckdecke.

Das o. g. Grundstück liegt inmitten des Thielenbrucher Kernbereichs. Das Anwesen, das straßenseitig an die breit angelegte Hauptalleestraße Thielenbruchs grenzt, zeichnet sich auch in seinen Restbeständen durch die rückwärtige waldartige Parkanlage aus, die weitgehend naturbelassen blieb mit dem für die Gegend typischen Kiefernbestand. Einem Landschaftspark gemäß herrschen Rasenflächen vor.

Besonderen Reiz besitzen die drei Holzhäuschen und der zentrale Pavillon für den Aufenthalt im Freien, die unter dem Aspekt einer für die Jahrhundertwende typischen romantischen Einstellung zu verstehen sind. Die drei Häuschen repräsentieren jeweils unterschiedliche Holzbauweisen, Konstruktionen aus Fachwerk, Blockwerk und Bundwerk mit Bretterhinterschalung. In der Detailausführung mit Profilierungen, Schnitzereien und Bemalungen sind sie sehr aufwendig gestaltet und besitzen über ihren praktischen Nutzen hinaus handwerklich-künstlerische Qualitäten. Dass zwei der Häuschen ursprünglich der Haltung von Tieren (Bienen, Zier- und Nutzgeflügel) dienten, lassen die verschiedenen Wandöffnungen erkennen.

Die Anlage bezieht in ihrer Wirkung auch die allseitig benachbarten, zum großen Teil ebenfalls denkmalwerten Häuser und Gärten mit ein.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0