Wohnhaus

Scharnhorststraße 4 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7325
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Scharnhorststraße 4, 50733 Köln
Baujahr1905 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.01.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1905/10, L-förmiger Grundriß, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 2 Achsen, Stuckgliederungen in Anlehnung an Klassizismus und Formen des Jugendstils, Risalit in der rechten Achse, Eingang linke Achse, originale Eingangstür, hochrechteckige Fenster mit geraden Abschlüssen, im Risalit breite dreigeteilte Fenster, alle Fenster erneuert. Rückseite: Backstein, Fenster und Türen mit geradem Abschluß, nachträglich angelegte Balkone auf Stahlstützenkonstruktion, Fenster und Balkontüren neu. Treppenhaus: im Vestibul mehrfarbiger Terrazzoboden, bis zu halber Höhe Wanddekoration in Fugenschnitt, darüber reiche Wandgliederung in farbig gefaßtem Stuck, Stuckdecke, Übergang vom Vestibul zum Treppenhaus durch Pilastergliederung in Stuck, Terrazzotreppe, Holzgeländer mit Antrittspfosten und Handlauf, Belichtung des Treppenhauses durch sprossengeteilten Glasaufbau in Metall. Im Innern original erhalten: Wohnungseingangstüren mit reich profilierten Gewänden und Verdachung in Holz, z.T. dreiteilige seitlich verglaste Holzeinbauten mit Oberlicht, Holzdielenböden, originale Türgewände und Türen, Stuckdecken in den straßenseitigen Räumen. Vorgarten und Einfriedung neu angelegt.

Nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen. In der Zeit von 1900 bis 1905 wurde die Scharnhoststraße wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher- und Waterloostraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechtekkige Grünanlage Leipziger Platz. Erschließung und Erstbebauung der Scharnhorststraße sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Dieser entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit relativer Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industriestandortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Gebäude der Scharnhorststraße dokumentieren eine weitgehend geschlossene Zeile der erhalten gebliebenen Erstbebauung. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt die Straße ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden drei- bis viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 4 zeigt eine ausgewogen gestaltete Schaufassade mit antikisch geprägten Dekorationen (kräftiger Fugenschnitt, konsolgetragenes Stockwerkgesims, Betonung des zweiten und dritten Obergeschosses durch vertikale Zusammenfassung der Geschosse in Gestalt einer rahmenden Großordnung mit profilierten Wandfeldern, flächige individuell gestaltete Fensterverdachungen, in den oberen Geschossen mit flach hervortretenden bauplastischen Details in den Bogenfeldern, reich profiliertes und gekröpftes Dachgesims mit Klötzchenfries, Perlenschnur, Kranzgesims). Das Gebäude ist ein Beispiel für die repräsentative, gestalterisch aufwendige Mietwohnarchitektur zu Anfang unseres Jahrhunderts in Nippes. Aufgrund des weitgehend erhaltenen Originalzustands, insbesondere auch der Interieurs mit der an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfenden Gestaltung ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Scharnhorststraße und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gebäude (Nrs. 1, 5, 7, 9, 8) weisen aufeinander bezogene Fassaden auf und bilden mit der Nr. 4 ein Ensemble historistischer Architektur. Das Objekt ist aufgrund seiner bemerkenswerten Gestaltung für die Architektur des Stadtteils Nippes ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0