Wohn- u. Geschäftshaus

Scharnhorststraße 8 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7550
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Scharnhorststraße 8, 50733 Köln
Baujahr1905 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1905/10, Eckgebäude zur Yorckstraße, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3:3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, abgeschrägte Ecke mit Erker auf rechteckigem Grundriß (Ziergiebel nachträglich entfernt), zur Yorckstraße Risalit auf rechteckigem Grundriß, Eingang rechts (Scharnhorststraße), Haustür mit Oberlicht erneuert. Fenster im Erdgeschoß zum Teil verändert, in den Obergeschossen hochrechteckige Fenster mit geradem oberen Abschluß, im 3. Obergeschoß Fenster zum Teil mit gerundeten Ecken, alle straßenseitigen Fenster erneuert, zum großen Teil Oberlichter geschlossen (Einscheibenfenster mit Oberlicht, Kunststoff).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Rückseite im Ganzen geschlossen (ausgenommen Badezimmerfenster), Treppenhausfenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür, erneuert (Kunststoff). Hof zum Teil mit Wellblechkonstruktion überdacht. Im Innern original erhalten: Vestibül: zweifarbige Wandfliesen in Jugendstilformen bis halbe Höhe, Wandstuck als aufgelegte Rundbogenstellung, Deckenstuck, Terrazzotreppe mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf in Holz, Wohnungseingangstüren mit Oberlicht und Gewände zum Teil original. In den Wohnungen: Holzdielenböden, zum Teil originale Türgewände, im 1. Obergeschoß Stuckdecken in den straßenseitigen Räumen: profilierte Stuckleisten und Mittelornament, am Erker Stuckkonsolen, im 2. und 3. Obergeschoß Stuck hinter den abgehängten Decken.

Keller in Teilen gewölbt.

Im rückwärtigen Hof Einfriedungsmauer in Backstein erhalten. Straßenseitiger Ziergarten (zur Yorckstraße) mit Einfriedung aus gemauerten und verputzten Pfeilern und gußeiserner Vergitterung original.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Scharnhorststraße ist nördlich der alten Achse Flora- und Mauenheimer Straße gelegen. In der Zeit von 1900 bis 1905 wurde die Scharnhorststraße wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher- und Waterloostraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Parkanlage Leipziger Platz. Erschließung und Erstbebauung der Scharnhorststraße sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Dieser entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit relativer Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industriestandortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Gebäude der Scharnhorststraße dokumentieren eine weitgehend geschlossene Zeile der erhalten gebliebenen Erstbebauung vis-à-vis der zentralen Grünanlage. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt die Straße ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden drei- bis viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Haus Nr. 8 zeigt ausgewogen gestaltete Schaufassaden mit antikisch geprägten und modernen Schmuckformen (kräftiger Fugenschnitt, Stockwerkgesimse, Zusammenfassung der beiden oberen Geschosse durch einheitliche vertikale Gliederung der Fassadendetails in Art einer Großordnung vor Rauhputzfläche mit profilierten Wandfeldern, Brüstungsfelder mit, der ägyptischen Steinplastik entlehnter Dekoration, an den Fensterumrahmungen sowie an Teilen des Traufgesimses ornamental-florale Schmuckbänder, am Risalit gekröpft). Das Gebäude ist ein Beispiel für die repräsentative, gestalterisch aufwendige Mietwohnarchitektur zu Anfang unseres Jahrhunderts in Nippes. Aufgrund des weitgehend erhaltenen Originalzustands, insbesondere auch der Interieurs mit der an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfenden Gestaltung ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Scharnhorststraße und als Dokument sowohl des Sozialstatus' als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Das Gebäude veranschaulicht mit den gegenüberliegenden Eckhäusern im Kreuzungsbereich das ursprüngliche Erscheinungsbild, wobei hier - wie oft bei der Eckbereichsbebauung - besonders ausgeprägte Lösungen hervorgebracht wurden. Die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gebäude (Scharnhorststraße Nrn. 1 - 9 und 4) und weitere Bauten an der Yorckstraße weisen aufeinander bezogene Fassaden auf und bilden mit der Nr. 8 ein Ensemble historistischer Architektur. Die von schmalen Vorgärten eingefaßten Häuserzeilen der Scharnhorst- und Yorckstraße setzen sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Einheiten mit Risaliten, Erkern und Ziergiebeln vor breiten Fassaden zusammen und bilden neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein weitgehend überliefertes Gesamtbild der reichen Wohnarchitektur zur Zeit der Jahrhundertwende. Das Objekt ist aufgrund seiner bemerkenswerten und aufwendigen Gestaltung ein unverzichtbares Dokument der Nippeser Stadtarchitektur.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0