Wohnhaus

Wartburgplatz 6 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7330
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Wartburgplatz 6, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.01.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905, Eckhaus zur Wartburgstraße, 2 Geschosse, Giebelgeschoß, Mansarddach, Putzfassade, Sockelgeschoß in Backstein, asymmetrisch geschweifter Giebel zum Wartburgplatz, Hauseingang mit geradem oberen Abschluß in der Mitte des platzseitigen Giebels, gerade und rundbogig abschließende Fensterformen (Oberlichter z.T. nachträglich geschlossen), im Giebelgeschoß drei schmale, dem Treppenlauf folgende Fenster, die Haustür und alle Fenster (Metall, ohne Teilung) erneuert. Rückseite: verputzt, Gartentür und alle rückwärtigen Fenster erneuert (Metall, ohne Teilung). Teil des Denkmals ist der rückwärtig gelegene Gartenbereich.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Im Zuge der gründerzeitlichen Ortserweiterung wurde auch der dreieckförmige Wartburgplatz östlich der Werkstätten der ehemaligen Rheinischen Eisenbahngesellschaft angelegt. Das Wohnhaus Wartburgplatz 6 mit geschweiftem Giebel zur Wartburgstraße gehört der einheitlich konzipierten, heute teilweise veränderten Bautengruppe Wartburgplatz 6-14, die den Platz im Norden und Osten begrenzt, und der Zeile 1-13, die die westliche Bebauung darstellt, an. Dem Entwurf gemäß zeichnet sich die Bautengruppe Wartburgplatz 6 bis 14 durch eine symmetrische Baukörper- und Fassadengestaltung aus. Die Gebäude wurden von der 1895 gegründeten Köln-Nippeser Bau- und Spargenossenschaft als Zweifamilienhäuser mit Gärten für Arbeiter errichtet. Genossenschaftliche Bestrebung war, Arbeitern befriedigende Wohnverhältnisse zu angemessenen Mietpreisen zu bieten und Ihnen den Wohnungskauf zu ermöglichen. Das Arbeiterwohnhaus Wartburgplatz 6 mit rückwärtigem Gartenbereich dokumentiert als Teil der Baugruppe in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz den genossenschaftlichen Arbeiterwohnungsbau wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Die architektonische Konzeption, die sich am Ideal des Einfamilienhauses orientiert, und der städtebauliche Entwurf, die umgrünte, auf einen Platz bezogene Bebauung belegen das wohnungsreformerische Bestreben des Bauträgers und begründen die sozialgeschichtliche und ortsbildprägende Bedeutung des erhaltenswerten Arbeiterwohnhauses. Diesem Konzept liegt neben dem sozialen auch der volksgesundheitliche Anspruch, die hygienischen Wohnverhältnisse der unteren Schichten zu verbessern, als Kriterium zugrunde. Die Bebauung um eine offene und begrünte Platzanlage konnte hier ganz andere Lösungen hervorbringen, als die in unmittelbarer Umgebung anstehende geschlossene Bebauung mit z.T. licht- und luftarmen Hinterhäusern. Der Wartburgplatz wird regelmäßig dreiseitig eingefaßt von der Wartgburg-, Büdericher- und Eisenachstraße. Die fünf Reihenhäuser umfassende Zeile mit geraden Hausnummern wird von zwei giebelständigen Eckhäusern mit Mansardgiebeldächern eingefaßt (städtebaulich gestaltende und Schmuckformen sind: zurückgesetzte, die Eckbebauung markierende linke Achse, im Erdgeschoß Backstein bis in Kämpferhöhe der Fenster, erkerartig aus dem Gebäude brechende Gebäudekante im Obergeschoß, die - ebenso am Haus Nr. 14 - die Dreieckplatzgestaltung aufgreift, die vorkragende und am Ansatz geöffnete Eckgestaltung umschließt bzw. verdacht ein kleines Fenster, rhythmisch versetzte, dem Treppenverlauf folgende Fenster im Dachgeschoß). Alle gestalterischen Details der Fassaden (ursprl. zeigten die gereihten Häuser der Zeile Zwerchgiebel mit dreieckigem Abschluß und Betonung der Mittelachse sowie konsolgetragene Verdachungen der Hauseingänge) nehmen sowohl Bezug auf die einheitliche Gestaltung der anschließenden Nachbarbebauung und aller um den Platz gruppierten Gebäude, als auch im Falle der Gebäude 6 und 14 auf die besondere städtebauliche Funktion des dreieckigen Platzes. Die einfachen Baukörper, deren unregelmäßige Grundrisse durch die Gruppierung um ein Dreieck entstehen, zeigen eine zurückhaltende, einheitlich angewendete und malerisch bewegte Dekoration der Fassaden. Die Anwendung des vereinheitlichenden Formenkanons für die Platzgestaltung - einer in diesem Bereich der Stadt neuen Bauaufgabe - ist an der Häusergruppe trotz Veränderungen noch heute sehr gut nachvollziehbar. Das gesamte Ensemble, insbesondere die Eckgestaltung des Gebäudes Wartburgplatz 6, ist für die stadtbaugeschichtliche Entwicklung von Nippes von hoher Bedeutung und als unverzichtbarer Teil der gebauten Umgebung schützenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0