Wohn- u. Geschäftshaus

Merheimer Straße 155 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7547
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Merheimer Straße 155, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen des Klassizismus, 4 Achsen, Ziergiebel in der Mittelachse, Hauseingang in der rechten Achse, Fenster mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoß großflächiges Schaufenster und Eingang zum Ladenlokal, alle straßenseitigen Fenster sowie die Haustür erneuert. Rückseite: Backstein, Treppengesims, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel dreiachsig, segmentbogige Fensteröffnungen, alle Fenster und die Hoftür erneuert. Im Innern original erhalten: Vestibül: mehrfarbiger Terrazzobodenbelag mit Bordure, Deckenstuck, Treppenhaus: Terrazzotreppe, Treppengeländer in Holz mit Antrittspfosten, Zwischenpfosten, Stäben und Handlauf, Wohnungseingangstüren erneuert (im Dachgeschoß original erhalten), Treppenhausfenster erneuert. In den Wohnungen Holzdielenboden, Türen und Gewände zum Teil mit Oberlicht teilweise erhalten.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsfomren, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Merheimer Straße, an der sich das o. g. Objekt befindet, bildete die Hauptverkehrsachse des Ortsteils Sechzig. Das Gebäude gehört zu den Dokumenten der Erstbebauung, die sich in diesem Bereich der Straße in größerer Anzahl erhalten haben und charakterisiert gemeinsam mit weiteren Gebäuden der Nachbarschaft das historische Straßenbild. Das Gebäude Nr. 155, im Kreuzungsbereich zur Wartburgstraße und im Straßenabschnitt zur Kempener Straße gelegen, zeigt eine breite vierachsig gegliederte Fassade mit Mittelbetonung durch einen Ziergiebel. Die Bekrönung der Fassaden mit Dachaufbau setzt sich im weiteren Verlauf der Merheimer Straße an angrenzenden Häusern fort und bewirkt eine rhythmische Gliederung der Zeile. Neben den gestaltbildenden Charakteristika des Baukörpers ist die Verwendung von bauplastischen Dekorationsformen an den Fassaden zurückhaltend (Schmuckformen: Fugenschnitt, Belétage mit konsolgetragenen waagrechten und dreieckgiebelförmigen Verdachungen, im 2. Obergeschoß festonverzierte Fensterbekrönung, durchlaufende Stockwerkgesimse/Sohlbänke, Traufgesims, Ziergiebel mit Karniesbogenbekrönung, im Bogenfeld Muschelmotiv). Die in städtebaulicher Hinsicht aufeinander bezogene Bebauung im Kreuzungsbereich Merheimer-/Wartburgstraße erscheint als geplante Ensemblegestaltung. Das Haus Merheimer Straße 155 ist als Teil dieses Zusammenhangs, der in der gesamten Merheimer Straße noch weitgehend in seiner originalen Bausubstanz erhalten ist ein wichtiges Zeugnis, und für den städtisch geprägten Wohnbau in Köln-Nippes ein unverzichtbares Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0