Wohnhaus

Wilhelmstraße 66 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7335
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Wilhelmstraße 66, 50733 Köln
Baujahr1902
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.01.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut 1902, L-förmiger Grundriß.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß mit späterem, links zurückgesetztem Dachaufbau, Satteldach, 2 Achsen, Stuckfassade mit Jugendstilformen, Erker auf trapezförmigem Grundriß mit abschließendem Balkon, Eingang rechts mit originaler Haustür, individuell gestaltete Fensteröffnungen mit geraden und segmentförmigen Abschlüssen, im Erdgeschoß Oberlichtbereich geschlossen, alle straßenseitigen Fenster erneuert, originale, in Jugendstilformen gefaßte Brüstungsvergitterung der Sohlbänke im 1. Obergeschoß.

Rückseite: Backstein rot mit horizontalen Gliederungen, Fenster mit segmentbogigen Abschlüssen, alle Fenster erneuert (Metall), Hoftür und sprossengeteilte Treppenhausfenster original.

Im Innern original erhalten: Terrazzotreppe, Holztreppe zum Spitzboden. Rückwärtig gelegener Garten von originaler Einfriedungsmauer eingefaßt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet - zu einem bedeutenden Industriestandort. Südlich der Zentral-Eisenbahnwerkstätten entstand seit den 1860er Jahren das neue Arbeiterviertel "Sechzig". Die ursprüngliche Wilhelmstraße, angelegt 1873/74, war eine Verbindungsstraße zwischen Niehler- und Neusser Straße. Erst zu Ende der 90er Jahre begann der Ausbau einer westlichen Verlängerung über die Neusser-, später über die Kempener Straße hinaus bis hin zur Merheimer Straße. Als letztes Stück entstand die Partie zwischen der seit 1900 als breite Alleestraße gestalteten Kempener- und der Siebachstraße. Heute stellt die Wilhelmstraße eine durchgehende Ost-West-Verbindung her zwischen Niehler-, Neusser-, Christina-, Kempener-, Siebach und Merheimer Straße.

Das o.g. Objekt gehört mit seinen Nachbarhäusern Nrs. 62 und 64 zu einem einheitlich konzipierten und in einem Zuge errichteten Ensemble, das die Erstbebauung der nordwestlichen Ecke der Kreuzung Kempener-/Wilhelmstraße darstellt und sozialgeschichtlich die um die Jahrhundertwende einsetzende Wandlung des Industrieortes Nippes zu einem auch für den gehobenen Mittelstand attraktiven Wohnort dokumentiert. Die Fassaden der Häuser 64 und 66 beziehen sich spiegelbildlich in Proportion, Geschoßzahl und Axialität aufeinander (Schmuckformen: Fugenschnitt im oberen Bereich des Erdgeschosses, als Pendant zum Obergeschoßerker rechts paarweise mit Verdachungen zusammengefaßte Fenster in der linken Achse, z.T. konsolgetragene Sohlbänke, waagrechte, flache Verdachungen mit floralem Jugendstilzierrat in der Beletage, von flachen Pilastern eingefaßter Dachaufbau). Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigen die in der Zeile aufeinander abgestimmten Gebäude ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden dreigeschossiger, auf mittelständische Bewohner zugeschnittener Mietwohnarchitektur. Die Nr. 66 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs und damit ein unverzichtbarer Bestandteil des städtebaulichen Ensembles, das in seiner zeittypischen Kombination von Formelementen des Jugendstils auch künstlerisch bedeutend ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0