Wohnhaus

Wilhelmstraße 64 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7659
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Wilhelmstraße 64, 50733 Köln
Baujahrum 1902
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.10.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1902, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß mit späterem (1954) Dachaufbau, Mansardgiebeldach, 2 Achsen, Putzfassade mit Backsteingliederungen, gestrichen, in Jugendstilformen, Sockelzone sowie Gewände des Eingangs nachträglich gefliest, Eingang links, Fensteröffnungen mit geradem oberen Abschluß, im 1. Obergeschoß segmentbogig schließende Fenster, Haustür erneuert, Oberlicht mit Einbau von Glasbausteinen, alle straßenseitigen Fenster erneuert (ohne Teilung).

1978 Ausbau des Dachgeschosses hofseitig.

Das Gebäude Wilhelmstr. 64 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.

Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die ursprüngliche Wilhelmstraße, angelegt 1873/74, war eine Verbindungsstraße zwischen Niehler- und Neusser Straße. Erst zu Ende der 90er Jahre begann der Ausbau einer westlichen Verlängerung über die Neusser-, später über die Kempener Straße hinaus bis zur Merheimer Straße. Als letztes Stück entstand die Partie zwischen der seit 1900 als breite Alleestraße gestalteten Kempener- und der Siebachstraße. Heute stellt die Wilhelmstraße eine durchgehende Ost-West-Verbindung her zwischen Niehler-, Neusser, Christina-, Kempener-, Siebach- und Merheimer Straße.

Das o. g. Objekt gehört mit seinen Nachbarhäusern Nrn. 52 - 66 zu einem einheitlich konzipierten und in einem Zuge errichteten Ensemble, das die Erstbebauung der nordwestlichen Ecke der Kreuzung Kempener-/Wilhelmstraße darstellt und sozialgeschichtlich die um die Jahrhundertwende einsetzende Wandlung des Industriestandortes Nippes zu einem auch für den gehobenen Mittelstand attraktiven Wohnort dokumentiert.

Die Fassaden der Häuser 64 und 66 beziehen sich spiegelbildlich in Proportion, Geschoßzahl und Axialität aufeinander (Schmuckformen: Fugenschnitt, Rankenfries im Oberlichtbereich, Stockwerkgesims, Brüstungsbereiche mit ornamentalem Zierrat in rechteckigen Feldern, gerade Fensterverdachungen, im 2. OG profilierte und verkröpfte Sohlbänke). Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigen die in der Zeile aufeinander abgestimmten Gebäude ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden dreigeschossiger, auf mittelständische Bewohner zugeschnittener Mietwohnarchitektur. Die Nr. 64 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs und damit ein unverzichtbarer Bestandteil des städtebaulichen Ensembles, das in seiner zeittypischen Kombination von Formelementen des Jugendstils auch künstlerisch bedeutend ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0