Wohnhaus

Wilhelmstraße 62 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7553
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Wilhelmstraße 62, 50733 Köln
Baujahrum 1902
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1902, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (1952 verändert, ebenso Traufgesims/Dachansatzzone), Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Jugendstilformen, Sockelzone nachträglich verputzt, Eingang rechts, Fensteröffnungen mit geradem oberen Abschluß, im 1. OG segmentbogig schließende Fenster, Haustür mit Oberlicht erneuert, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz). Rückseite: Backstein, Horizontalgliederungen in gelbem Backstein, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel zweiachsig, der Seitenflügel nach Kriegszerstörung nurmehr eingeschossig wiederaufgebaut. Hofzugang im Rücksprung sowie Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür und alle Fenster erneuert. Im Innern original erhalten: Im Erdgeschoß des Treppenhauses Terrazzoboden, Podeste mit Terrazzobelag.

Der rückwärtige Garten eingefaßt durch eine Einfriedungsmauer in Backstein.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließt den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, die Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden, nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die ursprüngliche Wilhelmstraße, angelegt 1873/74, war eine Verbindungsstraße zwischen Niehler- und Neusser Straße. Erst zu Ende der 1890er Jahre begann der Ausbau einer westlichen Verlängerung über die Neusser-, später über die Kempener Straße hinaus bis hin zur Merheimer Straße. Als letztes Stück entstand die Partie zwischen der seit 1900 als breite Alleestraße gestalteten Kempener- und der Siebachstraße. Heute stellt die Wilhelmstraße eine durchgehende Ost-West-Verbindung her zwischen Niehler-, Neusser-, Christina-, Kempener-, Siebach- und Merheimer Straße.

Das Gebäude Wilhelmstr. 62 gehört mit seinen Nachbarhäusern Nrn. 52 - 66 (ausgenommen der fünfgeschossige Nachkriegsneubau Nr. 60) zu einem einheitlich konzipierten und in einem Zuge errichteten Ensemble, das die Erstbebauung der nordwestlichen Ecke der Kreuzung Kempener-/Wihelmstraße darstellt und sozialgeschichtlich die um die Jahrhundertwende einsetzende Wandlung des Industriestandortes Nippes zu einem auch für den gehobenen Mittelstand attraktiven Wohnort dokumentiert.

Die Fassaden der Häuser 62 und 64 beziehen sich - trotz weitgehender Kriegszerstörung und Verlust der hohen Ziergiebel im jetzigen Zustand noch nachvollziehbar - spiegelbildlich in Proportion, Geschoßzahl und Axialität aufeinander (Schmuckformen: Fugenschnitt, Rankenfries im Oberlichtbereich, Stockwerkgesims, in den Obergeschossen Fassung der Fensterachsen durch Stuckrahmungen einschließlich Brüstungsfelder mit dekorativem Jugendstilschmuck, der waagrechten Verdachungen im 1. OG sowie der Sohlbänke mit flachplastischen Aufsätzen im 2. OG. Einfassung der Fenster im 2. OG durch Bossenquaderimitation). Trotz der Verluste an historischer Substanz (insbesondere der Seitenflügelobergeschosse) zeigen die in der Zeile aufeinander abgestimmten Gebäude ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden dreigeschossiger, auf mittelständische Bewohner zugeschnittene Mietwohnarchitektur. Die Nrn. 62 und 64 sind prägender Teil dieses Zusammenhangs und damit ein unverzichtbarer Bestandteil des städtebaulichen Ensembles, das in seiner zeittypischen Kombination von Formelementen des Jugendstils auch künstlerisch bedeutend ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0