Wohn- u. Geschäftshaus
Kempener Straße 34 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8059 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Kempener Straße 34, 50733 Köln |
| Baujahr | 1903 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.03.1997 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1903 als Eckhaus zur Wilhelmstraße auf unregelmäßigem Grundriß, 4 Geschosse (Dach fehlt seit dem 2. Weltkrieg), 3:1:4 Achsen, Stuckfassade mit Ornamenten des Jugendstils und der Neogotik: rekonstrierter Fugenschnitt im EG, Wandfläche im Bereich des 1. und 2. OG mit feinem Fugenschnitt, Brüstungsfelder im 2. OG mit Bieberschwanzziegeln, Brüstungsgesimse des 3. OG mit Maßwerkfries, Fenster des 3. OG mit Vorhangmaßwerk. (Veränderungen: Fenster des 1. OG mit Ausnahme der Erkerfenster urspr. Stichbogenfenster, alle Fenster mit anderen Unterteilungen erneuert, Kunststoff.)
Straßenfassade Kempener Str.: Ecke: abgeschrägt, 1 Achse, EG Ladenzugang (Tür verändert), oberhalb des EG Wandfläche leicht hinter Eckbetonung zurückspringend.
In den anschließenden 4 Achsen asymmetrische Gliederung durch breiten, 3-geschossigen Erker in der 2. Achse, Hauseingang (Tür erneuert) unterhalb des Erkers, zu den Seiten des Erkers werden die Gliederungsformen der Eckachse fortgeführt, hinzu kommen Stuckembleme mit Löwenköpfen und große Maueranker im 3. OG. Der Erker mit breiten Fenstern und reichem Schmuck besonders betont: Brüstungsfelder des 2. OG mit Blattranken und Wappen, Fensterbekrönung des 2. OG mit Malerwappen haltenden Löwenköpfen, zwischen den Fenstern des 3. OG ehemaliges Wappen verloren, Helmzier noch erhalten. Die Ansätze des im Krieg zerstörten Balkons im Giebelgeschoß noch erkennbar. Straßenfassade Wilhemstr.: gleiche Gliederungsformen wie zur Kempener Str., rechte Achse Blindfenster, mittlere Achse Erker, Ansatz des Balkons im Giebelgeschoß mit Stuckgliederung noch vorhanden. (Nach links anschließender eingeschossiger, vollkommen veränderter Ladenanbau ist nicht Bestandteil des Denkmals).
Rückseite: backsteinsichtig mit Gliederungen aus gelbem Backstein, kräftiges zweifarbiges Konsoltraufgesims, Reste des Dachgeschosses im rückwärtigen Bereich teilweise nach dem Krieg wiederaufgebaut.
Innen original: Terrazzotreppe bis zum zerstörten Dachgeschoß erhalten. (Wohnungstüren, Zimmertüren, Treppengeländer, Boden- und Wandfliesen im Vestibül verändert.)
Nicht zum Denkmal gehörig ist der seitliche Ladenanbau in der Wilhelmstraße.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind bereits ab 1800 die ersten Ansätze industrieller Produktion nachweisbar. Diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkt fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. 1855 entstand im Verlauf der heutigen Kerpener Straße die Bahnlinie Köln-Neuss und in den Jahren 1859/60 westlich davon die zentrale Eisenbahnwerkstätte der Rheinischen Eisenbahngesellschaft mit eigener Arbeitersiedlung. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte der neue Vorort Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom. In den letzten Jahren des Jahrhunderts wurde der das bis dahin entstandene Nippes durchschneidende Streckenabschnitt der Eisenbahnlinie Köln-Neuss verlegt und auf dem freiwerdenden Gelände entstand seit 1900 die Kempener Straße als breite, baumbestandene Allee.
Eine Postkarte von 1904 zeigt die gerade fertiggestellte viergeschossige Bebauung der rechten Straßenseite zwischen Auguststraße und Viersener Straße. Die heute noch erhaltenen Häuser dieser Bauzeit bezeugen mit ihrer abwechslungsreichen, repräsentativen - an innerstädtischen Vorbildern orientierten - Fassadengestaltung die frühe Bebauung der Kempener Straße und erinnern damit an den Wandel des Industrievorortes Nippes zum bürgerlichen Wohnort.
Das oben beschriebene Objekt stellt mit dem ebenfalls denkmalwerten Nachbarhaus Nr. 32 ein wichtiges Zeugnis der Entwicklungsgeschichte von Nippes dar, dessen Bedeutung aufgrund der Lage an der sehr breiten, vielbefahrenen Kempener Straße noch vergrößert wird. Obwohl es noch bis heute seines Daches beraubt ist, setzt es einen wichtigen Akzent als Eckhaus zur Wilhelmstraße mit dem sich anschließenden Wilhelmplatz. Die Erker an beiden Straßenfronten sorgen für eine Rhytmisierung der Fassaden, die im Zusammenspiel mit den ausgefallenen Gliederungselementen gleichzeitig eine anschauliche Demonstration des bürgerlichen Mietwohnungsbaus dieser Zeit darstellen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0