Wohnhaus
Gocher Straße 21 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7716 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gocher Straße 21, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.12.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1910, Architekt und Bauherr: Hugo Henn, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 2 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, flacher Erker auf segmentförmiger Grundfläche in der rechten Achse mit abschließendem Balkon, Ziergiebel in Fortführung der Erkerachse. Hauseingang links mit geradem oberen Abschluß, Fenster im Ziergiebel zu Dreiergruppe zusammengefaßt, Fenster im Erdgeschoß und im Dachgiebel original, Treppenhausfenster mit niedrigen Metallgittern original, Fenster in 1. und 2. Obergeschoß zum Teil original erhalten. Rückseite: verputzt, 2 Achsen, links im Erdgeschoß Wintergarten, ganz verglast, in den Obergeschossen Balkone, Dachgeschoß zurückgesetzt, rückwärtige Fenster und Balkontüren im Erdgeschoß original, im 1. und 2. Obergeschoß zum Teil erneuert, originale Kellertür zum Garten. Im Inneren original erhalten: Vestibül: bis zu halber Höhe Marmorwandplatten (Sockel mit schwarzer Marmorleiste, oberer Abschluß in Holz), vierstufige Marmortreppe, Terrazzotreppe, gerade, zweiläufig mit gezogenen Stufen, Antritts- und Zwischenpfosten, Stäbe und Handlauf in Holz (Treppe zum Dachgeschoß verputzt) Podeste mit zweifarbigen Bodenfliesen (sechs- und dreieckig) belegt, Zwischenpodeste in Terrazzo), originale Wohnungseingangstüren, im Erdgeschoß zweiflügelig. In den Wohnungen: Erdgeschoß Parkettboden in den Wohnräumen, in der Küche originale mehrfarbige Bodenfliesen, in den Obergeschossen Parkett- und Holzdielenboden, Türen und Gewände original, gemeinsam mit dem Haus Nr. 19 Lichtschacht, der Diele und Bad belichtet.
Der rückwärtig gelegene Garten ist Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche).
Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Gocher Straße wurde nach 1908 - zwölf Jahre nach der Aufgabe der Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld und der Anlage der Kempener Straße (ab 1898) anstelle der Bahntrasse, die Nippes vom Ortsteil Sechzig trennte - als Parallele zu Merheimer- und Turmstraße angelegt. Im Abschnitt zwischen Geldorp- und Simon-Meister-Straße und im Kreuzungsbereich zur Hogenbergstraße liegt das Gebäude Gocher Str. 21 im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen.
Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Straße) und wurde von Nippes aus durch die Holbein- und Lohsestraße erschlossen. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Die städtebauliche Entwicklung der ehemals ländlich geprägten Teile ist in diesem Bereich eng miteinander verwoben. Die Gocher Straße im Kreuzungsbereich zur Kempener Straße ist charakterisiert durch aufwendige breitgelagerte und im Inneren großzügig dimensionierte Wohn- und Mietwohngebäude mit Betonung der Fassaden in Form von Erkern und Ziergiebeln. In der Umgebung dieses Wohnquartiers erwarben Bauunternehmer und Spekulanten zu Anfang des Jahrhunderts zahlreiche ausgedehnte Parzellen, die in den darauffolgenden Jahren (1905 - 1913) mit Mietwohngebäuden bebaut wurden (Simon-Meister-Sraße, Gocher Straße, Auguststraße, Hartwichstraße, Merheimer Straße, Sechzigstraße, Ulrich-Zell-Straße).
Das um 1910 errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine zeitgemäß modernen Formen verpflichtete Gestaltung mit Versatzstücken historisierender Fassadendekoration (Schmuckformen: im Erdgeschoß kräftiger horizontaler Fugenschnitt, Eingang mit begleitendem Fenster gerahmt von Pilastern auf hohen Sockeln mit Rautenmotiv, Wetterdach, abschließende Pinienzapfen, Reliefplatte mit Darstellung "Vater Rhein mit seinen Töchtern", Obergeschosse glatt verputzt, achsweise Zusammenfassung der Geschosse, Erker mit dreiteiligem Fensterband, in den Brüstungsbereichen Reliefs mit Blumenkörben, profiliertes Konsoltraufgesims, Ziergiebel mit Rundbogen, Eierstab, im Bogenfeld Relief mit Profilbildnis). Das Haus Gocher Str. Nr. 21 ist mit seinen in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhäusern (Nrn. 23/25) ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes nach der Jahrhundertwende.
Aus städtebaulichen Gründen ist das Gebäude schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und Jugendstils bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gocher Straße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile sowie zeitgemäß moderner Architektur. Die aufwendigen Dekorationen zeigen sich auch im Inneren der Gebäude, insbesondere in den Entrées und Treppenhäusern, wie auch in den großzügig dimensionierten Wohnräumen. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gocher Straße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser auch zur eigenen Nutzung errichtete. Der Wert des Gebäudes Gocher Str. 21 für die Kölner Stadtbaukultur ist unverkennbar. Aufgrund der weitgehend erhaltenen Substanz ist das Gebäude sowohl für das Erscheinungsbild der Gocher- und umgebender Straßen als auch als Dokument für die städtisch geprägte Gestaltung der gebauten Umwelt, sowie zur Veranschaulichung historisierender Wohn- und Repräsentationsformen zu Anfang des 20. Jahrhundert von hoher Bedeutung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0