Wohnhaus
Gocher Straße 23 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7717 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Gocher Straße 23, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.12.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1910, Architekt und Bauherr: Hugo Henn, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 2 Achsen Stuckfassade in Formen des Jugendstils, Erker auf rechtekkiger Grundfläche in der rechten Achse mit abschließendem Balkon, breitgelagerter Ziergiebel. Hauseingang rechts mit geradem oberen Abschluß, Rundoberlicht, Haustür original, Fenster mit geradem oberen Abschluß, Fenster im Erker zu Dreiergruppe zusammengefaßt, straßenseitige Fenster zum großen Teil original, Oberlichte zum Teil verändert. Rückseite: verputzt, Traufgesims, eine Achse, Stirnseite des Anbaus einachsig (in den Obergeschossen ehemals Balkone), rückwärtige Fenster mit geraden und segmentbogigen oberen Abschlüssen, Fenster mit sprossengeteilten Oberlichten zum großen Teil original erhalten, Fenster im Anbau 1., 2. Ober- und Dachgeschoß erneuert, originale Hoftür zum Garten. Im Inneren original erhalten: Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen, geometrisch gemustert, dreistufige Marmortreppe, bis zu halber Höhe Wandfliesen, zum Teil Formfliesen, Wandstuck, Bogendurchgang zum Treppenhaus, Erdgeschoß mit Fliesenboden, rote Terrazzotreppe, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzo belegt, im 2. Obergeschoß originale Wohnungseingangstür, Treppenhausfenster mit sprossengeteilten Oberlichten original. In den Wohnungen: Holzdielenboden, Türen und Gewände zum Teil original erhalten.
Der rückwärtig gelegene Garten ist Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Gocher Straße wurde nach 1908 - zwölf Jahre nach der Aufgabe der Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld und der Anlage der Kempener Straße (ab 1898) anstelle der Bahntrasse, die Nippes vom Ortsteil Sechzig trennte - als Parallele zu Merheimer- und Turmstraße angelegt. Im Abschnitt zwischen Geldorp- und Simon-Meister-Straße und im Kreuzungsbereich zur Hogenbergstraße liegt das Gebäude Gocher Str. 23 im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Statteil Bilderstöckchen. Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Straße) und wurde von Nippes aus durch die Holbein- und Lohsestraße erschlossen. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Die städtebauliche Entwicklung der ehemals ländlich geprägten Teile ist in diesem Bereich eng miteinander verwoben. Die Gocher Straße im Kreuzungsbereich zur Kempener Straße ist charakterisiert durch aufwendige breitgelagerte und im Inneren großzügig dimensionierte Wohn- und Mietwohngebäude mit Betonung der Fassaden in Form von Erkern und Ziergiebeln. In der Umgebung dieses Wohnquartiers erwarben Bauunternehmer und Spekulanten zu Anfang des Jahrhunderts zahlreiche ausgedehnte Parzellen, die in den darauffolgenden Jahren (1905 - 1913) mit Mietwohngebäuden bebaut wurden (Simon-Meister-Straße, Gocher Straße, Auguststraße, Hartwichstraße, Merheimer Straße, Sechzigstraße, Ulrich-Zell-Straße). Das um 1910 errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine zeitgemäß modernen Formen verpflichtete Gestaltung mit Versatzstücken historisierender Fassadendekoration (Schmuckformen: Eingang mit von Volutenkonsolen getragener Deckplatte, Rundoberlicht, festongerahmt, profiliertes Stockwerkgesims, gekröpft, Brüstungsfelder mit Schmuckreliefs, Erker eingefaßt von Lisenen an den Kanten, Ziergiebel mit profiliertem Dreieckabschluß). Das Haus Gocher Str. 23 ist mit seinen in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhäusern (Nrn. 21 und 25) ein wichtiges Zeugnis der Erstbebauung in einem der neuen Straßenzüge des bürgerlichen Nippes nach der Jarhhundertwende. Aus städtebaulichen Gründen ist das Gebäude schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und Jugendstils bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Gocher Straße eine Abfolge nachempfundener Epochenstile sowie zeitgemäß moderner Architektur. Die aufwendigen Dekorationen zeigen sich auch im Inneren der Gebäude, insbesondere in den Entrées und Treppenhäusern. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen lassen erkennen, daß sich in der Gocher Straße eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser auch zur eigenen Nutzung errichtete. Der Wert des Gebäudes Gocher Str. 23 für die Kölner Stadtbaukultur ist unverkennbar. Aufgrund der weitgehend erhaltenen Substanz ist das Gebäude sowohl für das Erscheinungsbild der Gocher- und umgebender Straßen als auch als Dokument für die städtisch geprägte Gestaltung der gebauten Umwelt, sowie zur Veranschaulichung historischer Wohn- und Repräsentationsformen zu Anfang des 20. Jahrhundert von hoher Bedeutung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0