Wohn- u. Geschäftshaus
Kuenstraße 23 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7773 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Kuenstraße 23, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1900 bis 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.02.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1900/1905, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Treppenhausvorbau (der eingeschossige Seitenflügel wurde nachträglich angebaut).
Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, ausgebauter Spitzboden, Satteldach (nachträglich verändert), in der Mittelachse Erker auf rechteckiger Grundfläche und Ziergiebel (Aufsatz entfernt), 4 Achsen, Stuckfassade in historistischen Formen, Jugendstildetails, Erdgeschoß verändert (mit Natursteinplatten verblendet), Eingang rechts, Haustür erneuert in Metall, Ladenlokal mit großflächigen Schaufenstern, Fenster: im 1. Obergeschoß sowie die Erkerfenster mit rundbogigem oberen Abschluß, die übrigen mit flach segmentbogigem Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Einscheibenfenster, Oberlichter geschlossen).
Rückseite: Backstein (Erdgeschoß später verputzt), 3 Achsen, Treppenhausvorbau links, Zugang zum Hof mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür mit Oberlicht original, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Oberlichter geschlossen, rückwärtige Fenster erneuert (Einscheibenfenster), Treppenhausfenster zum Dachgeschoß original erhalten.
Im Inneren original erhalten: im Eingangsbereich Terrazzoboden mit Bordure und Mittelbetonung, Stuckdecke, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden, Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzo belegt, Bordure, dreiteilige, verglaste Wohnungseingangstüren der Obergeschosse mit Oberlicht original erhalten. In den Wohnungen: Holzdielenboden unter Belag (PVC, Spanplatten, im 1. Obergeschoß Parkett), alle Türen und Gewände erneuert, alle Decken abgehängt.
Der rückwärtige Garten (neu angelegt) mit altem Baumbestand ist Bestandteil des Denkmals.
Der langgestreckte eingeschossige Seitenflügel (entlang der westlichen Grundstücksbegrenzung) wurde im Nachhinein errichtet und ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt Kuenstraße 23 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche, und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29 und 20/22 und 26-40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das im Kreuzungsbereich zur Niehler Straße gelegene Gebäude Kuenstraße 23 veranschaulicht mit den sich anschließenden Nachbargebäuden das ursprüngliche Erscheinungsbild des mittelständischen Mietwohnhauses. Das Gebäude zeigt eine sehr aufwendige, reliefartig durchgebildete Dekoration der Fassade in Formen des Jugendstils (Schmuckformen: im 1. Obergeschoß Fugenschnitt, Stockwerkgesims, konsolgetragener Mittelerker mit abschließendem Ziergiebel, floraler Schmuck in den Brüstungsfeldern, Wappenschild, Abschluß mit Frauenköpfen, Ziergiebel mit seitlichen Voluten). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt. Das Fehlen eines rückwärtigen Seitenflügels mit Hofwohnungen, an dessen Stelle (ehemals) ein ausgedehnter Garten den Wohnwert der vorhandenen Mietwohnungen steigerte, verweist auf den gehobenen Wohnstandard in diesem Bereich der Kuenstraße.
Die weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustands, die reiche Gestaltung der Fassade, des Eingangsbereiches und des Treppenhauses deutet auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnerschaft.
Das Gebäude Kuenstraße 23 ist ein bedeutendes Dokument der Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0