Wohnhaus

Kuenstraße 17 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7720
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kuenstraße 17, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 14.12.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, barockisierende Fassadendetails, Eingang rechts mit segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür erneuert, reich verdachtes Oberlicht mit Doppelfenster, Fenster im Erdgeschoß mit segmentbogigem oberen Abschluß, in den Obergeschossen mit geradem oberen Abschluß, Fenster im Erdgeschoß mit sprossengeteiltem Oberlicht original erhalten, Fenster der Obergeschosse erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht), in den Obergeschossen originale Rolladenkastenverblendung in Metall.

Rückseite: Backstein, Traufgesims, rot mit Horizontalgliederungen in gelbem Stein, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel fünfachsig, im Winkel von Vorderhaus zu Seitenflügel dreiekkige Balkone, originale Balkongitter in geschmiedetem Stahl, nach Westen ausgerichtet breiter Treppengiebel in Backstein, Hofzugang mit segmentbogigem oberen Abschluß im Rücksprung, originale Hoftür, Fenster und Balkontüren mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster des Erd- und 1. Obergeschosses original erhalten (Holz, Oberlichte), im 2. Obergeschoß Fenster erneuert in Kunststoff, alle Fenster des Seitenflügels erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Im Innern original erhalten: Vestibül: Eingangsbereich: Blumenranke in gelb, in Terrazzo eingelegt, Deckenstuck, stuckierter Rundbogendurchgang zum Treppenhausflur, Treppenhaus Erdgeschoß mit Terrazzobodenbelag und Bordure in schwarz/weiß/rot, zweiter stuckierter Rundbogendurchgang auf Konsolen zum Treppenhaus.

Treppenhaus: Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Treppe zum Dachgeschoß in Holz, Podeste mit zweifarbigem Terrazzoboden, Treppenhausfenster original mit sprossengeteiltem Oberlicht, Stahlgitter erneuert, Wohnungseingangstüren original mit sprossengeteiltem Oberlicht (im 1. und 2. Obergeschoß je eine Tür erneuert).

In den Wohnungen: Holzdielenböden, in den straßenseitigen Räumen aufwendige Stuckdecken (im 2. Obergeschoß hinter abgehängten Decken), in den rückwärtigen Räumen und z.T. in den Wohnräumen des Seitenflügels sparsame Stuckdekorationen, Türen und Gewände, z.T. Flügeltüren im Erd- und 1. Obergeschoß original, im 2. Obergeschoß erneuert.

Der gemeinsam mit dem Nachbarhaus Nr. 15 gestaltete Garten ist Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29, 20/22 und 26-40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das Gebäude Kuenstraße 17 veranschaulicht mit den sich anschließenden Nachbargebäuden das ursprüngliche Erscheinungsbild des Dreifensterhauses mit weit in den Blockinnenbereich ragendem Seitenflügel und Hofwohnungen. Das Gebäude zeigt eine aufwendige Dekoration der Fassade (Schmuckformen: profilierter Abschluß des Sockels, Fugenschnitt mit Horizontalbetonung, profiliertes Stockwerkgesims, individuell gestaltete Fensterverdachungen, im Erd- und 1. Obergeschoß Volutenkeilsteine, sehr aufwendige, konsolgetragene Eingangsverdachung, im Bogenfeld doppelte Rundbogenfenster mit eingestelltem Pilaster, breitgelagerter Treppengiebel des rückwärtigen Seitenflügels). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt.

Die weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustands und die reiche Gestaltung der Interieurs, des Eingangsbereiches mit verschiedenen Materialien und aufeinander abgestimmter Farbwirkung, des Treppenhauses und der Wohnbereiche mit qualitätvollen Stuckdekorationen deutet auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnerschaft.

Das Gebäude Kuenstraße 17 ist ein bedeutendes Dokument der Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0