Wohnhaus

Kuenstraße 19 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7951
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kuenstraße 19, 50733 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.09.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1905 auf rechteckigem Grundriß mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, drei Achsen (Dreifensterhaus), Ziergiebel mit seitlicher Einfassung aus spitzwinkligen Pilastern auf Konsolen, Stuckfassade in gotisierenden Formen, Hauseingang links mit originaler Haustüre (verglast) in Eingangsnische, oberer Abschluß mit Rundfenster (Gliederung durch Fischblasenmotiv). Bis auf das EG Fenster erneuert (Kunststoff, Sprossenteilung mit Oberlicht in Anlehnung an historische Formen).

Rückseite: Backstein mit profiliertem Dachgesims, drei Geschosse, eine Achse, Treppenhaus mit erneuerten Fenstern im Rücksprung.

Am Seitenflügel: Backstein, 2 Achsen, drei Geschosse, Fenster teilweise original, auf der Nordseite spätere Balkonanbauten.

Im Inneren original erhalten: Vestibül: rechteckiges Fliesenfeld mit ornamental-vegetabilem Dekor und Bordüre, Treppenstufen aus Terrazzo, Podest: Fliesenbelag mit geometrischem Dekor, Wandsockelzone mit oberer Profilierung aus Holz (gestrichen), Deckenstuck als Mittelbetonung, Rundbogendurchgang auf Stuckkonsolen zum Treppenhaus.

Im Treppbenhausbereich: Fliesenbelag mit geometrischem Dekor, Holztreppe mit hölzernem Handlauf und Antrittspfosten (gestrichen,) Holzstufen unter Linoleumbelag (bis in das 1. OG). Im EG originale Wohnungstür.

Wohnung im 1. OG: In den straßenseitigen Räumen Deckenstuck mit Mittelbetonung und Profilen, originale Zimmertüren und Gewände. Im Treppenhaus ist zwischen 1. OG und zweiten OG die Decke abgehangen und der Zugang zu den oberen Geschossen mit Trennwänden und einer neuen Tür verschlossen.

2. OG: originale Türen und Gewände, Parkettböden.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Farbikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wonbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895 - 1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut.

Das Wohngebäude zeigt eine Fassadendekoration, die dem Historismus verpflichtet ist. Die Stuckdekoration ist sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzt (Schmuckformen: profilierter Sockelabschluß, Quaderimitation, Fensterrahmungen und Verdachungen mit profiliertem Segmentbogenabschluß und Keilsteinen (das Segementbogenmotiv wird unterhalb der Fensterbänke wieder aufgenommen), hervorkragende Stockwerkgesimse. Ab dem 1. OG vertikale Gliederung durch Pilaster mit Fugenschnitt. Dort auch dezente Mittelbetonung durch besondere Form der Fensterverdachungen und -rahmungen (1. OG Pilaster mit profilierten Kapitellen; 2. OG bis in den Ziergiebel Quaderimitation als Rahmung). Im 1. OG rechteckiges Feld mit stuckiertem Schriftband. Im Übergang zum Traufgesims durchgehender Segmentbogenfries. Ziermotive in Formen der Neogotik: Fischblasenornament über der Eingangstür, Konsolen mit Kreuzblumendekor der Fensterverdachung im 1. OG, Kielbogenabschluß mit Fiale der Fensterverdachung im 2. OG, spitzbogiger Abschluß des Ziergiebels. Durch die Mittelbetonung und die neogotischen Schmuckmotive, deren Anwendung von Geschoß zu Geschoß filigraner wirkt, entsteht der Eindruck einer Aufwärtsbewegung (ganz im Sinne der tatsächlichen Wirkungsabsicht gotischer Architektur), die schließlich im spitzbogigen Ziergiebelfeld endet. Hier ist der Kopf eines jugendlichen Engels eingefügt. Die horizontale Gliederung wird jedoch nicht vernachlässigt und kann die vertikale Bewegung durch die breiten Stockwerkgesimse wieder ausgleichen. So entsteht - auch unter konsequenter Anwendung des Dreifenstermotivs- eine symmetrisch-harmonische Fassade.

Das Gebäude Nr. 19 zählt zur Erstbebauung an der Kuenstraße aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und ist besonders auch im Ensemblezusammenhang mit den Nachbarhäusern denkmalwürdiger Teil der historischen Wohnbebauung von Nippes und unverzichtbar für die gebaute Stadtkultur in Köln.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0