Wohnhaus

Kuenstraße 21 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7984
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kuenstraße 21, 50733 Köln
Baujahr1902
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 29.10.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut 1902 (inschr. dat.), auf rechteckiger Grundfläche.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß; Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, barockisierende Fassadendetails, Ziergiebel in der Mittelachse, Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß und Rundoberlicht, Haustür erneuert, Fenster im Erdgeschoß mit rundbogigem oberen Abschluß, in den Obergeschossen mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster im Erdgeschoß und in den Obergeschossen in der Mittelachse sowie im Ziergiebel original erhalten, in den äußeren Achsen erneuert.

Rückseite: Backstein, Traufgesims, 4 Achsen, Balkone in der Mittelnische, originale geschmiedete Stahlgeländer, Hofzugang mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür erneuert, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster z.T. erhalten, Treppenhausfenster original.

Im Inneren original erhalten: im Eingangsbereich mehrfarbige Bodenfliesen, fünfstufige Marmortreppe, Stuckprofilleiste in halber Höhe, Stuckdecke, Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, Treppenhaus: mehrfarbige Bodenfliesen mit aufwendigem geometrischen Muster und Bordure, Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzobodenbelag und Bordure, Wohnungseingangstüren erneuert, sprossengeteilte Rundbogenoberlichte original. In den Wohnungen: Holzdielenboden (z.T. unter PVC-Belag), Türen und Gewände im 1. Obergeschoß vollständig, in den übrigen Wohnungen z.T. original, im 1. Obergeschoß Stuckdecken in den straßenseitigen Räumen, weitere z.T. beschädigt.

Der rückwärtige Garten mit Einfriedungsmauer in Backstein und geschmiedetem Stahlgitter parallel zur Rückfassade ist Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche, und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29 und 20/22 und 26-40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist.

Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das im Kreuzungsbereich zur Niehler Straße gelegene Gebäude Kuenstraße 21 veranschaulicht mit den sich anschließenden Nachbargebäuden das ursprüngliche Erscheinungsbild des mittelständischen Mietwohnhauses. Das Gebäude zeigt eine sehr aufwendige, reliefartig durchgebildete Dekoration der breiten Fassade in Formen des Jugendstils (Schmuckformen: Gliederung der Obergeschosse durch gebündelte Wandvorlagen in Art einer Großordnung mit abschließender Kapitellplastik im Relief, kräftiger Fugenschnitt, Stockwerkgesims, im Erdgeschoß Rundbogenfenster und -tür mit flankierenden eingestellten Rundpilastern und Rundstäben, in der Belétage außen waagrechte profilierte Verdachungen, in der Mittelachse Dreieckgiebelverdachung über paarweise zusammengefaßten Fenstern, im Bogenfeld Kartusche mit Blattwerk, im 2. Obergeschoß dekorative Keilsteine, Konsoltraufgesims, in der Mittelachse am erkerartigen Vorbau, der den Ziergiebel trägt, gekröpft, Ziergiebel auf Podesten, Dreieckverdachung). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt. Das Fehlen eines rückwärtigen Seitenflügels mit Hofwohnungen, an dessen Stelle ein ausgedehnter Garten den Wohnwert der vorhandenen Mietwohnungen steigert, verweist auf den gehobenen Wohnstandard in diesem Bereich der Kuenstraße.

Die weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustands, die reiche Gestaltung der Fassade, des Eingangsbereiches und des Treppenhauses und der Interieurs deuten auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnerschaft.

Das Gebäude Kuenstraße 21 ist ein bedeutendes Dokument der Kölner Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0