Wohnhaus

Kuenstraße 30 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7798
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kuenstraße 30, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.03.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, Dachgaupen mit profiliertem Bogenabschluß, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, konsolgetragener Erker auf rechteckiger Grundfläche, hoher Ziergiebel in der Erkerachse, Eingang links mit bogenförmigem oberen Abschluß und Oberlicht in Bogenform, Haustür und Oberlicht original, Holz, verglast, Fenster mit geradem bzw. segmentbogigem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert, im Erdgeschoß Oberlichte z.T. geschlossen (Kunststoff, eingelegte Sprossen).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel zweiachsig, Balkone auf nachträglich angebrachten Stahlträgern, originale geschmiedete Stahlgeländer, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Oberlichte im Erdgeschoß z.T. geschlossen, rückwärtige Fenster erneuert (Kunststoff), Treppenhausfenster z.T. original erhalten.

Im Inneren original erhalten: Vestibül: bis zu halber Höhe Marmorwandplatten mit Bordure in rot, Gewölbedecke mit Gurten, Deckenstuck, stuckierter Bogendurchgang zum Treppenhaus: Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzobodenbelag, Bordure, alle Wohnungseingangstüren erneuert, Oberlichte durch Glasbausteine geschlossen, originale Kellertür. In den Wohnungen: Holzdielenböden, im 1. Obergeschoß originale Türen und Gewände sowie Deckenstuck, in den weiteren Wohnungen Reste von Deckenstuck hinter abgehängten Decken.

Der rückwärtige Garten einschließlich der Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt ist Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler- und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen, älteren Stadtteil von Nippes mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren um die Jahrhundertwende (1895-1904) erschlossenen rasterähnlichen, in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße, wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts bebaut. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das genannte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Gebäuden Nrn. 7-29, 20/22 und 26-40 eine fast ununterbrochene Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus bildet und innerhalb des Ensembles unverzichtbar ist. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das Gebäude Kuenstraße 30 veranschaulicht mit dem sich anschließenden, eine spiegelbildliche gestalterische Einheit bildenden Nachbargebäude Nr. 28 das ursprüngliche Erscheinungsbild des breitgelagerten Wohngebäudes mit in den Blockinnenbereich ragenden Anbauten und Hofwohnungen. Das Gebäude zeigt eine aufwendige Dekoration der Fassade mit Jugendstilmotiven (Schmuckformen: Fugenschnitt, Einfassung des Oberlichts durch Blattwerkschmuck, Stockwerkgesims, am Erker gekröpft, Brüstungsbereiche mit Blattwerk in Verbindung mit einem durchlaufenden Fries, Fassung des Erkers durch Lisenengliederung, reich dekoriertes Bogenfeld, Bogenabschluß, Fensterverdachungen mit Einschluß von Wappenschilden, Traufzone mit Fries von geometrisch-floralem Zierrat, Ziergiebel mit profiliertem Bogenabschluß, im Bogenfeld symmetrisch angeordnete Bandornamentik mit Frauenhaupt). Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt.

Die weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustands der straßenseitigen und rückwärtigen Fassaden, des Eingangsbereiches und des Treppenhauses deutet auf eine repräsentationsbewußte Bauherren- und Bewohnerschaft. Das Gebäude Kuenstraße 30 ist ein bedeutendes Dokument der Nippeser Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt erhaltenswert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0