Wohnhaus

Bodinusstraße 4 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7854
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Bodinusstraße 4, 50735 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 03.05.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1910, auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten (einheitliche und spiegelbildliche Gestaltung mit dem Nachbarhaus Nr. 6).

Fassade: 2 Geschosse (nachträglicher Ausbau des Dachgeschosses links, einheitlich mit dem Nachbarhaus); Mansardgiebeldach, 3 Achsen, scharrierte Werksteinfassade in Formen des Klassizismus, Mittelrisalit auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon (erneuert), im Bauverband zum Risalit eingeschossiger Eingangsvorbau links, Rundbogeneingang, links, Oberlicht, Haustür mit sprossengeteiltem Oberlicht erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, zu Dreiergruppen zusammengefaßt, alle straßenseitigen Fenster erneuert, Holz, Einscheibenfenster mit Oberlichten.

Rückseite: verputzt, 2 Achsen, Erdgeschoßterrasse, gemauerte und verputzte Terrassenbrüstung, Gartentreppe, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff).

Im Inneren: keine Originalsubstanz.

Gestaltung von Eingangsbereich und Treppenhaus aus der Nachkriegszeit: Terrazzotreppe, Geländer und Handlauf in Metall.

In den Wohnungen: keine Originalsubstanz.

Gestaltung der Nachkriegszeit: Fußböden in Linoleum und Parkett, Türen und Gewände erneuert. Im Keller allerdings originaler Terrazzobodenbelag mit Bordure.

Der straßenseitige Ziergarten (Einfriedung als kniehohe verputzte Mauer, Pfeiler, Metallgitter erneuert) und der rückwärtig gelegene Garten mit Einfriedungsmauer nach Norden sind Bestandteil des Denkmals.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden Wohnbauten und Gruppenbauten Am Botanischen Garten und angrenzender Querstraßen an. Das Wohnviertel um den Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die baumbestandene Bodinusstraße, die direkt auf den Eingang zum Botanischen Garten zuführt, charakterisieren großzügig dimensionierte und reich dekorierte Wohngebäude aus der späten Gründerzeit. Die im Kreuzungsbereich Bodinusstraße/Am Botanischen Garten gelegenen Gebäude Nr. 4 und 6 sind ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Wohnbauten des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts. Die Gebäude bilden ein Ensemble, die spiegelbildliche Behandlung der Schauseiten mit Risalitvorbauten und Lisenengliederung in Art einer Großform und die zu Gruppen zusammengefaßten gestreckten Fensteröffnungen geben den Schauseiten in scharriertem Naturstein und Quadermauerwerk eine dekorativ-vornehme Wirkung. Die Gebäudegruppe (die einzige in der Bodinusstraße einheitlch geplante und ausgeführte Doppelanlage) erscheint als großkomponierte, lebhaft gegliederte Einheit und weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Das in den 1910er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen. Die Dachlandschaft faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der straßenseitige Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern an der Bodinusstraße gestaltete Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Weitere Gebäude der Straße haben ihre ursprüngliche Gestalt der Zeit nach der Jahrhundertwende bewahrt (Bodinusstr. 7, Nrn. 8 und 10 mit zum Teil purifizierten Fassaden; Am Botanischen Garten 28 - 34), erscheinen als Nachkriegsneubauten (Nr. 3) oder als Neubauten der jüngsten Zeit (fünfgeschossiges Appartmenthaus an der Kreuzung zur Stammheimer Straße). Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands (die Gestaltung der Dachansatz-/Dachzone wurde zum Teil verändert), insbesondere der straßenseitigen Schauseite, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Stilformen offenbart, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Bodinusstraße und Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Die Wohnhausgruppe Bodinusstr. 4/6 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der - dem Stil des Klassizismus verpflichteten - Kölner Baukultur.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0