Wohnhaus
Bodinusstraße 6 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7838 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Bodinusstraße 6, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.04.1996 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1910, auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten (einheitliche und spiegelbildliche Gestaltung mit dem Nachbarhaus Nr. 4).
Fassade: 2 Geschosse (nachträglich ausgebautes Dachgeschoß); Satteldach, 3 Achsen, scharrierte Werksteinfassade in Formen des Klassizismus, Mittelrisalit auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon (erneuert), im Bauverband zum Risalit eingeschossiger Eingangsvorbau rechts, links Souterraingarage, Rundbogeneingang, rechts, Oberlicht, Haustür mit Oberlicht erneuert, Buntglasscheiben, Fenster mit geradem oberen Abschluß, zu Dreiergruppen zusammengefaßt, alle straßenseitigen Fenster erneuert, Holz, Oberlichte, Sprossenteilung.
Rückseite: verputzt, 2 Achsen, Erdgeschoßterrasse, gemauerte und verputzte Brüstung, Balkon im 1. Obergeschoß auf Metallstütze, gemauerte und verputzte Brüstung, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert, Hoftür mit geradem oberen Abschluß, Metalltür erneuert.
Im Inneren original erhalten: keine Originalsubstanz. Gestaltung von Eingangsbereich und Treppenhaus aus der Nachkriegszeit: Solnhofer Bodenplatten, Terrazzotreppe, Geländer in Metall, Handlauf Mipolam, Podeste mit Terrazzo belegt. In den Wohnungen: Gestaltung der Nachkriegszeit: Diele: Solnhofer Bodenplatten, Fußböden zum Teil in Parkett, Türen und Gewände erneuert.
Der straßenseitige Ziergarten (Einfriedung als kniehohe verputzte Mauer, Pfeiler, Metallgitter erneuert) und der rückwärtig gelegene Garten mit Einfriedungsmauer nach Norden und Westen sind Bestandteil des Denkmals.
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Kriegs fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ekke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden Wohnbauten und Gruppenbauten Am Botanischen Garten und angrenzender Querstraßen an. Das Wohnviertel um den Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die baumbestandene Bodinusstraße, die direkt auf den Einang zum Botanischen Garten zuführt, charakterisieren großzügig dimensionierte und reich dekorierte Wohngebäude aus der späten Gründerzeit. Die im Kreuzungsbereich Bodinusstraße/Am Botanischen Garten gelegenen Gebäude Nr. 4 und 6 sind ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Wohnbauten des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts. Die Gebäude bilden ein Ensemble, die spiegelbildliche Behandlung der Schauseiten mit Risalitvorbauten und Lisenengliederung in Art einer Großform und die zu Gruppen zusammengefaßten gestreckten Fensteröffnungen geben den Schauseiten in scharriertem Naturstein und Quadermauerwerk eine dekorativ-vornehme Wirkung. Das Gebäude (die einzige in der Bodinusstraße einheitlich geplante und ausgeführte Doppelanlage) erscheint als großkomponierte, lebhaft gegliederte Einheit und weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Das in den 1910er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen. Die Dachlandschaft faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der straßenseitige Ziergarten. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern an der Bodinusstraße gestaltete Anlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Weitere Gebäude der Straße haben ihre ursprüngliche Gestalt der Zeit nach der Jahrhundertwende bewahrt (Bodinusstr. 4, 7 Nrn. 8 und 10 mit zum Teil purifizierten Fassaden; Am Botanischen Garten 28 - 34), erscheinen als Nachkriegsneubauten (Nr. 3) oder als Neubauten der jüngsten Zeit (Appartmenthaus an der Kreuzung zur Stammheimer Straße). Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands (die Gestaltung der Dachansatz-/Dachzone wurde verändert), insbesondere der straßenseitigen Schauseite, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Bodinusstraße und Am Botanischen Garten und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Die Wohnhausgruppe Bodinusstraße 6/4 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der - dem Stil des Klassizismus verpflichteten - Kölner Baukultur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0