Wohnhaus

Bodinusstraße 7 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7866
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Bodinusstraße 7, 50735 Köln
Baujahrum 1929 bis 1930
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.05.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1929/30, Eckgebäude zu Am Botanischen Garten auf unregelmäßigem Grundriß mit Vorbauten; im Bauverband mit Bodinusstr. 5.

Fassaden: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, schiefergedecktes Mansardwalmdach und Walmdach, weißgestrichene Putzfassade mit Gliederungselementen im Stil der zeitgenössischen Moderne (geometrisch-dekorative Fassadendetails), umlaufender Sockel aus vorgeblendeten roten Backsteinen. Hauptfassade an der Bodinusstraße: Risalit (links) im Risalitsouterrain Garageneinbau, daran anschließend Parterreerker mit Balkon (gemauerte, verputzte Brüstung), im Erker Eingangsnische mit sechsstufiger Freitreppe (die Gewände der Nische sind horizontal scharriert). Originale Eingangstüre mit Oberlicht und geschmiedeter Eisenvergitterung. Alle Fenster und Türen der Fassade (originale Balkontür mit Sprossenteilung) mit geradem oberen Abschluß. Teilweise Holzfenster mit originaler Sprossengliederung. Neben der Haustür vergittertes Rhombenfenster (so auch im Obergeschoß, bzw. an der Erkersüdseite im Erdgeschoß); im Risalitparterre dreigeteiltes Fenster.

Seitliche Fassade: rechteckiger Erker mit Balkon (eisernes Balkongitter). Der Erker wird von zwei Einscheibenfenstern symmetrisch flankiert und zeigt horizontal aufgelegten Fassadenschmuck im Sohlbank und Kämpferbereich.

Rückseite: 2 Achsen, großes 3-teiliges Gartenfenster mit Gartentür (nachträglich verändert) im Erdgeschoß, davor Treppe. Neben dem vorspringenden rückwärtigen Gebäudeteil, Balkon durch einen Backsteinpfeiler gestützt. Balkon überdacht teilweise die rechts liegende Terrasse. Die Gliederung mit vorgeblendeten Backsteinen und Putzfassade bestimmt auch die Nordwand des an den Garten anschließenden Hauses Am Botnischen Garten 18.

Inneres: Im Eingangsbereich Treppe verändert, eingezogene Decke, Originalausstattung verloren. Bodenfliesen aus Naturstein mit roter Bordüre. Im Obergeschoß Reste der Stuckdekkenprofile.

Garten: straßenseitiger Vorgarten mit originaler Einfriedung; großes rechteckiges Gartenstück an der Rückseite des Hauses. Backsteinmauer als Einfriedung mit aufsitzendem originalem Eisengitter (dazugehörige Eingangstore), dazwischen in regelmäßigen Abständen Pfeiler. Mauer mit Rundung dem Straßenverlauf angepaßt, im letzten Abschnitt Am Botanischen Garten verändert: Gitterbereich mit Backsteinen vermauert.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botnische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden Wohnbauten und Gruppenbauten Am Botanischen Garten und angrenzender Querstraßen an. Das Wohnviertel um den Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die baumbestandene Bodinusstraße, die direkt auf den Eingang zum Botanischen Garten zuführt, charakterisieren großzügig dimensionierte und reich dekorierte Wohngebäude aus der späten Gründerzeit. Das im Kreuzungsbereich Bodinusstraße/Am Botanischen Garten gelegene Gebäude ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Wohnbauten der späten zwanziger/früher dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts.

Das ehemalige Einfamilienhaus korrespondiert in seiner Grundrißgestalt und zurückspringenden Fassade mit dem gegenüberliegenden Eckgebäude Bodinusstr. 10, als auch im Bezug auf die Zweigeschossigkeit mit den benachbarten Häusern der Baugruppe Am Botanischen Garten 15 - 17. Zeigt das Eckgebäude Bodinusstr. 10 einen symmetrischen Aufbau, so handelt es sich beim Haus Bodinusstr. 7 um einen horizontal gestaffelten Baukörper. Dessen hinter den Parterreerker zurückspringende Fassade und die originale, gerundete Einfriedung des Gartens passen sich dem Straßenverlauf an und bieten eine optisch reizvolle Ecklösung. Der an das Grundstück Bodinusstr. 5 unmittelbar anschließende Risalit des Hauses führt das Mansardwalmdach von Nr. 5 auf gleicher Höhe weiter und fügt so die beiden Wohnhäuser, trotz unterschiedlicher Stilauffassung zu einer organisch-harmonischen Einheit zusammen. Das großzügig gestaltete Haus mit einer Fassadengliederung durch abwechslungsreiche Fenstersetzung, mit drei unterschiedlich großen Balkonen bzw. Erkern und der Gartenanlage kann dadurch als Wohnhaus in Villenbauweise definiert werden. Der weitgehende Verzicht auf Bauschmuck, die rechteckigen Fenster mit geradem Abschluß, die strengen kubischen Formen der gestaffelten Baumasse weisen auf zeitgenössische Tendenzen des "Neuen Bauens" der Zwanziger Jahre, ohne jedoch durch das Walmdach die traditionellen Bauformen des Straßenzuges zu verleugnen. Das Objekt Bodinusstr. 7 dokumentiert gut die Bauaufgabe eines bürgerlichen Stadtwohnhauses in Villenbauweise. Das Einfamilienhaus ist als gebautes Zeugnis der Architektur der Zwanziger/Anfang Dreißiger Jahre ein schützenswertes Gebäude in Riehl und unverzichtbarer Bestandteil der Baukultur dieser Zeit in Köln.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0