Wohnhaus
Volksgartenstraße 42 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7962 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Volksgartenstraße 42, 50677 Köln |
| Baujahr | um 1892 bis 1893 |
| Architekt / Planung | Heinrich Johann Wiethase |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.09.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Erbaut um 1892/93; Architekt: vermutlich Heinrich Johann Wiethase; zweigeschossige Halbvilla mit Souterrain und ausgebautem Dach (zweigeschossig); Putzfassaden mit Stuckgliederung im stil der Neo-Gotik (aufgeputzte Quaderstruktur; Fensterformen, teilweise mit stilisiertem Maßwerk; Balkonbrüstungen mit Maßwerk; dreipaßförmiger Abschlußfries; kielbogenförmige Fensterbekrönung im OG rechts).
Straßenansicht: 3 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch Balkon (OG rechts) und schlanken, polygonalen Eckturm (stark durchfenstert) links; EG mit Terrasse (über vorgezogenem und durch Bogenstellungen geöffnetem Souterrain); Fenster original (im EG mit Beschlägen, im OG teilweise mit Beschlägen); Fenstertüren im EG/1.OG und Fenster im DG (großflächige Holzfenster, Dachflächenfenster) erneuert.
Seitenansicht: mittig vorgestufter Treppenhaustrakt (Fenster entfernt, nachträglich durch Glasbausteine in voller Höhe des Treppenhauses ersetzt); Eingangstreppe und -verdachung erneuert; eine neue Souterraintür.
Rückansicht: 2 Achsen; Wintergarten links erneuert (Alu), rechts original (mit Balkongitter; Dach erneuert); nachträgliche Schließung des Freiraums unter halb des Wintergartens; erneuerte Souterrainfenster; originale Fenster im OG (Oberlichter nachräglich verändert; Küchenfenster mit Beschlag).
Innen original: Entree: Stufen mit Marmorbelag; schmiedeeisernes Geländer mit teilweise geschnitztem Handlauf ins EG; Treppenhaus: hölzerne Treppenanlage (reich gestalteter Antrittspfosten, Geländerstäbe bis ins OG); Podeste mit Parkettbelag; Treppe ins Souterrain mit Belag aus belgischem Granit; Souterrain: Grundriß; Tiefkeller: Grundriß; EG: Grundriß (außer Einbau eines zusätzlichen rückwärtigen Badezimmers); Gartenzimmer mit reich gestalteter Stuckdecke (große Rosette, Deckenspiegel, rahmender Konsolfries) und Parkettboden; Straßenzimmer rechts mit reichem Deckenstuck (figürliche Stuckelemente in Anlehnung an Rokokoausstattungen; mittiges Sonnenmotiv) und Parkettboden; Straßenzimmer links mit profilierter Stuckleiste/floralem Ornament und Parkettboden; OG: Grundriß (außer Verlegung des Badezimmers in den Eckbereich); nur z.T Parkett (teilweise beschädigt).
Veränderungen: Fassade: straßenseitiger Giebelaufsatz und Dachhäuschen nachträglich entfernt und durch breitgelagerte Gaube (verschiefert) ersetzt; Turmhaube verändert wiederaufgebaut; Treppenhaus: Einbau von Glasbausteinen (späte 60er Jahre); EG: Badezimmereinbau; OG: komplett neue Zimmertüren; abgehängte Decken; unteres DG: Treppenzugang verlegt, Treppe erneuert; Grundriß verändert (u.a. Zugang zum Ecktürmchen geschlossen, nachträglicher Badezimmereinbau); Podeste eingezogen; Wohnungstür erneuert; oberes DG: erneuerte Treppe; Grundriß nach Kriegsschaden völlig verändert (ursprünglich Speicher, jetzt zu Wohnraum umgenutzt); Zimmertüren und Fenster erneuert.
Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit originaler Einfriedung (verputzter Sockel mit Metallgeländer), die seitliche und rückwärtige Einfassungsmauer (verputzt; mit Vorlagen, Pfeilern und Krone). Nicht Bestandteile des Denkmals sind die Garage und die rückwärtige Hofüberdachung.
Die Kölner Neustadt wurde als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit 1880 von Josef Stübben geplant und seit 1881 von ihm ausgeführt. Diese sich halbkreisförmig um die Altstadt legende Bebauungszone wird wesentlich durch die sogenannten "Ringe" geprägt. Auf diesen Prachtboulevard wurden alle städtebaulichen Planungen der Neustadt mit ihren Straßen, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen ausgerichtet. In diesem städtebaulichen Zusammenhang kommt der Volksgartenstraße eine besondere Bedeutung zu, da sie, parallel zum Sachsenring verlaufend, die Verbindung zwischen dem sternförmig angelegtem Eifelplatz - eine stadtteilprägende städtebauliche Form -, der Vorgebirgsstraße und dem Martin-Luther-Platz herstellt.
Ein weiteres Anliegen der neustädtischen Planung war die Durchgrünung der neuen Stadtquartiere, wofür die Volksgartenstraße, die in Einheit mit der anschließenden Roland- und der Teutoburger Straße eine Grünachse paralle zu den Ringen bildet, ein typisches Beispiel ist.
Die Bebauung der Volksgartenstraße war im Bereich zwischen der Vorgebirgsstraße und dem Eifelplatz, in unmittelbarer Nähe des Volksgartens, ursprünglich durch große Doppelvillen geprägt, die diesen Teil der Volksgartenstraße als zu den "herrschaftlichen bis gutbürgerlichen" Wohngegenden (wie u.a. auch das "Gerichtsviertel" und das "Belgische Viertel") gehörend charakterisiert, die durch ausgesprochen repräsentative Bauten geprägt sind.
Das o.g. Objekt, das mit dem Haus Nr. 40 eine bauliche Einheit bildet, ist durch eine aufwendige Gestaltung der Groß- und Detailformen charakterisiert, die den gehobenen Anspruch der Bauherrenschaft an die Gestaltung der Gebäude dokumentiert. Architektur- und Schmuckelemente sind in diesem Fall Stilformen der Gotik verpflichtet (Kielbogenfenster im OG rechts; Maßwerkgliederungen der Brüstungen; Dreipaßrahmung als oberer Fassadenabschluß). Dieser Rückgriff auf einen historischen Baustil ist typisch für die Architekturauffassung der Gründerzeit, die deshalb auch als Historismus bezeichnet wird.
Einer der damals bekanntesten Kölner Architekten, die im Stil der Neugotik bauten, war Heinrich Johann Wiethase (9.8.1833 Kassel - 7.12.1893 Köln). Er hatte in Köln bei Vincenz Statz, Julius Raschdorff und Friedrich (von) Schmidt gearbeitet, bevor er ab 1863 als Privatbaumeister tätig war. Unter Raschdorff war er u.a. 1855-57 am Umbau des Gürzenich beteiligt. Als Privatbaumeister errichtete er dann eine Vielzahl von Sakral-, Profan- und Wohnbauten, u.a. sein eigenes Wohnhaus am Perlengraben (1866/67), die Gebäude Kaiser-Wilhelm-Ring 3-5 (1886/87, in Zusammenarbeit mit Wilhelm Gärtner), Heumarkt 43-47 (1892/93, Haus Dr. Otto) und die Villa Berentzen (Zuschreibung) in Marienburg (Kastanienallee 3, erbaut 1888).
Als typisch für die Bauten Wiethases ist eine markante Eckbetonung durch turmartige Vorbauten mit hochaufragenden Bedachungen zu nennen. Diese Vorbauten sind oft stark durchfenstert, was eine optisch qualitätvolle Eckauflösung bedingt. Auch die hohen Sockel- bzw. Souterraingeschosse und die konsequent angewandte neugotische Stuckgliederung lassen bei dem o.g. Objekt auf einen Entwurf Wiethases schließen, zumal zu dieser Zeit kaum ein anderer Architekt derart qualitätvolle neugotische Bauten in Köln errichtete.
Mit der angrenzenden Halbvilla Nr. 40 korrespondiert das Gebäude in Höhe, Proportion, Bau- und Dekorformen und bildet mit diesem eine gestalterische Einheit. Die auffälligsten Merkmale sind die markanten Eckbetonungen in Form turmartiger Akzente, die den Bauten einen als mittelalterlich empfundenen wehrhaften Charakter verleihen. Die an der Gotik orientierte Gestaltung wird vom Architekten im Rahmen einer repräsentativen Stadtvilla umgewertet und zeittypisch zur Gliederung der Baumassen eingesetzt. Im Gebäudeinnern belegt das großzügige Treppenhaus mit gedrechseltem Geländer und Antrittspfosten und die reich stuckierten EG-Räume den repräsentativen Charakter der Villa.
Die Gebäude Volksgartenstr. 40 und 42 bilden die einzig erhaltene Doppelvilla entlang der Volksgartenstraße, die ursprünglich durch diese repräsentative Großform zwischen Vorgebirgsstraße und Eifelplatz - alte Ansichten belegen dies - in ihrem gehobenen Wohnanspruch charakterisiert wurde. Einzig die erhaltenen Halbvillen Nr. 34 und 36 sind neben der Nr. 40 mit dem o.g. Objekt vergleichbar und bilden gemeinsam ein Ensemble von repräsentativem Charakter, das die ursprüngliche Bebauung auch heute noch erlebbar macht und als bauliches Dokument großbürgerlichen Wohnens unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0