Halbvilla

Volksgartenstraße 36 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7993
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHalbvilla
Adresse Volksgartenstraße 36, 50677 Köln
Baujahrum 1896 bis 1898
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 29.10.1996
Stadtteil Neustadt/Süd

Erbaut um 1896/98; zweigeschossige Halbvilla mit Souterrain, Mezzanin und Blend-Attika; kubischer Baukörper mit reich gegliederter Stuckfassade im Stil der italienischen Neurenaissance.

Straßenansicht: 5 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch risalitartig vorgestufte Mittelachse und eingeschossigen Standerker mit Balkon (im EG ursprünglich vermutlich offen); Horizontalgliederung durch unterschiedlich profilierte Stockwerksgesimse; nach Stockwerken variierende Wandgestaltung: Souterrain: profilierte Lagerfugen; aufgeputztes Rustika-Imitat über glatt geputztem Sockel; Fenstervergitterungen original; EG: stark profilierte Lagerfugen; profilierte Fensterbrüstungen; Keilsteine mit Löwenköpfen; Standerker mit Pilastergliederung (Kompositkapitelle); Geschoßgesims mit Konsolfries; OG: aufgeputzte Lagerfugen; Mittelachse und Gebäudekanten mit rustizierter Quaderstruktur; profilierte Fensterrahmungen mit aufwendig gestalteten Fensterbrüstungen (schildartiges Ornament) und Verdachungen; Mittelachse mit Fenstertür, von Halbsäulen mit Kompositkapitellen gerahmt; ornamentiertes Rundbogenfeld über der Tür; Mezzanin: aufwendig stuckierte Wandfelder mit figural-floralem Friesband; Mittelachse mit aufwendig gearbeitetem Figurenfries; darüber Klötzchenfries und Konsolgesims; Attikageschoß: handelt sich vermutlich um eine vorgeblendete Wandscheibe; glatt verputzt; leicht profiliert; in der Mittelachse aufwendig gestaltetes heraldisches Motiv (von zwei Löwen gehalteneer Wappenschild), durch Giebelfeld überhöht; Fenster erneuert (profilierte Kreuzstockfenster in Holz im EG/OG in Anpassung an das Original, Einscheibenfenster im Souterrain und Mezzanin.

Seitenansicht: 4 Achsen, Mitte rechts vorgestufter Treppenhaustrakt; stark profiliertes Geschoß- und Traufgesims (identisch mit der Straßenfront); Souterrain: profilierte Lagerfugen; bossiertes Rustika-Imitat über glatt geputztem Sockel; Souterrainfenster rechts mit originaler schmiedeeiserner Vergitterung; originale Zugangstür; EG: stark profilierte Lagerfugen; EG-Fenster mit Keilstein (mit Löwenmaske); Fenster rechts geschlossen und verputzt (Lamellenstruktur); originale Eingangstür; OG: aufgeputzte Quaderstruktur; rustizierte Eckbetonung; OG-Fenster ädikula-artig gerahmt und reich stukkiert (eierstabgerahmt, Verdachungen mit Pilasterteilstücken, Sturzfeld mit Fruchtgehänge und vollplastischem Kopf); rechtes und linkes Fenster geschlossen und verputzt (Lamellenstruktur); Treppenhaustrakt: gleiche Wandgliederung wie Seitenfront; korbbogenförmige, profilierte Fensteröffnungen; Fenster erneuert (Holz, dreigeteilt mit Oberlicht).

Rückansicht: Souterrain: aufgeputzte Lagerfugen, Eckbetonung links durch profilierte Quaderstruktur; rechts halbrund ausschwingendem Vorbau (im EG als Terrasse genutzt) mit 2 Kielbogenfenstern; 3 Fenster links (2 mit originalen Vergitterungen); Fenster komplett erneuert; Souterrainzugang erneuert, von Glasbausteinen flankiert; originale, ornamentierte Konsole im Eingangsbereich; EG: Terrasse rechts (mit Metallgeländer); glatt verputzter Vorbau (Putz erneuert); seitlich links profilierte Lagerfugen; profilierte Fensterstürze; Fenster/Fenstertüren erneuert; OG: 2 profilierte Fensterrahmungen mit Stichbögen links, rechts Fenstertüt mit flankierenden Fenstern (gerade Stürze, profilierte Rahmungen).

Innen original: reiche Innenausstattung, u.a.: Entree: aufgeputzte Wandspiegel und Arkatur; Sockel profiliert (Holzverkleidung); Konsolfries mit Puttenköpfen; Bodenbelag aus Marmor, seitlich mit belgischem Granit; rundbogiger Durchgang (stark profiliert) mit einer Stuckmarmorsäule; Wohnungszugang EG durch nachträglich eingezogene Wand verändert.

Bestandteile des Denkmals sind auch der teilweise erhaltene Vorgarten, die seitliche Einfassungsmauer (verputzt; mit Vorlagen und profilierter Krone, teilweise neu aufgemauert; teilweise erhaltene pyramidale Aufsätze) und der alte Baumbestand. Nicht Bestandteil des Denkmals ist die straßenseitige Einfriedung (nachträglich erneuert) und die rückwärtige, flachere Mauer (vermutlich später errichtet).

Die Kölner Neustadt wurde als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit 1880 von Josef Stübben geplant und seit 1881 von ihm ausgeführt. Diese sich halbkreisförmig um die Altstadt legende Bebauungszone wird wesentlich durch die sogenannten "Ringe" geprägt. Auf diesen Prachtboulevard wurden alle städtebaulichen Planungen der Neustadt mit ihren Straßen, öffentlichen Plätzen und Grünanlagen ausgerichtet. In diesem städtebaulichen Zusammenhang kommt der Volksgartenstraße eine besondere Bedeutung zu, da sie, parallel zum Sachsenring verlaufend, die Verbindung zwischen dem sternförmig angelegtem Eifelplatz, der eine stadtteilprägende städtebauliche Funktion hat, der Vorgebirgsstraße und dem Martin-Luther-Platz herstellt.

Ein weiteres Anliegen der neustädtischen Planung war die Durchgrünung der neuen Stadtquartiere, wofür die Volksgartenstraße, die in Einheit mit der anschließenden Roland- und der Teutoburger Straße eine Grünachse paralle zu den Ringen bildet, ein typisches Beispiel ist.

Die Bebauung der Volksgartenstraße war im Bereich zwischen der Vorgebirgsstraße und dem Eifelplatz, in unmittelbarer Nähe des Volksgartens, ursprünglich durch große Doppelvillen geprägt, die diesen Teil der Volksgartenstraße als zu den "herrschaftlichen bis gutbürgerlichen" Wohngegenden (wie u.a. auch das "Gerichtsviertel" und das "Belgische Viertel") gehörend charakterisiert, die durch ausgesprochen repräsentative Bauten geprägt sind.

Das o.g. Objekt ist durch eine ausgesprochen aufwendige Gestaltung der Groß- und Detailformen charakterisiert, die den gehobenen Anspruch der Bauherrenschaft an die Gestaltung des Gebäudes dokumentiert. Architektur- und Schmuckelemente sind bei dem o.g. Objekt Stilformen der Neurenaissance verpflichtet. Dieser Rückgriff auf einen historischen Baustil ist typisch für die Architekturauffassung der Gründerzeit, die deshalb auch als Historismus bezeichnet wird.

In den 1860er Jahren enstanden in Köln erste Wohnhäuser im Stil der Neurenaissance, deren bedeutendster Architekt Hermann Otto Pflaume (1830-1901) war. Der Baustil der Neurenaissance war, ähnlich wie der der Neugotik (Volksgartenstr. 40 und 42), auf einen kleinen Personenkreis beschränkt, der sich in der Hauptsache aus dem Geldadel, Bankiers, Fabrikanten und Unternehmern zusammensetzte. Ansehen und Macht ihrer Funktion sah dieser Bauherrenkreis im Stil der Neurenaissance am besten ausgedrückt. Die historische Verbindung mit den großen Stadtpalästen der Strozzi und Medici in Florenz, die zu den führenden Bankhäusern der Renaissance zählen, war für die Wahl dieses Baustils mitbestimmend.

Ein weiteres wesentliches, die Neurenaissance charakterisierendes Merkmal ist die Idee vom luxuriösen und komfortablen Wohnen. Hier gibt es eine Entwicklungslinie die sich aus der Antike über die Renaissance bis zur Architektur der Neurenaissance nachweisen läßt.

Als wesentlich für die Neurenaissance, der die italienische Renaissance gewissermaßen als "Vorbild" galt, ist festzuhalten, daß es bei aller Ähnlichkeit der Bauten des 19. Jh. mit denen der Renaissance kein Haus gibt und kaum ein Detail, das sich direkt von einem Vorbild ableiten läßt.

So bleibt die Architektur der Neurenaissance, und das gilt ganz besonders für das o.g. Objekt, eine Neuschöpfung aus dem Geist der Zeit.

Die Fassade ist von Geschoß zu Geschoß variabel gestaltet: das Souterrain mit einer Art bossierten Oberfläche wirkt dabei optisch als Sockelgeschoß über dem sich das stark profilierte EG erhebt, das in der Mittelachse durch einen harmonisch gegliederten ehemaligen Wintergarten betont wird. Das OG wird mittig durch eine ädikula-artige Fensterrahmungen und seitlich durch profilierte Fensterrahmungen mit ausgesprochen qualitätvollen Stukkaturen charakterisiert. Das flache Mezzanin ist dann ausschließlich figurativ-floral stukkiert, wobei der Mittelzone eine besondere, im einzelnen noch zu beschreibende Funktion zukommt.

Bezogen auf die aufwendigen Stukkaturen lassen sich eine Vielzahl von Einflüssen der Neurenaissance nachweisen. So sind die Löwenköpfe der Keilsteine im Hochparterre mit ihren stilisierten Mäulern eindeutig von vergleichbaren Beispielen der Renaissance abzuleiten. Dies gilt ebenso für die korinthischen Pilasterkapitelle des Standerkers wie für die Gestaltung der Halbsäulen im Obergeschoß.

Hierbei ist das untere Drittel der Säule durch einen doppelten Schaftring nach oben hin abgegrenzt und wird mit floralen Motiven und beschlagwerkartigen Motiven gestaltet. Diese plastische Gliederung der unteren Teile der Säulenschäfte verdeutlicht ein Bemühen der Renaissance-Architektur um einen Aufwertung der einzelnen Architekturteile. Für die Kompositkapitelle der Halbsäulen lassen sich vergleichbare Beispiele an venezianischen Renaissancebauten nennen.

Für die Fruchtgehänge der seitlichen Achsen läßt sich eine römische, in der Renaiccance tradierte Provenienz ableiten. Die Ädikulen, die im Obergeschoß die Fenster rahmen, sind als durchkomponierte Kleinarchitekturen in der Renaissance immer wieder als "Versatzstücke" benutzt worden, so auch als Fensterrahmung.

Außerordentlich bemerkenswert, weil bedeutsam für die Bauherrenschaft, sind der zentrale Figurenfries in der Drempelzone und das darüber liegende heraldische Motiv im Bereich des Attikageschosses. Sechs Putten stellen eine für das 19. Jahrhundert typische Kombination von Musen und Künsten dar:

V.l.n.r.: "Finanzwirtschaft" (hierbei bemerkenswert deren Erhöhung zu einer der Künste; Figur mit Melancholiegestus, kombiniert mit einem Geldbeutel), "Dichtkunst, bzw. Poesie" (2 Putten), "Baukunst, bzw. Architektur", "Astronomie", "Bildhauerkunst" (die dargestellte Figur arbeitet an einer Büste, die vermutlich den Bauherren des Hauses darstellt). Das heraldische Motiv in der zentralen Attikazone in Form eines von Löwen gehaltenen Wappenschildes mit einer Krone gehört zu den sog. Rang - und Würdezeichen. Die hier als Stirnreif mit Perlen ausgeführte Krone bezeichnet als Adelskrone den Rang eines Grafen oder Freiherren und kann somit Rückschlüsse auf den Stand des Bauherren geben.

Das Gebäude Volksgartenstr. 36 ist Bestandteil des ursprünglich mit Doppelvillen bebauten Ensembles Volksgartenstraße, die ursprünglich durch diese repräsentative Großform zwischen Vorgebirgsstraße und Eifelplatz - alte Ansichten belegen dies - in ihrem gehobenen Wohnanspruch charakterisiert wurde. Einzig die erhaltenen Halbvillen Nr. 40 und 42 sind neben der Nr. 34 mit dem o.g. Objekt vergleichbar und bilden gemeinsam ein Ensemble von repräsentativem Charakter, das die ursprüngliche historistische Bebauung auch heute noch erlebbar macht und als bauliches Dokument großbürgerlichen Wohnens unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0