Wohnhaus

Gerolsteiner Straße 77 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7982
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gerolsteiner Straße 77, 50937 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 29.10.1996
Stadtteil Sülz

Erbaut um 1912; querrechteckiger Grundriß mit breitem Risalit und relativ kurzem Seitenflügel.

Fassade: 3 Vollgeschosse, Staffelgeschoß, ausgebautes Satteldach; 4 Achsen (Eingang Mitte links); Putzfassade mit Gliederungselementen des Neo-Klassizismus (stilisierte Kolossalordnung; portalartige Eingangsrahmung; profilierte Gesimse); Mittenbetonung durch kräftig akzentuierten Mittelrisalit (Risalitverdachung nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut); Kellersockel mit scharriertem Putz; Eingangstür erneuert; Fenster erneuert (Kunststoff, große Fenster als Kreuzstockfenster, Fenster des Mittelrisalits mit Oberlichtern).

Rückfront: 4 : 2 Achsen; backsteinsichtig (Stirnseite Seitenflügel ebenfalls backsteinsichtig); Balkone (mit originalen Metallgeländern) am Vorderhaus und Seitenflügel; Balkonwände und Kellersockel neu verputzt; stichbogenförmige Fensteröffnungen (Badezimmerfenster nachträglich verkleinert); Fenster (großflächig mit Oberlicht) und zweiflüglige Fenstertüren (Kunststoff) erneuert; Hoftür neu; Zugangstreppe tur Hoftür neu.

Innen original: Vorflur: Terrazzoboden mit Einfassung; profilierte Deckenspiegel; Treppenhaus: Terrazzoboden und -treppe; Antrittspfosten, Geländerstäbe (mit Metallbuchsen) und Handlauf in Holz; Wohnungen: Grundrisse.

Veränderungen: Wohnungs- und Zimmertüren erneuert; DG im Krieg zerstört und rückwärtig erweitert wiederaufgebaut (Staffelgeschoß); Risalitdach nicht wiedererrichtet.

Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit gemauerter seitlicher Einfriedung (aufgeputzte Gliederung und Pfeiler) und die rückwärtig erhaltenen Hofmauern (verputzt).

Ortsgeschichtlich dokumentiert das Wohnhaus die zweite Phase der Bebauung des 1888 nach Köln hin eingemeindeten Vororts Sülz, der seine Entstehung den Ziegeleien und Kiesgrubenbetrieben des 19. Jahrhundert zu verdanken hat. Erste Bebauungsansätze datieren in das Jahr 1845. Die zweite, für Sülz wesentliche und das heutige Erscheinungsbild der Straßen immer noch prägende Entwicklungsstufe setzte kurz nach der Jahrhundertwende ein, als die Bebauung der Neustadt nahezu vollendet war. Entlang der wichitgen Ausfallstraßen, wie der Berrenrather, der Luxemburger und der Zülpicher Straße wurden jetzt weitere Gebiete, zu denen auch die Gerolsteiner Straße gehört, für ein zentrumnahes Wohnen erschlossen. Die Gerolsteiner Straße gehört in diesem Zusammenhang zu den relativ spät erschlossenen Wohnstraßen, die, parallel zum Sülzgürtel verlaufend, von der Zülpicher bis zur Wichterichstraße reicht.

Die qualitätvolle Gestaltung des o.g. Objektes wird durch eine Architekturauffassung charakterisiert, die unter bewußtem Verzicht auf eine dem Historismus verpflichtete Formenvielfalt eine Konzentration auf die wesentlichen, den Bau charakterisierenden Merkmale wie Stockwerkseinteilung, Fassadenrhythmisierung und Kubatur fordert und baukünstlerisch umsetzt. Diese Architekturauffassung ist als bewußte Reformbewegung der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu verstehen, die den strengen Neo-Klassizismus konsequent weiterentwickelt, um zu einer neuen, als zeitgemäß, um nicht zu sagen modern empfundenen Architektursprache zu finden, die dann zwischen den Weltkriegen ihren konsequentesten Ausdruck im sogenannten "Neuen Bauen", oder auf internationaler Ebene im "International Style" findet.

Das Haus Gerolsteiner Straße 77 dokumentiert mit seiner zeittypisch sparsam stuckierten Putzfassade diese Architekturauffassung, die sich in bewußter Abkehr vom überrreichen Formenrepertoire der oft als überladen empfundenen historistischen Architektur auf die Gestaltung der das Gebäude konstituierenden Bauteile konzentriert.

Der Baukörper gliedert sich horizontal in drei Bereiche: Sockel (Kellersockel und EG), Obergeschosse (durch die Kolossalordnung betont) und Staffelgeschoß mit Dach. Dem steht eine strenge Vertikalität, im Wesentlichen durch den Mittelrisalit und die Kolosalordnung ausgedrückt, als ausgleichendes Moment gegenüber. Als Einheit ergeben beide Gliederungssysteme eine in sich ruhende Fassade von klassizistischer Strenge, die die straßenbildprägende Wirkung des Hauses ausmacht. Wesentlich für das Gesamtbild des Straßenzuges ist die individuelle, von Gebäude zu Gebäude variierende Risalit-, Erker-, Dach- und Detailgestaltung.

Die Bauten Gerolsteiner Straße 59-73 (Nr. 57 wurde im Krieg zerstört) bilden ein ursprünglich symmetrisch angelegtes Ensemble, dessen Mittelbau die Nr. 65 ist. Für die Bauten Nr. 75 (im Krieg vollkommen zerstört) bis Nr. 79 weist die baugestalterische Einheit der Häuser Nr. 77 und 79 auf eine ebenfalls symmetrisch angelegte Dreihäusergruppe hin, bei der das o.g. Objekt aufgrund des markant vorspringenden Mittelrisalits als Mittelbau fungierte und die Gruppe straßenbildprägend rhythmisierte.

Als integraler Bestandteil des im Teilbereich zwischen Münstereifeler und Berrenrather Straße noch überwiegend original erhaltenen Straßenensembles ist das o.g. Objekt unverzichtbar für die städtebaulichen, durch zeittypische Architekturauffassungen geprägten Zusammenhänge, die durch bauliche Dokumente wie das benannte Gebäude anschaulich und erlebbar bleiben und unbedingt zu erhalten sind.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0