Wohnhaus

Gerolsteiner Straße 71 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2812
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gerolsteiner Straße 71, 50937 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 07.03.1985
Stadtteil Sülz

Ortsgeschichtlich dokumentiert das Wohnhaus die zweite Phase der Bebauung des 1888 nach Köln hin eingemeindeten Vororts, der seine Entstehung den Ziegeleien und Kiesgrubenbetrieben des 19. Jh. zu verdanken hat. In Sülz beginnt diese Entwicklung im Jahre 1845 in dem Bereich zwischen Sülzburgstraße und Aegidiusstraße. Die zweite Entwicklungsstufe in Sülz setzt kurz nach der Jahrhundertwende ein, als die Kölner Neustadt nahezu vollendet war und somit weitere Gebiete für ein stadtzentrumnahes Wohnen erschlossen werden mußten. Die Gerolsteiner Straße ist eine relativ spät erschlossene Wohnstraße parallel laufend zum Sülzgürtel. Baugeschichtlich dokumentiert das 3geschossige, 3achsige, traufständige Mietstockwerksgebäude mit zeittypischer, sparsam stuckierter Putzfassade die Übergangsphase zur Neuen Sachlichkeit. Ein hoher, spitz zulaufender, über die gesamte Fassadenbreite sich ziehender Giebel mit kleiner, halbkreisförmiger Lukenöffnung läßt das Gebäude trotz der dahinterliegenden, an die Nachbarbebauung anknüpfenden Satteldaches giebelständig erscheinen. Die Axialität wird durch einen breiten Mittelerker mit Balkonaufbau betont, profilierte gekröpfte Fensterbankgesimse und lisenenartige sowie andere Putzvorlagen gliedern und strukturieren die lediglich in drei Brüstungsfeldern und der Portalzone stuckierte Fassade. Die historische Fensterteilung der geraden Fensteröffnungen sowie die ornamentierte Haustür mit rundem Sichtfenster vervollkommnen die ästhetische Einheit der Fassade, die als konstruktiver Teil des Hauskerns Proportion veranschaulicht. Der Hausfront vorgelagert ist ein Vorgarten mit schmiedeeiserner Gittereinfriedung. Die rückwärtige Fassade ist verputzt, eine ebenfalls verputzte Mauer umschließt ein kleines Gärtchen. Im Innern des Gebäudes blieb der Originalbestand des Eingangs mit inkrustiertem Terrazzofußboden, gefliesten und mit Marmorstreifen umrandeten Wänden sowie Deckenstuck weitgehend erhalten. Zeittypisch ist auch die Terrazzotreppe mit Holzgeländer, die die Wohngeschosse verbindet. Hier dokumentieren Stuckmedaillons und Kehlleisten an den Decken sowie die Wohnungs- und Zimmertüren den Übergang von handwerklicher zu industrieller Fertigung. Städtebaulich ist das Gebäude ein wesentlicher Bestandteil der überwiegend original erhaltenen Bebauung der beginnenden Moderne nach 1910 (von Haus Nr. 73 bis Nr. 63), wobei hier die Häuser in Maß, Komposition und Bauzier sowie der alternierenden Folge der hier beschriebenen Giebelbauweise ein selten einheitliches denkmalwürdiges Straßenensemble darstellt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0