Wohnhaus

Gerolsteiner Straße 73 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7949
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gerolsteiner Straße 73, 50937 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.09.1996
Stadtteil Sülz

Erbaut um 1912; Fassade: 3 Vollgeschosse, ausgebautes Satteldach (Gaube mit rundbogigem Abschluß links, nachträglich ins Dachgeschoß erweiterte Fassade rechts); 3 Achsen (Eingang Mitte links); Putzfassade mit Gliederungselementen des Neo-Klassizismus; Mittenbetonung durch konvex vorgewölbten dreigeschossigen Erker (großflächig durchfenstert); Eingangstür erneuert; Fenster erneuert (Kunststoff, große Fenster als Kreuzstockfenster, Erkerfenster mit Oberlichtern).

Rückfront: 3 Achsen; komplett neu verkleidet (Eternit o.ä.); Wintergarten (EG) und Balkone (1./2.OG) nach dem Krieg wiederaufgebaut; Balkongeländer (Metall) original; 5 in die Dachhaut einschneidende Fenster; Spitzboden nachträglich ausgebaut (3 neue Gauben); Fenster erneuert; Hoftür original.

Innen original: Vorflur: Terrazzoboden mit Einfassung; Wandfliesen mit profilierter Bordüre; Stuckdeckenleiste; Treppenhaus: Terrazzoboden und -treppe; Antrittspfosten, Geländerstäbe (mit Metallbuchsen) und Handlauf in Holz; Fensterbänke; Kellertür mit Beschlag; Wohnungen: Grundrisse (außer Vergrößerung der Bäder und Einbau einer Wendeltreppe zwischen EG/1.OG rechts); Wohnungstüren (je beide im EG/1./2.OG, je eine im 3.OG/DG).

Veränderungen: große Teile der rechten Gebäudehälfte nach starker Kriegszerstörung (das Nachbarhaus war total zerstört) wiederaufgebaut.

Bestandteil des Denkmals sind auch der Vorgarten mit Einfriedung und die rückwärtige, dreiseitige Gartenmauer (verputzt, mit Vorlagen).

Ortsgeschichtlich dokumentiert das Wohnhaus die zweite Phase der Bebauung des 1888 nach Köln hin eingemeindeten Vororts Sülz, der seine Entstehung den Ziegeleien und Kiesgrubenbetrieben des 19. Jahrhundert zu verdanken hat. Erste Bebauungsansätze datieren in das Jahr 1845. Die zweite, für Sülz wesentliche und das heutige Erscheinungsbild der Straßen immer noch prägende Entwicklungsstufe setzte kurz nach der Jahrhundertwende ein, als die Bebauung der Neustadt nahezu vollendet war. Entlang der wichitgen Ausfallstraßen, wie der Berrenrather, der Luxemburger und der Zülpicher Straße wurden jetzt weitere Gebiete, zu denen auch die Gerolsteiner Straße gehört, für ein zentrumnahes Wohnen erschlossen. Die Gerolsteiner Straße gehört in diesem Zusammenhang zu den relativ spät erschlossenen Wohnstraßen, die, parallel zum Sülzgürtel verlaufend, von der Zülpicher bis zur Wichterichstraße reicht.

Die qualitätvolle Gestaltung des o.g. Objektes wird durch eine Architekturauffassung charakterisiert, die unter bewußtem Verzicht auf eine dem Historismus verpflichtete Formenvielfalt eine Konzentration auf die wesentlichen, den Bau charakterisierenden Merkmale wie Stockwerkseinteilung, Fassadenrhythmisierung und Kubatur fordert und baukünstlerisch umsetzt. Diese Architekturauffassung ist als bewußte Reformbewegung der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu verstehen, die den strengen Neo-Klassizismus konsequent weiterentwickelt, um zu einer neuen, als zeitgemäß, um nicht zu sagen modern empfundenen Architektursprache zu finden, die dann zwischen den Weltkriegen ihren konsequentesten Ausdruck im sogenannten "Neuen Bauen", oder auf internationaler Ebene im "International Style" findet.

Das Haus Gerolsteiner Straße 73 dokumentiert mit seiner zeittypisch sparsam stuckierten Putzfassade diese Architekturauffassung, die sich in bewußter Abkehr vom überrreichen Formenrepertoire der oft als überladen empfundenen historistischen Architektur auf die Gestaltung der das Gebäude konstituierenden Bauteile konzentriert.

Die einzelnen Bauteile, wie die horizontal gegliederten Wandflächen, das steil aufragende Dach und vor allem der konvex vorgewölbte Mittelerker, bestimmen die straßenbildprägende Wirkung des Hauses. Wesentlich für das Gesamtbild des Straßenzuges ist die individuelle, von Gebäude zu Gebäude variierende Erker-, Dach- und Detailgestaltung. Die Bauten Gerolsteiner Straße 59-73 (Nr. 57 und 75 wurden im Krieg zerstört) bilden ein ursprünglich symmetrisch angelegtes Ensemble, dessen Mittelbau die Nr. 65 ist und das o.g. Objekt einer der Abschlußbauten.

Die strenge Axialität des Gebäudes wird durch den vierachsigen Mittelerker betont, der über die Traufkante ragt und auf der rechten Seite mit der beim Wiederaufbau höherzonierten rechten Gebäudeachse gekoppelt ist. Profilierte und verkröpfte Sohlbankgesimse und flach aufgeputzte Wandspiegel strukturieren den Baukörper ohne die Einzelformen gegenüber den Großformen übermäßig aufzuwerten.

Als integraler Bestandteil des im Teilbereich zwischen Münstereifeler und Berrenrather Straße noch überwiegend original erhaltenen Straßenensembles ist das o.g. Objekt unverzichtbar für die städtebaulichen, durch zeittypische Architekturauffassungen geprägten Zusammenhänge, die durch bauliche Dokumente wie das benannte Gebäude anschaulich und erlebbar bleiben und unbedingt zu erhalten sind.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0