Wohnhaus
Zehntstraße 43 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8020 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Zehntstraße 43, 51065 Köln |
| Baujahr | 1886 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.11.1996 |
| Stadtteil | Mülheim |
1886 erbaut, 2 1/2 geschossiges, traufständiges Reihenhaus mit hofseitigem Anbau, ehemals Teil der Werkssiedlung des benachbarten Carlswerks (Felten & Guilleaume).
Straßenfassade: dreiachsige, unverputzte Backsteinfassade, Haustür in rechter Achse mit Putz eingefaßt, Tür und alle Fenster mit Segmentbögen (Türblatt und Fenster erneuert), im verputzten Sockel 2 originale Kellerfenster, darüber 2 EG-Fenster, 3 OG- Fenster mit Sohlbankgesims, Drempelgeschoß mit 2 kleinen Fensteröffnungen je Achse (Fenster original) und Sohlbankgesims, gestuftes Traufgesims (1 liegendes Dachfenster nachträglich).
Hoffassade: zweiachsige Backsteinfassade, deren Gestaltung der Straßenfassade entspricht (Kellerfenster original, übrige Fenster erneuert, 3 liegende Dachfenster nachträglich).
Innen original: Grundrißdisposition in allen Geschossen; im Keller gestampfter Boden, Wände und Kappendecke aus Backstein, hölzerne Kellertreppe; im EG Dielenboden (im Flur mit Steinplatten erneuert), 1 Zimmertür, 1 Kellertür und segmentbogiger Durchgang zum Anbau, Holztreppe mit kassettierter Holzverkleidung des Unterbaus (darin Kellerabgang), Treppengeländer mit profiliertem Antrittspfosten, Podestpfosten und Holzstäben; im OG Dielenboden, 4 Türblenden und 1 Türblatt mit jeweils 3 querrechteckigen Füllungen (Beschläge erneuert); Dachgeschoß als Drempelgeschoß, Dielenboden, 3 Türblenden und 2 Türblätter (straßenseitiger Toiletteneinbau im Treppenhaus nachträglich).
Anbau: baueinheitlich mit dem Vorderhaus, eingeschossig, backsteinsichtig, Pultdach, in halber Grundstücksbreite, originale Hoftür mit Oberlicht, 1 segmentbogiges Fenster (erneuert), gestuftes Traufgesims, Inneres verändert (Badezimmer eingebaut).
Hofbereich: verwinkelter, bis zur Holweiderstraße ziehender Hof (teilweise neu gepflastert), z. T. Grünfläche, originale Hofmauer aus Backstein (Tür neu eingebrochen), gemeinsam mit dem nördlichen Nachbarhaus Nr. 45.
Mülheim entwickelte sich im Laufe der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aus einer gewerblich bestimmten Siedlung zu einer Industriestadt, die räumlich weit über die mittelaterlichen Grenzen hinauswuchs und 1914 in die Stadt Köln eingemeindet wurde. Wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung hatte die Firma Felten & Guilleaume, die 1874 in das nordöstlich der Mülheimer Altstadt gelegene Carlswerk übersiedelte. Gleichzeitig mit dem Fabrikbau wurden firmeneigene Arbeiter- und Meisterwohnungen südlich des Werkes errichtet, die damals überregional Interesse weckten. Diese Bauten zählen zu den frühesten Werkssiedlungen im Kölner Raum, die in ihrer Bauart heute einzigartig im Stadgebiet sind. Der Siedlungscharakter der an der Holweider- , Keup- und Zehntstraße errichteten Häuser wird durch die einheitliche Gestaltung der Reihenbauten bestimmt (Traufständigkeit, unverputzte Backsteinfassaden sowie einheitliche Tür-, Fenster- und Gesimsformen). Die zunächst errichteten dreigeschossigen Bauten an der Keupstraße (für jeweils 3 Arbeiterfamilien) weisen diese Formen ebenso auf wie die 1 1/2 geschossigen Meisterhäuser an der Zehntstraße und die 2 1/2 geschossigen Arbeiterhäuser an der Ecke Zehntstr./ Holweiderstr. Zugleich sind die Bauten ein Dokument des frühen rationalisierten und typisierten Bauens in Backstein: Die wenigen Schmuckformen wie Sohlbankgesimse und segmentbogige Fensterstürze sind aus der Mauertechnik entwickelt. Fenster und Türen waren Serienfabrikate.
Teil der 2 1/2 geschossigen Eckbebeauung ist auch das Haus Zehntstr. 43. Es bildet mit dem spiegelsymmetrischen, südlichen und dem nördlichen Nachbarhaus (Nr. 41 und 45) ein markantes, die Ecke der ehemaligen Werkssiedlung betonendes Ensemble, das die Meisterhäuser an der Holweider- (im 2. Weltkrieg zerstört) und Zehntstraße um ein Geschoß überragt und die von der Straße abgerückte Bauflucht der Meisterhäuser durchbricht. Ganz ähnlich war die Situation an der Ecke Zehntstr./ Bergisch Gladbacher Str. Das in unmittelbarer Nähe (auf der anderen Seite der Holweiderstraße) liegende Fabrikgelände macht noch heute die von der Firmenleitung aus ökonomischen und politischen Gründen geförderte Nähe von Arbeits- und Wohnbereich nachvollziehbar und ist ein wichtiges Zeugnis für die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiterschaft während der beginnenden Industrialisierung. Eine wesentliche sozialgeschichtliche Quelle ist auch die erhaltene Gestaltung und Raumaufteilung im Inneren des o. g. Objekts. Die beiden dreiräumigen Wohnungen für 2 Arbeiterfamilien sind mit 51 qm 11 bis 16 qm größer als die 10 Jahre zuvor errichteten Arbeiterwohnungen an der Keupstraße und dokumentieren eine kontinuierliche Vergrößerung der Wohnfläche, die in den um 1900 errichteten Bauten (Keupstr. 19) 75 qm erreicht. Ablesbar ist darüberhinaus die ehemalige Nutzung des hinteren Grundstückteils als Hof und Nutzgarten mit Stall und Abort im Anbau.
Aus den o.g. Gründen ist die Erhaltung des Denkmals unbedingt erforderlich.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0