Wohnhaus

Zehntstraße 45 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8021
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Zehntstraße 45, 51065 Köln
Baujahr1886
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.11.1996
Stadtteil Mülheim

1886 erbaut, 2 1/2geschossiges, traufständiges Eckhaus, Teil der Werkssiedlung des benachbarten Carlswerks (Felten & Guilleaume).

Straßenfassade: unverputzte Backsteinfassade, fünfachsige zur Zehntstr., einachsig in der abgeschrägten Ecke und dreiachsig zur Holweiderstr.; Haustür in der linken Achse zur Zehntstr., verputzte Türeinfassung, Tür und alle Fenster mit Segmentbögen, je Achse 1 Kellerfenster im verputzten Sockel, 1 EG- und 1 OG-Fenster sowie 2 kleine Fensteröffnungen im Drempelgeschoß; EG- und OG-Fenster zur Holweiderstr. vermutlich von Anfang an vermauert, Sohlbankgesims im OG und im Drempel, gestuftes Traufgesims;

Hoffassade: zweiachsige Backsteinfassade, entsprechend der Straßenansicht gestaltet;

Hofbereich: an der Holweiderstraße, eingeschossiger, vermutlich nachträglicher Anbau, Garten, Gartenmauer aus Backstein.

Veränderungen: Hölzerne Haustür und Sprossenfenster in Anlehnung an originale Tür und Fenster erneuert, Eckfenster im EG und rechtes EG-Fenster zur Holweiderstr. neu vermauert, die Drempelfenster zur Zehntstr. und zum Hof sowie 2 Kellerfenster zur Holweiderstr. nachträglich zugesetzt, liegende Dachfenster auf beiden Dachseiten, breiter Firstkamin neu aufgesetzt, ehemalige Gartentür in Hofmauer zugesetzt und durch 2 moderne Türen (zu Zehntstr. 43 und 45 gehörend) ersetzt.

Mülheim entwickelte sich im Laufe der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aus einer gewerblich bestimmten Siedlung zu einer Industriestadt, die räumlich weit über die mittelaterlichen Grenzen hinauswuchs und 1914 in die Stadt Köln eingemeindet wurde. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte die Firma Felten & Guilleaume, die 1874 in das nordöstlich der Mülheimer Altstadt gelegene Carlswerk übersiedelte. Gleichzeitig mit dem Fabrikbau wurden firmeneigene Arbeiter- und Meisterwohnungen südlich des Werkes errichtet, die damals überregional Interesse weckten. Diese Bauten zählen zu den frühesten Werkssiedlungen im Kölner Raum, die in ihrer Bauart heute einzigartig im Stadgebiet sind. Der Siedlungscharakter der an der Holweider- , Keup- und Zehntstraße errichteten Häuser wird noch nicht durch eine völlig geschlossene Bebauung bestimmt, sondern durch die einheitliche Gestaltung der Reihenbauten (Traufständigkeit, unverputzte Backsteinfassaden sowie einheitliche Tür-, Fenster- und Gesimsformen). Die zunächst errichteten dreigeschossigen Bauten an der Keupstraße (für jeweils 3 Arbeiterfamilien) weisen diese Formen ebenso auf wie die 1 1/2geschossigen Meisterhäuser an der Zehntstraße und die 2 1/2 geschossigen Arbeiterhäuser an der Ecke Zehntstr./ Holweiderstr. Zugleich sind die Bauten ein Dokument des frühen rationalisierten und typisierten Bauens in Backstein: Die wenigen Schmuckformen wie Sohlbankgesimse und segmentbogige Fensterstürze sind aus der Mauertechnik entwickelt. Fenster und Türen waren Serienfabrikate.

Teil der 2 1/2 geschossigen Eckbebeauung ist auch das Haus Zehntstr. 45. Es bildet mit den südlichen Nachbarhäusern (Nr. 41 und 43) ein markantes, die Ecke der ehemaligen Werkssiedlung betonendes Ensemble, das die Meisterhäuser an der Holweider- (im 2. Weltkrieg zerstört) und Zehntstraße um ein Geschoß überragt und die von der Straße abgerückte Bauflucht der Meisterhäuser durchbricht. Ganz ähnlich war die Situation an der Ecke Zehntstr./ Bergisch Gladbacher Str. Der rückwärtige Garten diente zur teilweisen Eigenversorgung der Bewohner. Das in unmittelbarer Nähe (auf der anderen Seite der Holweiderstraße) liegende Fabrikgelände macht noch heute die von der Firmenleitung aus ökonomischen und politischen Gründen geförderte Nähe von Arbeits- und Wohnbereich nachvollziehbar und ist ein wichtiges Zeugnis für die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiterschaft während der beginnenden Industrialisierung. Aus den o.g. Gründen ist die Erhaltung des Denkmals unbedingt erforderlich.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0