Wohnhaus

Thielenbrucher Allee 3 · Dellbrück

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8140
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Thielenbrucher Allee 3, 51069 Köln
Baujahr1909
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.08.1997
Stadtteil Dellbrück

Erbaut 1909; zweigeschossige, traufständige Villa mit Putzfassade, ausgebautem Dachgeschoß und Krüppelwalmdach.

Straßenfront: 2 Achsen, Fenster größtenteils original, ebenso Gitter vor Kellerfenstern und Fensterläden im OG, rechts Parterreerker mit dreiteiligem Fenster und schmalen Seitenfenstern (diese nachträglich vergittert), darüber Balkon (Brüstung, Tür und Fenster erneuert) und übergiebeltes Dachhaus (Bekrönung fehlt) mit 3 gestuften Fenstern; links jeweils zwei gekuppelte Fenster, darüber nachträglich eingebautes Dachhäuschen.

Süd-Seite: vorspringendes Bauteile mit Eingangsloggia (Freitreppe und Haustür original) und Pult- und Walmdach, originale Fenster (2 bunt) und Fensterläden (im OG und Giebelfeld), 2 Fensteröffnungen nachträglich vergittert. Rückseite: links originale Kellertür und 2 Kellerfenster, darüber aufgeständerter Anbau (nachträglich erweiterter Wintergarten) mit Balkon (Balkontür und -fenster nachträglich); rechts im EG und OG 1 großes und 1 schmales originales Fenster, Dachhäuschen nachträglich, Kamin erneuert.

Nord-Seite: je Geschoß 1 Fenster, im EG nachträglich vergittert, im OG und Giebel originale Schlagläden, Garage (50er Jahre) angebaut.

Innen original: Keller mit Betonkappendecke (Einbau Lutschutzkeller, Kellertreppe und teilweise Boden erneuert); EG: Bodenfliesen im Flur (Flur-Türen erneuert), 3 Zimmer mit Voute, Wandabschlußleiste und Deckenstuckaturen, z. T. originale Rolläden und Heizungskörper (Wanddurchbruch, Badezimmervergrößerung und 2 abgehängte Decken); OG: 2 Zimmer mit Mittelrosetten, 3 Türen (Holzböden erneuert, in Küche aufgedoppelt); DG: Dielenboden, Tür und Holztreppe zum Spitzboden; Treppe und Geländer aus Holz (Antrittspfosten, gedrechselte Stäbe und Vierkanthölzer).

Garten: Vorgarten und Einfriedung (Steinpfosten, Gitter und Tor) erhalten; rückwärtiger Garten mit altem Baumbestand, Weiher und Bach (Terrasse und Bassin nachträglich).

Nicht Bestandteil des Denkmals sind die nachträglichen Anbauten (Garage und ehemaliger Schafstall), die Garten-Terrasse und das Bassin.

Der heutige Ortsbereich Dellbrück entstand erst 1905 durch Zusammenlegung der Dörfer Thurn, Strunden, Hagedorn und Dellbrück und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die einzelnen Ortschaften mehr und mehr zusammen und der Ort begann sich unter dem Einfluß der verkehrsmäßigen Anbindung an Köln durch Eisen- und Straßenbahnlinien zu entwickeln. Der Bergisch Gladbacher Straße als Ost-West-Verbindung kam dabei besondere Bedeutung zu. Die ehemalige Land- und Heerstraße war 1842 durch den Freiherrn von Fürstenberg zur Chaussee ausgebaut worden. Am östlichen Ende dieser Straße entstand im Bereich von Thielenbruch, einem ursprünglich sumpfig-moorigen Waldgebiet, seit der Jahrhundertwende ein Wohnviertel für die gehobenen Ansprüche wohlhabender Bürger, das sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu einem rechtsrheinischen Villenvorort Mülheims bzw. Kölns entwickelte. Gefördert durch die Eingemeindung Dellbrücks nach Köln im Jahre 1914 entwickelte sich das weiträumig angelegte und durchgrünte Villenviertel Thielenbruch zu einem heute noch weitestgehend geschlossen erhaltenen Viertel besonderer Wohnqualität, das die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Entstehungszeit spiegelt und das Bedürfnis der damaligen Stadtbevölkerung nach zurückgezogenem Wohnen im Grünen veranschaulicht.

Ein typisches Beispiel für die Thielenbrucher Bauten zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist das o. g. Objekt. Sein Äußeres ist ausgezeichnet durch vor- und zurückspringende Bauteile mit bewegter Dachlandschaft, Krüppelwalmdach und Fensterläden, die als Rückgriff auf die regionale Bautradition zu werten sind. Akzentuiert wird der Baukörper durch Parterreerker, Balkon und Dachhaus mit Giebel, die die rechte Fassadenachse bilden, sowie die seitlich angefügte Eingangsloggia. Auf Außenschmuck wie Stuckaturen und Zierfachwerk wurde verzichtet, so daß die sorgfältig gestalteten Details um so mehr wirken (Erkerfenster, Torgitter). Diese Zurückhaltung im äußeren Schmuck ist bei den um 1910 entstandenen Bauten häufig festzustellen und kann als Abwendung von den überreich geschmückten Fassaden des Historismus gewertet werden.

Wesentlich für die Wirkung des Hauses ist auch seine Einbettung in intakte Grünflächen mit altem Baumbestand (Vorgarten, Garten und Allee). Die Gestaltung des Hauses wie seiner Umgebung spiegeln den Rückzug der Villenbewohner in die ländliche Idylle am Rande des Bergischen Landes.

Das o. g. Objekt ähnelt den kleineren Villen und den zu Doppelvillen zusammengefaßten Bauten in Thielenbruch (Bergisch Gladbacher Str. 1131, 1244, Thielenbrucher Allee 2b). Sie bilden mit einigen größeren Gebäuden den ältesten Teil des Thielenbrucher Baubestandes und prägen den Villencharakter des Vorortes. Aus den o. g. Gründen stellt das Haus Thielenbrucher Allee 3 ein unverzichtbares Dokument der Entstehungsgeschichte dieses Villenvororts dar.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0